Welcome to the Jungle

von Raphael Heumann

Der Chitinpanzer des vergebens um sein Leben zappelnden Käfers knirscht, als deine gebleachten Schneidezähne es vorsichtig, aber präzise in der Mitte zerteilen. Im Moment seines Ablebens, guillotiniert von einer höheren Macht, sind Millionen Augenpaare vor bundesdeutschen Flimmerkisten auf das in deinem Mund verendende Insekt gerichtet. Wer von euch beiden ist der tragische Held dieser Szene? Stößt dir der Gefühlscocktail aus Frust, Scham und Ekel bitterer auf als der reelle aus Ochsenfroschlaich und Alligatorenurin? Wo verzeichnest du deine Selbstachtung auf einer Skala von eins bis zehn?

Schweißperlen glitzern auf deiner sonnenverbrannten Stirn, brechen das quotengeil gleißende Rampenlicht und werfen die Spektralfarben gen Kamera. Schillernder Abschaum einer Persönlichkeit. Dein Kiefer verkrampft sich, Magensäure kriecht deine Kehle hinauf, doch du kämpfst weiter. Und fragst dich: wofür eigentlich? Um deine gescheiterte mediale Existenz für ein paar weitere kümmerliche Minuten zu verlängern? Zugegeben, Warhols Viertelstunde Fame hast du dir auch anders vorgestellt.

War es letztendlich die almighty Gage, die dich den Überrest deiner sogenannte Seele hat verkaufen lassen? Eine mickrige Summe, wenn man bedenkt, wieviel skrupellose Programmchefs an deinen live übertragenen menschlichen Abgründen verdienen? Brot und Spiele für den Pöbel, von dem du dich eigentlich abheben wolltest. Verdräng den Gedanken wieder und konzentrier dich aufs Kauen. Sie sagen, der erste Schluck sei der schlimmste. Du bist kein Star, keiner holt dich raus.

Guten Appetit!

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