Wechselzeit

von Nora Manz

Wispernd rieselt die Wahrheit aus den berstenden Ähren des Sommers, während sich die leeren Hülsen dem Wind ergeben.
Eine Sprache, die perlend sprudelt, das Klappern der Schnäbel, schnarrender Laut. Eine Melodie, die jeden Buchstaben atmen lässt.
Inmitten des Gewirrs aus Stimmengeklirr, aus Rauchschwaden und dämmrigem Licht, liegt diese Insel: Ein tiefes Gespräch, geteilte Gedanken.
Zuhause tropft durchs Fenster schon der Herbst herein, schwappt vorher in Runden. Wabernd weiß verrät ihn doch sein Atem, wenn er um die Ecken geht.
Erdnah sind diese Tage, saugend. Ich aber schichte einen Turm aus ungelesenen Texten, steige bis zum Mond und lasse die Blätter voller Worte rieseln. Knisternd trocken segeln sie und unter ihnen ich.
Lass dich furchtlos auf den Böen des Sturms tragen – zurück oder hinein in die Zukunft!
Drohend hängen die Wolken. Ein gebeugtes Heer von Sonnenblumen, verkommen und grünbraun, steht mir voraus. Als Bote der lockenden Vergesslichkeit vertritt es die befreite Leere. Ist es Stopfstroh, Potential.
Diese Müdigkeit, die mit ihrer Stummheit alles ausfüllt, jede Suche behindert, das Jetzt verhüllt, wird sie mit dem Regen versickern?
Der feuchterdige Geruch steigt auf, holt Lächeln auf Gesichter. Ein „Vielleicht“ spricht dann mit Zuversicht aus ihnen. So viele Kreise schließen sich, als würde sich ein Kieselschauer auf einen See ergießen und tausend Ringe malen.
Kommt das Eis, wird das Leben wahrnehmbar. Ist das Eis da, steht alles still. Mit der Wärme kehrt die Trägheit blendend zurück.
Flocken werfen das Traumlicht des Morgens hinauf gegen gefärbte Wolken, von dort fällt es als Abendlicht.
Diese Kälte, verlangsamtes Leben, ernüchternd und verzaubernd, erhebt aus der Zeit, versenkt in den Moment.
Das Leben breitet sich in dir aus, kalte Luft, küsst jede Zelle, schmeckt herrlich herb.
Kühler Asphalt bedeckt nun das, was gestern noch so offensichtlich war. Daneben: Ein einzelner Baum, verirrt. Duftende Nadeln erhalten ferne Freundschaften.
Ich setze mich in einen Dorn. Gift und Droge. Alles in einem Tropfen: Konzentriertheit, Farben, nahende Distanz. Eine Träne fällt zu Boden, eine Welt zerbirst. Gebrochene Türen, weite Arme – kein Platz bleibt mehr für Innenraum.
Genügsamkeit und samtige Luft.

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