Mit der Kuh auf Du und Du

Schon mal mit einer Kuh gekuschelt? Im Sauerland ist das normal, wie das Interview von Isabell Malytczuk beweist

Familie Möller bietet Kuhkuschel-Seminare im Sauerland an

Isabell Malytczuk: Frau Möller, Sie bewirtschaften zusammen mit Ihrem Mann den Bergwaldhof bei Meinerzhagen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Kuhkuschel-Seminare anzubieten?
Simone Möller: Im Jahr 2009 las ich davon erstmals in einer Bauernzeitschrift.  Die Idee stammt von einem Hof aus den Niederlanden. Ein paar Monate zuvor wurde unser Bulle Silvan geboren, den wir mit der Flasche aufziehen mussten, weil seine Mutter ihn verstoßen hatte. Aus diesem Grund ist er besonders zahm. Wir schlossen ihn ins Herz und kauften einen gleichaltrigen Artgenossen, damit er nicht allein war. Für uns stand schnell fest, dass die beiden auf unserem Hof bleiben  und sich durch die Kurse ihr Futter selbst verdienen sollten.

An welche Zielgruppe richtet sich das Angebot?
Grundsätzlich ist es für jedermann geeignet. Unsere Seminarteilnehmer sind häufig gestresste Städter, die einmal dem Alltag entfliehen wollen. Aus der ganzen Bundesrepublik kommen sie zu uns ins Sauerland.

Wie läuft das zweistündige Seminar ab und was kostet es?
Bei einem Glas Kuhmilch und Gebäck in unserem Bauernstübchen erfahren unsere Gäste in einer kleinen, theoretischen Einführung allerlei Wissenswertes rund um Kühe und Kälber. Danach gehen wir hinüber in den Kuhstall, wo die Tiere gebürstet und gestreichelt werden dürfen. Man kann sich auch zu ihnen ins Stroh kuscheln.  Wer möchte, unternimmt anschließend mit den Tieren einen kleinen Spaziergang zur Weide. Die Kühe sind dabei sehr brav und lassen sich mit einem Strick führen. Für die Teilnahme erheben wir eine Gebühr von 20 Euro pro Person. Mit den Einnahmen finanzieren wir den Unterhalt der Tiere, denn Kühe sind nicht nur äußerst hungrig, sondern müssen auch regelmäßig vom Tierarzt geimpft und entwurmt werden.

Welche Rinderrassen kommen bei Ihrem Programm zum Einsatz?
Unser Silvan ist ein Exemplar der vom Aussterben bedrohten Hinterwälder, der kleinsten Rinderrasse Deutschlands. Er ist besonders ruhig und gelassen und besticht durch sein hübsches Aussehen. Sein braun-weißes Fell ist sehr apart gefleckt und seine prächtigen Hörner machen ihn zu einer imposanten Erscheinung. Savanna ist ein Jersey-Rind. Er ist quirlig und neugierig und erinnert mit seinem schlanken und eleganten Körperbau ein wenig an ein Reh. Er geht gerne auf Menschen zu und nimmt ängstlichen Seminarteilnehmern schnell die Scheu.

Kommt es auch vor, dass die Kühe keine Lust haben zu kuscheln?
Generell sind sie stets aufgeschlossen und freuen sich über Aufmerksamkeit und Berührungen. Wir respektieren aber, wenn sie uns signalisieren, dass sie keine Lust mehr haben, und beenden dann den Besuch im Stall.

Verlieben sich Besucher auch in die Tiere und kommen regelmäßig wieder?
Ja, das kommt tatsächlich vor. Aus diesem Grund bieten wir inzwischen auch Kuh-Patenschaften und eine Kuhpension an. So können Menschen ihren Traum von der eigenen Kuh verwirklichen und wir kümmern uns um deren Versorgung.

Wie werben Sie für das Kuhkuscheln?
Viele Fernsehsender sowie Presse und Radio haben schon über uns berichtet. Ich war auch schon in der Talkshow von Johannes B. Kerner, um unser Seminarangebot vorzustellen.

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