Wenn eine Diplomatin erzählt

Rezension zu Lucy Frickes „Die Diplomatin“

Von Michael Fassel

Diplomatie mag in diesen Zeiten wieder mehr Wert beigemessen werden. So wird man Lucy Frickes neuen Roman Die Diplomatin womöglich mit anderen Augen lesen. Die Protagonistin, die Diplomatin Friederike Andermann, handelt nach eigenem Ermessen und muss doch immer feststellen, dass ihre Arbeit stets einem politischen Protokoll unterliegen sollte. Wie sollte ein liberal-demokratischer Mensch in dieser verantwortungsvollen Position in einem autokratischen Staat handeln? Diese zentrale Frage verhandelt Lucy Fricke in ihrem lesenswerten Diplomatenroman.

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Beautiful World, Where Are You

Rezension zu Sally Rooneys Roman Schöne Welt, wo bist du
Von Wiliam J. Mertens

Bereits in Conversations With Friends (2017), dem Romandebüt der irischen Bestsellerautorin Sally Rooney, stehen vier junge Menschen, die ihren Platz im Privat- und Berufsleben suchen und komplizierte Beziehungen untereinander entwickeln, im Zentrum. Ähnlich gestaltet sich die Figurenkonstellation in Rooneys drittem Roman Beautiful World, Where Are You (2021, dt. Titel: Schöne Welt, wo bist du), in der Rooney eine Romanautorin mit Alice Kelleher als eine der Protagonistinnen wählt, ihre Erfahrungen als Schriftstellerin fiktional verarbeitet und einen durchaus kritischen Blick auf den Literaturbetrieb wirft.

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„Schreiben ist eine undankbare Aufgabe“, Zuhören eine wunderbare

Ein Rückblick auf die Lesung vom 3. Februar im Museum für Gegenwartskunst

Von Leonie Hentis

Hohe Decken, dunkler Parkettboden – steril und kultiviert –, Schwarz-weiß-Portraits
von Menschen aus einem vorherigen Jahrhundert blicken in den Saal und in der
Mitte sind 30 Holzstühle mit genügend Abstand zueinander aufgestellt.
Auch die meisten Gäste sind in eine schwarz-weiße und zumeist kuschlige Garderobe gehüllt und führen stehend unbefangene Gespräche. Zwischen ihnen sitzen
Studierende mit DINA4-Blättern in den leicht zittrigen Händen – sie wirken
konzentriert und ganz in ihre Zettel versunken. Eine Mitarbeiterin des Museums für Gegenwartskunst tritt an das ebene Podium heran und eine erwartungsvolle Stille breitet sich aus. Sie plädiert an die Studierenden „doch häufiger vorbeizuschauen, ist ja schließlich kostenlos.“ Schmunzelnder Zuspruch seitens der Zuhörenden. Dann wird die studentische Lesung am 3. Februar um 18.00 Uhr eröffnet. Unsere einzige Anforderung an diesem Abend wird es sein, die fünf Texte auf uns wirken zu lassen.

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Kopenhagen – Die bunte Stadt am Meer

von Johanna Klein

Nur 602.481 Einwohner leben in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, in der Landessprache auch Kjobenhavn genannt. Sie erinnert eher an eine kleine Großstadt und befindet sich direkt am Meer. Von Deutschland aus finden sich verschiedene Anreisemöglichkeiten.
Kopenhagen ist eine lebensfrohe, bunte und eher entspannte Stadt. Die Bahnen sind leer, das meiste ist zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen. Die Unternehmungsmöglichkeiten sind groß – ein Strandtag, Bummeln, Sightseeing oder ein Tag im Freizeitpark – all dies ist möglich.

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Straßburg – Elsässischer Charme zwischen europäischen Machtzentralen

von Michael Fassel

Fachwerkstil, üppig blühende Geranien, der Duft frisch gebackener Crêpes – all das bietet das Straßburg. Bon voyage! Ja, Reisen ist seit geraumer Zeit wieder möglich, die LiteraListen schwärmen also wieder aus, um euch ein paar schöne Flecken näher zu bringen.

