Menschenmüll

von Raphael Heumann

Sekündlich entsorgen abertausende Exemplare jener Spezies
die ein barockgelockter Schwede einst homo sapiens taufte
Plastik in Plastik
entgegen ihrer Nomenklatur
Auf Gedeih und Verderb sammeln die Menschenskinder grüne Punkte
auf knisternden Kunststoff gedruckt
garnieren auch das Asphaltlabyrinth ihrer Innenstädte mit solchen
als Ausgleich für Rodungen im annektierten Indioland
Der weise Carl von Linné wusste alle Untertanen des Menschen in Schubladen zu sortieren Weiterlesen

Lyrische Konservendosen

von Laura Schönwies

Ich setze an
„Klick“
Beginne am Rädchen zu drehen
Es bohrt sich in den Grund
Wieder und immer wieder
Ein spitzer Rand
Ich hebe den Deckel ab
Schaue hinein
Schütte den Inhalt in den Topf
Ich fische einzelne Teile heraus
Einige sortiere ich an den Rand
Andere ordne ich einander zu
Schiebe sie an meine Lippen
In meinen Mund Weiterlesen

Die Welt hinter meinen Augen

von Jasmin Kathöfer

Wo kann ich hingehen,
dass mich der Schlaf nicht erreicht?
Denn warum sollte ich schlafen wollen?
Wie könnte ich daran denken,
wenn die Räuber mich umkreisen?
Sie wittern mich, riechen meine Angst. Weiterlesen

Mondlandung

von Sebastian Wilhelm

Am Anfang war es nur ein kleiner Schritt.
Raum und Zeit sind überwunden.
Meine Gedanken so hoch im Glück.
Sterne zeigen mir ihr Licht.
Trüber Mondschein scheint auf mich.
Rasend zogen sie an mir vorbei.
Ohne gänzlich zu verschwinden.
Nur die Vorstellung bleibt gleich.
Gedanken machen große Schritte.

Codierung des Akrostichons: ARMSTRONG

Wechselzeit

von Nora Manz

Wispernd rieselt die Wahrheit aus den berstenden Ähren des Sommers, während sich die leeren Hülsen dem Wind ergeben.
Eine Sprache, die perlend sprudelt, das Klappern der Schnäbel, schnarrender Laut. Eine Melodie, die jeden Buchstaben atmen lässt.
Inmitten des Gewirrs aus Stimmengeklirr, aus Rauchschwaden und dämmrigem Licht, liegt diese Insel: Ein tiefes Gespräch, geteilte Gedanken.
Zuhause tropft durchs Fenster schon der Herbst herein, schwappt vorher in Runden. Wabernd weiß verrät ihn doch sein Atem, wenn er um die Ecken geht. Weiterlesen

Hand an Hand

von Nora Manz

Geborgen unter Strahlen, die um uns zu Boden sinken,
stürzen wir uns in die Gemeinsamkeit.
Im Dunklen, einer Unendlichkeit gleich,
strömt das Licht wie wir dem Abgrund entgegen.
Fallend und zugleich erhoben, enthoben, erhaben:
Losgelöst und unbeherrscht, bloß – voll Sehnsucht
nach diesem Moment, der uns gerade umfasst.
Eingekapselt, ausgeschlossen und ausschließlich.
Zeitenstarre, Raserei im Überschlag:
Hand an Hand – ein Lichtertanz.