Fortsetzungsroman Kreuzfahrt

Kapitel 6

von Lisa Pilhofer

Maria öffnete die Tür einen kleinen Spalt und statt des seltsamen Ehepaars erblickte sie ihre roten Pumps, hochgehalten von ihrem vermeintlichen One-Night-Stand, der sie schüchtern angrinste. Verdutzt öffnete sie die Tür weiter und starrte abwechselnd auf ihre Schuhe und den grinsenden Pianisten. Zuerst freute sie sich, die schönen Pumps wiederzubekommen, und sie wollte schon die Arme ausstrecken, um sie entgegenzunehmen, einhergehend mit kurzen, aber freundlichen Worten des Dankes. Doch ein plötzlicher Gedanke verhinderte diese Geste: Woher hatte er jetzt ihre Zimmernummer? Kannte hier denn jeder ihre Zimmernummer? Ist in der letzten Nacht mehr passiert, als ein kleiner One-Night-Stand? War sie jetzt die Schiffs-Schlampe? Sie wurde wieder nervös und war kurz davor, die Tür sofort wieder zu verschließen. Ihr Schweigen verunsicherte den Pianisten und sein Grinsen erschlaffte. Weiterlesen

Fortsetzungsroman Kreuzfahrt

Kapitel 5

von Raphael Heumann

„You’re the real thing…“, murmelte Manuel Guitierrez seinem verschwitzten Spiegelbild zu. Er musterte kurz seinen aufgepumpten Körper und hievte die beiden gusseisernen Kurzhanteln wieder auf das Regal neben sich. Noch ein weiterer Blick auf die schwellende Bizepsader, ein weiterer Traubenzucker aus seiner Bauchtasche und es konnte weitergehen. „Even better than the real thing!“ In der Muskelstube seiner dominikanischen Heimatstadt hatten sie ihn zuerst wegen seines ungewöhnlichen Aufputschmittels aufgezogen. Nach ein paar Jahren jedoch hatte er alle überflügelt und seine Trainingskollegen eiferten ihm nach. Sie würden niemals seine Form erreichen, dachte Manuel und begann mit seinen Sit-Ups. Weiterlesen

Fortsetzungsroman Kreuzfahrt

Kapitel 4

von Johannes Herbst

Sie konnte nicht lange liegen bleiben. Ein leichtes Herzrasen überfiel sie immer wieder und auch ein ununterbrochener Schwindel zog ihr durch den Kopf, wenn sie ihre Augen schloss. Sie schwang die Decke zur Seite und setzte sich auf die Bettkante, wo sie erneut einen heftigen Anflug der inneren Disbalance auszuhalten versuchte. Ihr Körper schien unter Hochdruck zu arbeiten, während sich ihr Geist unter einem Schleier der Schlappheit versteckte. Weiterlesen

Fortsetzungsroman Kreuzfahrt

Kapitel 3

von Christian Bocksch

Sie saß kerzengerade im Bett. Den Blick starr nach vorne gerichtet. Vorsichtig, fast schon bedächtig, sog sie die Luft durch ihre Nase ein. Wegen der Abwesenheit von Traubenzuckerduft ließ sie enttäuscht die Schultern hängen. Mister Dextrose lag schon einmal nicht neben ihr, aber wer dann? Wollte sie das überhaupt wissen? Schließlich schaffte es ihre Neugier, die Schockstarre ihres Körpers zu durchbrechen. Langsam drehte sie den Kopf, und spürte ein schmerzvolles Pochen. Das müssen aber sehr, sehr viele Drinks gewesen sein, dachte sie. Es nützte alles nichts, sie musste jetzt Gewissheit haben.Scan0001

