EINE FEIER

von Crauss

III

später in der nacht noch einmal Donald Byrds pure d-funk oder den afro-fusion doppel-pulp mit Manu Dibango und mombassa. vorerst aber – ich habe gewartet, doch nun bist du hier – die gleiche leier wie im letzten jahr: nun klingen die banjos, nun klingt das klavier. komm tanz den ersten tanz mit mir.
die rede ist vom pionier, vom meister des non-stop-mixes; James Last, schreit jemand in der kurzen pause, und ja, richtig, das kennen wir von früher, von ganz früher. niemand besser als Hansi verstand es, die legende von babylon mit proud mary oder daddy cool und josé dem strassenmusikanten zu verbinden, ohne lächerlich zu wirken.
ich weiss unter garantie, ich werde einmal mehr einem sentimentalen ausbruch erliegen, wenn Hansi tut als sei er Nina & Mike, die so tun als seien sie die George Baker selection. dann muss ich an die feiern im elternhaus denken, 1977, 76, 75, und ich werde zufrieden sein, dass es mir stets ganz leidlich gelungen ist, auch später, einfach nur ‚dabei‘ gewesen zu sein, die stimmung genossen zu haben, die vorbereitungen, das salatschneiden gegen abend, das eau-de-cologne-anlegen, das die-gäste-erwarten. ich als kind mittenmang, ich als teenager am rande, in einer etwas stilleren ecke der grillhütte. zuschauer. mittelpunkt sein kann man zu anderen gelegenheiten.

der duft in all dem, die angefülltere luft. je später der abend, je schöner die gäste. ich habe gewartet, doch nun bist du hier. komm, tanz den ersten tanz mit mir. jetzt geht die party richtig los, der abend fängt erst an. ich war ein echter trauerkloss! je später der abend, je schöner die gäste. die uhren, die stellen wir einfach zurück. denn wie sie gerade fallen, so feiern wir die feste – und tanzen so lange wir wollen ins glück.

lassen wir es also nicht allzu langsam angehen und ziehen die party von hinten auf. noch läuft ein insomnia-sample aus Mambo Kurts kracher return of the alleinunterhalter in der endlosschleife, schon scratcht jemand mit einer polydor-kassette rein und verlangsamt unsere gefühle auf den raschel-ei-rhythmus von silver machine. ehe wir uns versehen, sind die regler nach rechts gedreht: elektroguitarren jaulen auf und wir fühlen uns für die nächste halbe stunde wie children of the revolution.

Roman ist auch von der partie. ich habe sogar die original-lp, quietscht er und hottet auf school’s out ab. selbstverständlich trägt er heute, zur feier des tages sozusagen, einen tailliertblauen samtanzug und schneeweisse stiefeletten.
hello-a, rufe ich zurück – und ab geht die post: black and white – standing in the road – easy living – coming closer – run to me – und um mitternacht i’m on my way. aber das kriegt gerade keiner mit.

get the party started   1974

1973 party on


Roman steht noch auf dem balkon und schaut den blaulichtern zu. herrlich, wie die sich mit dem gestank und dem ganzen nebel mischen, ruft er ins wohnzimmer. das grosse licht ist an, ich liste die ersten verletzten: das schöne grüne sofa hat ein brandloch, jemand hat schätzungsweise ein halbes fass bier über meinen platten ausgegossen und irgendwie hängt die tür der vitrine schief. das telephon läutet. erstaunlich, dass um diese uhrzeit überhaupt jemand durchkommt. das ist meine mutter! ich erschrecke, wie schnell Roman vom balkon im zimmer ist, versuche ihn noch davon abzuhalten, abzunehmen.
mama, weer all crazee now, brüllt er in die muschel und kichert. dann dreht er die regler wieder nach rechts und die party geht weiter. nein, jetzt geht die party erst richtig los, der abend fängt erst an. ich war ein echter trauerkloss, als die fete hier begann. jetzt geht die party richtig los, jetzt sind wir alle da. mit dir wird hier die stimmung gross, schalla-li und schalla-la la la paloma blanca: traum und erleben für zwei. oh, la paloma blanca, du machst uns glücklich und frei. rings um uns her   nur himmel und meer

 

                                                                                                nur himmel und meer

 

wir taumeln vom flauschigen ins fleischige und wieder zurück. schliesslich kann es kein zufall sein, dass auf der b-seite long cool woman in black dress, pop that thang und schlaflose nacht direkt hintereinander kommen. we join together, lift our bottoms up to thunder and lightning, bis uns die ohren platzen. ungefähr bei living on video wollen wir Mambo Kurt zurück haben. Roman erfüllt uns den wunsch und wir gleiten ab in die nacht auf einem wahnsinnig dahingehauchten, jedoch um einige ummis über der drehzahl schrillenden musik ist trumpf. wir lassen uns in die kissen sinken und schnippen noch ein viertelstündchen mit. oder ein halbes. so geht glück!

 

aus: Crauss. EINE FEIER III (get the party started). in: MOTORRADHELD. klagenfurt: ritter verlag 2009.

dieser text aus MOTORRADHELD erscheint mit freundlicher genehmigung des ritter verlags graz/ wien
siehe auch: www.crauss.de

 

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