Welcome to the Jungle

von Raphael Heumann

Der Chitinpanzer des vergebens um sein Leben zappelnden Käfers knirscht, als deine gebleachten Schneidezähne es vorsichtig, aber präzise in der Mitte zerteilen. Im Moment seines Ablebens, guillotiniert von einer höheren Macht, sind Millionen Augenpaare vor bundesdeutschen Flimmerkisten auf das in deinem Mund verendende Insekt gerichtet. Wer von euch beiden ist der tragische Held dieser Szene? Stößt dir der Gefühlscocktail aus Frust, Scham und Ekel bitterer auf als der reelle aus Ochsenfroschlaich und Alligatorenurin? Wo verzeichnest du deine Selbstachtung auf einer Skala von eins bis zehn? Weiterlesen

Grenzen

– von Marius Albers

Wenn es um Grenzen geht, dann sind die Deutschen sehr akkurat. Gerade in diesen Zeiten wird das wieder besonders deutlich, das merke ich auch bei meinem Weg durch die verschneiten Straßen. Der Bürgersteig erinnert dabei streckenweise an einen lausig geplanten Zebrastreifen: Dunkles, feuchtes Pflaster wechselt sich in unregelmäßigen Abständen mit weißem, zertrampeltem Schnee ab. Doch eins fällt auf: Die weißen Grenzen sind erstaunlich gerade. Wie an der Schnur gezogen, mit großer fachmännischer Präzision beendet man den erforderlichen Räumdienst an der eigenen Außengrenze. Hausaufgabe erledigt. Doch wohin mit den anfallenden Massen? Am besten schaufelt man sie beim Nachbarn auf die Wiese, soll der zusehen, was er damit macht. Ich bin gespannt, wann die ersten Grenzschützer mit der Schneeschaufel bewaffnet entlang der Schneekante patrouillieren und jede neue Schneeflocke wieder abschieben. Weiterlesen

Youtube: Fluch oder Segen?

– über Youtube-Stars und LeFloids Merkel-Interview

von Natalie Meyer

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Foto: Natalie und ihre Mitbewohnerin Kathleen

Ich habe sie lange aus den Augen verloren, sie sogar fast vergessen. Die Youtuber (Fachjargon: Vlogger). Eigentlich habe ich mich auch nie sonderlich für sie interessiert. Youtube, das war für mich von Anfang an eine tolle musikalische Sache. Endlich nicht mehr stundenlang vor VivaPlus sitzen und darauf hoffen, das erwünschte Musikvideo sehen zu können. Musikvideos auf Knopfdruck, Livemusik, Konzerte, auf denen ich selbst war,- noch einmal sehen. Auch „Dia-Videos“ mit hinterlegter Musik fand ich noch einigermaßen belustigend. Die Youtuber-Phase wäre sogar an mir vorbei gegangen, wäre da nicht meine drei Jahre jüngere Schwester Jenni gewesen. Meine Schwester und ich – sie ungefähr 12, ich 15- damals total auf dem Twilight-Trip, waren begeistert von Y-Titty, deren heutiger Ruhm noch in weiter Ferne war. Auch Coldmirror fanden meine Freunde und ich mega lustig. Das war’s. Seitdem habe ich nichts mehr von den Youtubern gehört. Und hätte auch nie gedacht, dass ich dadurch etwas verpasse. Dass ich nicht „Up to date“ bin.

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LSF endet!

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von Marius Albers

Den lauten Jubelschrei musste ich mir verkneifen, als ich vor einiger Zeit das abgebildete Plakat an der Uni entdeckte. Zu groß war die Ungewissheit, ob es sich nicht vielleicht um eine Fälschung handelt. Aber als immer mehr Plakate auftauchten, und das nicht in billiger Schwarzweißkopie auf DIN-A4, sondern recht authentisch, kam doch eine gewisse Freude auf. LSF endet, nachdrücklich markiert mit Ausrufezeichen! Weiterlesen

Wie ein Cookie-Rezept zur Waffe wird

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Eine Glosse von Liza-Marie Siegmund

Alle Jahre wieder. Und manchmal sogar mehr als ein Mal im Jahr. Weihnachten, Geburtstage, Feierlichkeiten. Oder es ist Zeit, einfach mal wieder „Danke“ zu sagen. Ein Geschenk muss her. Geschenkt werden soll etwas selbstgemachtes, dass trotzdem persönlich und schnell gemacht ist. Aber aussehen soll’s, als habe man weder Gedanken noch Mühe gescheut. Für die beste Freundin in weiter Ferne, die Oma oder zur Verabschiedung aus dem Praktikum – die Allzweckwaffe muss her. Fast ist sie zu gut, um sie zu verraten, aber: Ich habe sie gefunden!

Meine Allzweckwaffe? Sie sind facettenreich, individuell gestaltbar und mit genug Zucker und Schokolade versehen, um jeden Süßkram-Verfallenen in die Knie zu zwingen: Kleine, selbstgebackene Cookies. Manchmal liegt das Gute so nah. Das wurde mir klar, als ich beim googlen das „Saftige Cookies schnell gemacht“-Rezept fand. Klingt perfekt. Is(s)t perfekt.

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Stefan Krüger gründet eine Universität

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Ein Konzept

Die Gründung einer Universität ist ein langjähriger, von mir als langweilig empfundener Aufwand, der in Bürokratie beginnt, sich in ihr verläuft und darin verendet.

Und das macht man dann in Städten, die hässlich sind, weil sie im Zweiten Weltkrieg niedergebombt wurden und dann mit wenig Geld wieder aufgebaut werden mussten. Plattenbauten überall, weil’s Geld gefehlt hat, und viele Parkplätze, weil’s Geld nicht genug gefehlt hat, um Autos zu kaufen. Hätte man das mal lieber nicht getan.

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„Mir tut jede verspätete Minute ebenso weh!“

Das Pendeln ist der Alltag vieler Studenten. Verspätete Züge, überfüllte Bahnsteige und Lokführer, die es auch eilig haben. Eine Glosse von Michael Fassel.

Wenn ich am Kölner Hauptbahnhof lese, dass meine Bahn zehn Minuten Verspätung hat, freue ich mich. Nein, nicht weil ich das gut finde, sondern weil es nur zehn Minuten sind. Ich trödle noch fünf Minuten in der Bahnhofsbuchhandlung herum, aber es ist einfach zu heiß darin. Ich gehe auf den Bahnsteig. Auf dem Weg dorthin strömen mir Massen von Menschen entgegen, die plötzlich mitten im Weg stehen bleiben, weil ihr Handy klingelt. Ich bin also gezwungen, für andere mitzudenken und wie beim Autofahren blitzschnell zu reagieren, weil ich im Zick-Zack-Slalom ausweichen muss.

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