Der Einbruch

von Sonja Lewandowski

Von weitem konnten sie mit trübem Blick und klarer Sicht durch die gebrochene Scheibe in den Innenraum des Wagens schauen. Der Weg dorthin glatt, der Schritt tastend und nicht mehr alltäglich. Der Bordstein verdeckt und die Rinne davor, von geschobenem Schnee aus der Mitte genommen, an den Rand getürmt. Kein Blick zum anderen, als beide versuchten hin zum Wagen zu rennen, die Augen zur Glätte gerichtet, obwohl die nicht sagte, wer wann den Boden verlor. Weniger wurde in dieser kurzen Eile nicht genommen. Eine schimmernde Pfütze Glas zu Fuß und Reifen. Kein Blick zum anderen, da griffen beide durch das offene Fenster in das durchwühlte Auto, noch verschlossen, und suchten nach Dingen, die fehlten. Ohne Inhalt lag dort ein Beutel, ohne Hülle lag dort Verhülltes. Glas und Schnee mischten sich auf dem schwarzen Leder der Rückbank. „Fass nicht hinein, du könntest dich schneiden.“ „Fass du nichts an, vielleicht gibt es Spuren.“ Und so wichen sie zurück, vor den übrigen Dingen, die dort lagen und froren.

Sie nahmen sich Tüten und Band, bis es klebte. Das Fenster verdunkelt, verschlossen, dahinter das Glas und der Schnee, wie davor. Ein Wort wechselte und sie riefen nach Hilfe. Es würde länger dauern, sagte man ihnen aus der Ferne. Man wisse es nicht, in einiger Zeit. Dort wo sie waren, gäbe es viele. Dann kamen sie und nahmen die Hoffnung auf Spuren und Schuld, die ein anderer hatte.

Eine Liste der Dinge, die fehlten, unbeschrieben auf dem Fahrersitz, denn es fiel nicht viel ein, was dort nicht mehr lag. Es war nun nicht leerer, eine Decke, ein Korb, viele Flaschen, nicht mehr aneinander gereiht und gelegen, und manches lag schwer auf den Kopf in zerdrückte Bäuche leerer Flaschen gefallen, und es kam doch gelegen. In Hast gesucht und mit Glas vermischt, war es mehr als zuvor und davor war es sauber und warm. Die Decke kalt, die Hände wirr, die Knie nass in die Decke gedrückt, in den Wagen gebeugt, unter der Decke gebückt, sammelnd. Sie stand weit weg und suchte in Büschen nach möglichen Dingen, die ihr auf Listen entfielen. Über Zäune gestreckt, ins Gesträuch gelehnt, die Zähne gepresst und den Mund gezogen, zum Boden, wo kein Winkel verriet, was noch zu finden sei, hörte sie auf zu stehen. „Bleib beim Wagen, wir fahren gleich weiter. Geh nicht zu weit, was suchst du denn, es fehlt nichts.“, sprach er ungeduldig und kehrte ihr den Rücken und das Glas vor den Reifen weg. „Lass mich doch zurücklaufen und sowieso, vor. Lass mich den Weg ablaufen, wie ich mag!“, rief sie, nicht in seine Richtung. „Vieles liegt nah, liegt herum, wird vergessen. Wird genommen und nach ein paar Schritten nicht mehr gewollt, ist zu schwer, wird verworfen.“, sagte sie nicht mehr. „Es fehlt nichts.“, wollte er sagen, er verwarf den Satz und glaubte ihn nicht, zu schwer aus seiner Haltung zu heben, das Rückrad gekehrt, und ihr fehlte weiter, was nicht einfallen wollte.

Das Glas war stumpf, ein sicheres Glas, für den Unfall gemacht, es durfte brechen. Schimmernd von weitem, trüb so zerfallen in Splitter, kein Durchsehen und auch kein Schneiden. Es war ärgerlich, nicht mehr und es störte nicht lang.

Als sie weiterfuhren, denn es wurde kalt und ungemütlich und bequem war es auf ihren Sitzen sehr, zog es von hinten. Das gespannte Plastik knallte gegen die harte Luft, wollte nicht reißen und gab keine Ruhe.

Immer und immer fanden sie die leicht blau schimmernden Glaskrümel auf ihren Fahrten. Wenn sie sich nach hinten beugte, um nach etwas zu greifen, wenn er den Hebel umstellte, nachdem sie am Steuer gesessen hatte, die Beine dann immer gebeugt, bis der Stuhl nach hinten zog.

Unter den Sitzen sammelten sich stumpfe Reste, ein Taschentuch, hart und gelb, eine Scherbe, nicht scharf an den Rändern, noch lange nicht weich, eine zerdrückte Flasche, die Decke gewaschen. Der Schnee war längst weg, der Motor heulte nicht auf, der Wagen rollt.

 

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