„Ein Diener, zwei Herren und die Liebe“

von Laura Schönwies

„Es gibt so viele, die suchen einen Herren, und ich, ich habe zwei Herren.“ In was sich da der tollpatschige Diener Truffaldino hineinreitet … s über die Premiere des Theaterstücks „Diener zweier Herren“, aufgeführt von tollMut.

Wohin doch ein leerer Magen führen kann! Truffaldino hat zwar das Talent, Saltos aus dem Stand zu schlagen, doch von dieser brotlosen Kunst wird er nicht satt. Valerie Linke bescherte in der Rolle des tollpatschigen Künstlers, der für einen Teller Spaghetti jeden Job annehmen würde, dem Publikum am Musikpavillon im Schlosspark viele Lacher. Die studentisch organisierte Theatergruppe „tollMut“ feierte am Dienstag Premiere mit David Penndorfs Bühneninszenierung der Komödie „Diener zweier Herren“ frei nach Carlo Goldoni.

Beatrice, gespielt von Frauke Buhlrich und Florindo, dargestellt von Daniel Romero, sind ein Liebespaar. Federigo Rasponi, Beatrices Bruder, hat etwas gegen diese Liebe einzuwenden. Es kommt zum Kampf zwischen den Kontrahenten, bei dem Federigo umkommt. Beatrice nutzt die Gelegenheit, in der Kleidung ihres Bruders ihren Geliebten wiederzufinden. Frauke Buhlrich verkörpert die Schwester im Kostüm ihres Bruders mit stattlicher Körperhaltung und tiefer Stimme. Tatsächlich mimt sie auch als Beatrice überzeugend den männlichen Part. Somit gelingt ihr diese Doppelrolle in beiderlei Hinsicht überzeugend.

Das Vorbild ihrer Rolle Beatrice, Federigo Rasponi, jedenfalls ist Clarice (Carina Bertram) versprochen. Diese jedoch liebt Silvio (Tim Lechthaler), mit dem sie die Verlobung aber lösen soll, nachdem der Totgeglaubte Federigo plötzlich wieder auftaucht. Hysterisch beklagt sie sich lauthals über dieses Unrecht, während die kleinen rosa Vögel in ihrer geflochtenen Nestfrisur wackeln. Signora Dottere Lombardi (Svenja Feyen) sieht indes gar nicht ein, dass die versprochene Hochzeit mit ihrem Sohn nicht stattfinden soll. Vor ihrem hochgestellten Kragen, der an Dornröschens Malefiz erinnert, und ihrem strengen Blick bekommt es selbst Clarice Vater mit der Angst zu tun. Verzweifelt versucht er, sein Töchterchen umzustimmen und es sich mit keiner der Damen zu verscherzen. Pierre Stoltenfeldt steht das Dilemma seiner Figur ins Gesicht geschrieben. Das Chaos ist perfekt, als Truffaldino sowohl der verkleideten Beatrice als auch Florindo dient, beide aber nicht wissen, dass der kecke Diener ein Doppelleben führt.

Valerie Linke überzeugt mit einer Komik, die in einem starken Mienenspiel zum Ausdruck kommt, beispielsweise wenn sich Truffaldino eine Geschichte aus den Fingern saugt, um sich aus dem Schlamassel zu reden. Da bleibt kein Auge trocken. Sie agiert mit viel Energie, verbeugt sich wild gestikulierend und rast über die Bühnenfläche vorm Pavillon und verschwindet hinter den bemalten Laken, welche mit der Städtefassade von Turin bemalt sind. Alle selbstgemacht, versteht sich. Für die Kampfszenen zwischen Silvio und dem vermeintlichen Federigo Rasponi wurde extra ein Fechtkampf einstudiert. Im wöchentlichen Training lernten die Schauspieler diverse Kampfsporttricks für eine realistische Darstellung. Diese Mühe hat sich gelohnt! Ebenso jene Arbeit, die altertümlichen Kostüme eigens zu nähen.

Zwischenapplaus erhält auch Wirt Brighella, gespielt von Moritz Steinacker, als dieser vor den Füßen der Zuschauer einen Eimer Wasser auskippt mit der Bemerkung „Venedig“. Schon vor Beginn des Stückes unterhält er als schimpfender Wirt mit mürrischem Gesichtsausdruck die Zuschauer, als er in gebückter Körperhaltung unter ihren Füßen zu fegen beginnt. Dabei raucht er eine Zigarette nach der anderen und hilft auch dem Publikum beim Anzünden ihrer Glimmstängel. Währenddessen begnügt sich seine Bedienstete Smeraldina mit dem süßen Wein des Wirtshauses. Mit verträumtem Blick tanzt sie fröhlich mit sich selbst. Diesem Anblick sollte auch Truffaldino zum Ende des Stückes hin nicht widerstehen können.

„Als ich das Stück gelesen habe, fand ich es sofort super witzig. Mir gefällt der Slapstick und der Schalk im Nacken meiner Figur. Es hat einfach alles, was eine kurzweilige Vorstellung braucht. Die Proben waren zwar anstrengend, aber ich bin einfach nur glücklich, wenn ich sehe, wie die Zuschauer alle gut unterhalten wieder nach Hause gehen“, resümiert Valerie Linke die Premiere. Sie selbst ist bisher bei jedem Stück dabei gewesen.

„Ein Diener zweier Herren“ ist bereits das zehnte Stück, welches David Penndorf in Siegen inszeniert. Die Idee der Gruppe „tollMut“ hat er aus seiner Studienzeit in Passau mitgebracht. Im Jahr 2008 hat alles mit „Die Frösche“ von Aristophanes angefangen.

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