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Im Herz der elsässischen Stadt ragt das Straßburger Münster in den wolkenlosen Himmel, das durch seine unverwechselbare gotische Architektur nicht nur mich, sondern schon Goethe beeindruckt hat: „Wie das festgegründete ungeheure Gebäude sich leicht in die Luft hebt; wie durchbrochen alles und doch für die Ewigkeit.“ Seine Worte sind aufschlussreich, wenn man sich fragt, warum der Nordturm nicht aus einem dichten Mauerwerk, sondern aus vielen Streben besteht. Denn dank der „löchrigen“ Konstruktion hielt der Turm – der übrigens mit seinen 142 Metern von 1647 bis 1874 als höchstes Bauwerk der Christenheit galt – über Jahrhunderte Wetterkapriolen stand und bot selbst starken Windböen die Stirn. Goethe sollte Recht behalten. Weiterlesen

Nächste Lesung am 16. September

Wir freuen euch mitteilen zu können, dass unsere nächste Lesung am 16. September 2021 ab 19:00 Uhr im Vortex Surfer Musikclub stattfindet.

Geplant ist die Lesung im Biergarten unter freiem Himmel. Sollten wir aus wettertechnischen Gründen jedoch nach drinnen ausweichen müssen, greift die 3G-Regel.

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Wir freuen uns auf zahlreiche selbst verfasste literarische Texte!

Mein Freund der Baum

Steffen Mues ist verärgert, der Staatsschutz ermittelt. Die Kunstaktion „Die Antuung“ hat für Aufsehen gesorgt. Aber was genau ist am Abend des 30.07.2021 an den Siegufern geschehen?

Von Christian Bocksch

 

Die als Stadtführung angemeldete Kunstaktion von Lena Hugger und Hagen Keller hat für Aufsehen gesorgt. Die Siegener Zeitung berichtete am 31.07.2021 in einem Artikel darüber, hier nun eine kurze Beschreibung der Vorkommnisse:

Treffpunkt war der Kreisel in Siegen, wo sich um 17 Uhr bereits über 40 Personen versammelt hatten, um der Kunstaktion beizuwohnen. Es bildeten sich kleine Gruppen, in denen geredet und gemutmaßt wurde, was wohl auf die Teilnehmenden zukommen würde. Immerhin war in der Ankündigung von einer Opferung gesprochen worden. Dann schließlich begann die Aktion, indem die Anwesenden in zwei Gruppen eingeteilt wurden. Während eine Gruppe alkoholische Getränke konsumierte, wanderte die fortan als die „Nüchternen“ bezeichnete Gruppe den Häusling hinauf. Da der hier berichtende Augenzeuge in letzterer Gruppe war, wird im Folgenden aus deren Perspektive geschildert, was geschah. Dabei immer umgeben von Musik, gespielt aus mitgeführten Lautsprechern. Weiterlesen

Lyrischer Sommer 2021

Auf unserem Instagram-Account findet ihr kurzweilige lyrische Ergüsse von kreativen Schreiber*innen. Ihr seid herzlich eingeladen, mitzumachen. Sendet uns ein kurzes Video mit ein paar lyrischen Zeilen – es muss lediglich einen Bezug zum Sommer haben. Euer Spielraum ist also recht groß.

Wortmeldungen spezial – 2020, 2021- Teil 2

Wortmeldungen von Christian Bocksch, Kristin Scheller und Anna Luise Schüttler

 

Ich habe gelernt, dass zwischen Zivilisation und Barbarei manchmal nur drei hauchdünne Lagen Papier liegen. Wie einig sich die verschiedensten Kulturen in ihren Ressentiments sind. Für 2021 erwarte ich viel heiße Luft und dass Alles so weiter geht, wie es schon seit Jahren eigentlich nicht weiter gehen konnte.

von Christian Bocksch

 

2020 war für mich nicht nur gleichbedeutend mit dem Start einer Pandemie, sondern bedeutete für mich vor allem: Berufseinstieg. Das Virus hat mir nichts beigebracht, von dem ich froh bin, es gelernt zu haben. Dafür habe ich mich als Person und in meinem Job weiterentwickelt – und hoffe, dass sich das 2021 fortsetzt.

von Kristin Scheller

 

Das letzte Jahr war wohl für niemanden besonders schön, aber es hat mir auch sehr deutlich gezeigt, wie sehr mich meine Freunde auch in schwierigen Situationen unterstützen. 2021 wird noch die ein oder andere große Herausforderung für uns bereithalten und das große Aufatmen ist noch in weiter Ferne, aber wenn man schon eine globale Pandemie miterleben muss, ist es schön zu wissen, dass man die richtigen Menschen an seiner Seite hat (mit 2 Meter Sicherheitsabstand natürlich).

von Anna Luise Schüttler