23.03.2015: natürlichkeitsschleim & the new neutrals

natürlichkeitsschleim & the new neutrals – protokoll einer woche

 von Sonja Lewandowski

Sonntag: Nachm Baxmeyer-Tatort aus Versehen hängen geblieben. Es riecht schon verdächtig, da steht er auch schon: Jauch und sein Natascha-Kampusch-Journalismus. Dinge, also Menschen aus Jauche formen, die sich vermarkten lassen, kurz drüber spülen, ausleuchten, Augen zu und trotzdem gucken wie ein dummes, kleines Kind, das Niemandem was getan hat. Vielleicht noch ein Buch schreiben, einen Film drehen. Die Angst nicht gesehen zu werden, ist das Programm. Der Fernseher, die Anti-Höhle in HD. Ich immer noch da, gefesselt in meiner Höhle, kann den Kopf nicht drehen, mein Rücken schmerzt, der Montag wartet, ich kann mich nicht umdrehen. Weiterlesen

Der Einbruch

von Sonja Lewandowski

Von weitem konnten sie mit trübem Blick und klarer Sicht durch die gebrochene Scheibe in den Innenraum des Wagens schauen. Der Weg dorthin glatt, der Schritt tastend und nicht mehr alltäglich. Der Bordstein verdeckt und die Rinne davor, von geschobenem Schnee aus der Mitte genommen, an den Rand getürmt. Kein Blick zum anderen, als beide versuchten hin zum Wagen zu rennen, die Augen zur Glätte gerichtet, obwohl die nicht sagte, wer wann den Boden verlor. Weniger wurde in dieser kurzen Eile nicht genommen. Eine schimmernde Pfütze Glas zu Fuß und Reifen. Kein Blick zum anderen, da griffen beide durch das offene Fenster in das durchwühlte Auto, noch verschlossen, und suchten nach Dingen, die fehlten. Ohne Inhalt lag dort ein Beutel, ohne Hülle lag dort Verhülltes. Glas und Schnee mischten sich auf dem schwarzen Leder der Rückbank. „Fass nicht hinein, du könntest dich schneiden.“ „Fass du nichts an, vielleicht gibt es Spuren.“ Und so wichen sie zurück, vor den übrigen Dingen, die dort lagen und froren. Weiterlesen

Fortsetzungsroman, Seite 12a

von Sonja Lewandowski

Geil, egal – klingt verdammt ähnlich. Eigentlich egal, ob ich ankomme, eigentlich geil, wohin. Eigentlich egal, ob ich losfahre. Umkehren ist auch eine Richtung, ein Vorwärts, ich kann ja anders gehen, durch die Pfützen. Geregnet hat es schon. Das Rauschen der Reifen über nassen Asphalt, im Zug höre ich es nicht. Weiterlesen

Tischgespräch unter Ärzten

von Sonja Lewandowski mit einem lyrischen Prolog

Scheu und Schaum vorm Mund.
Ein ehrlicher Satz sitzt wund,
hinter den Zähnen,
unter der Zunge,
stößt sich die Stirn stumpf,
hockt mir das Herz auf der Lunge.
Durch die Hand fließt das Ungesagte, das Ungelesene,
geschrieben steht es jetzt und krümmt sich nie wieder,
stößt sich die Stirn nun stark. Weiterlesen

Das Wespennest

von Sonja Lewandowski

Bett

Das Tier lag an den Füßen, warm und weich. Nicht auf den Gliedern, das war unbequem und auf Dauer zu schwer. Eine Nacht lang das Tier auf den Füßen. Das waren kurze Nächte, nein, lang waren sie trotzdem, aber kurz der Schlaf. Die Nacht war dann voll von Dauer und Ziehen und Wälzen, die Wärme zu schwer. Und mit heißen Füßen schliefen sie nicht. Er trat manchmal nach dem Hund, im Schlaf und fast unschuldig. Ein ehrlicher Tritt. Weiterlesen

14.07.2014: Nichts passiert…

von Sonja Lewandowski

Nichts passiert. Der will nur spielen.

 

Nichts los in der Welt, nur drei Farben, nur drei Streifen.
Nichts los vor der Tür, nur vier Reifen mit zwei Flaggen.
Und ein Hupen, das ruft Stolz, und die Fahne flattert uns voran.
Nichts passiert, nur aus Spaß, für den Sport steht die Flagge. Für die Mannschaft steht der
Biergarten mit der Hand am rechten Fleck.Oh, da fliegt er, unser Geist, und der Arm gleich
hinterher, für die Mannschaft, selbstverständlich. Denn es fliegt ja nur ein Ball. Rechts oben die
Lücke. Weiterlesen