Weiterlesen

Fortsetzungsroman Kreuzfahrt

Kapitel 2

von Andreas Hohmann

Scan0001

00:15 Uhr. Warum mache ich diese Kreuzfahrt, wenn alle Männer auf diesem Schiff entweder verheiratet, nicht mein Typ oder angehalten sind, sich nicht mit Gästen einzulassen? Heute Abend im Speisesaal hatte ich das Gefühl, es gibt nur Eheringe, langweilige Unterhaltungen oder andere Gründe, das Weite zu suchen. Nur ein Gutes hatte der Abend: Leonardo mit dem Traubenzuckeratem, der aus La Romana. Ich habe ihn wiedergesehen, wenn auch nur im Vorbeigehen, auf dem Weg zum Essen. Und ich weiß immer noch nicht, wie er wirklich heißt. Aber er ist ein Leonardo, der Mann aus La Romana.

… ich glaube, das hier kommt nicht in den Blog. Weiterlesen

Fortsetzungsroman: Kreuzfahrt

Kapitel 1

von Michael Fassel

Scan0001

Die schulterlangen Haare waren fransig. Sie hätte doch noch zum Friseur gehen sollen, als sie sich im Spiegel betrachtete.
Oder sie würde den Board-Friseur aufsuchen.
Der aber kostete mindestens das Doppelte als in der Stadt. Weiterlesen

Fortsetzungsroman

Kapitel 6

von Michael Fassel

Ernestos linke Wange pochte so stark, als hätte ihm jemand sein Herz dorthin verpflanzt. Er zitterte, konnte seinen Atem sehen. Erst nachdem er mehrmals seine Augen zusammengekniffen hatte, sah er ein aufgeschnittenes Schwein, das von der Decke baumelte. Die Ohren und die Schnauze waren von Frost befallen. Von den ihm umgebenden Eisbehältern in den zwei Meter hohen Regalen stieg weißer Dampf auf. Weiterlesen

Fortsetzungsroman Kapitel 5

Bild

von Natalie Meyer

DSC_0394

Wütend griff Ernesto nach Pascals Taschenlampe, quetschte sich am verletzten Azubi vorbei und marschierte hinauf in die Küche. „Ihr verblödeten Anfänger, ihr glaubt auch, dass man sich bei mir alles erlauben kann! Aber jetzt habt ihr es zu weit getrieben! Erst der Korkenzieher, dann hat Klara die Nerven mich auf dem stillen Örtchen aufzusuchen und jetzt meint Lea auch noch, man müsse mir alles zweimal erklären?! Ich bin mindestens dreimal so schlau wie ihr Hirnis zusammen!“, polterte er in der Küche los. Während er sprach, strahlte er durch die noch immer dunkle Küche in Leas und Klaras Gesicht. „Tschuldigung Chef“, druckste Klara und ging auf Ernesto zu. Mit der Hand strich sie sachte über die Wunde an seinem Oberarm. „Was machen wir denn jetzt wegen dem Licht?“rief Pascal aus dem Keller „Am Stromkreis hier kann es nicht liegen, muss das Hauptstromaggregat vom ganzen Gebäudetrakt sein!“ So eine scheiße, nur gut, dass sie den Mittagstisch schon hinter sich gebracht hatten.

Weiterlesen

Fortsetzungsroman

Kapitel 4

 von Andreas Hohmann

Das Licht war aus! Er kam gar nicht erst auf die Idee, an einen unglücklichen Zufall zu glauben. Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn, und sein Herzschlag trommelte erbarmungslos. Er konnte nichts sehen. Wohin genau er die Kisten geschoben hatte, um an seinen Vorrat zu gelangen, wusste er schon nicht mehr.
Das Knarren! Weiterlesen

Fortsetzungsroman

Kapitel 3

von Lisa Pilhofer

Es war Klara. Was zum Teufel machte Klara in der Herrentoilette? Ernesto war genervt. Kann man hier denn nicht einmal in Ruhe aufs Klo gehen?, dachte er und schnaubte. „Alles ok?“, fragte sie nochmals, diesmal zurückhaltender. „Kann man dir helfen?“ Weiterlesen