21.07.2014: Es ist Ungeheuerzeit.

von Nora Manz

Tage der Hitze, Wochen der Leere. Eine Unbeweglichkeit erfasst uns, schwer liegt die Zeitlupe auf jedem Schreibtisch. Der Raum ist unbesetzt, nur ich bin da. Die Langsamkeit verzerrt alle Geräusche zur ungewohnten Stille. In der Ferne höre ich ein unablässiges Brummen, dann ein unregelmäßiges Klopfen. Ein unheimliches Trapsen?

Es kommt, das Ungeheuer, das mir die Leere von den Seiten frisst.

Die Stille dehnt sich in der Hitze aus. Sie wächst, ungefüllt, strafft sich – unsicher ist dieser Zustand. Ich versuche, dieser unerträglichen Spannung zu entkommen, auf Rollen, möglichst ohne Reibung. Träge dreht sich mein Stuhl. Sein Kreischen unterbricht die Stille, bringt sie zum Platzen. Ein scharfer Klang. Ein spitzer Zahn?

Da ist es ja, das Ungeheuer, das sich auf meinen Zeilen streckt.

 

Es wird noch wärmer. Jede Sekunde ist unerträglich. Mein Kopf sinkt langsam in meine Hand, darunter gähnt die leere Seite. Ein Schweißtropfen perlt meine Nase herab, fällt ungehindert, bildet einen Fleck auf meinem Blatt. Langsam trocknet dort der Schweiß, da taucht etwas aus dem Papiersee auf. Unförmig erst, dann unverkennbar: ein Untier.

Endlich habe ich es, das Ungeheuer, dessen Fußabdrücke meine Buchstaben ersetzen.

 

Ungeheuerlich ist der Elan, nicht geheuer die Geschwindigkeit. Mit einer Unnachricht füllt ein Ungeheuer diese leere Unzeit.

Die Temperaturen steigen, der Inhalt fällt. Sommerhoch und Sommerloch.

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