Ich bin Geisteswissenschaftlerin! Hol(t) mich hier raus!

  • von Anna Sebastian

 Drei Personen. Zwei Frauen. Ein Mann. Eine Tafel. Zahlen. Zahlen. Zahlen. Definitiv zu viele Zahlen. Die Tür ist verschlossen. Der Schlüssel fehlt. Zwischen der Freiheit und dem jetzigen Zustand liegen diese verdammten Zahlen. Haare werden gerauft…Köpfe geschüttelt…Gerechnet…Zahlenkombinationen in eine Tastatur gehauen. Nichts. Ein Summton signalisiert das nahende Ende eines Countdowns. Wieso so viele Zahlen?

EscapeGames oder auch oft MysteryRooms genannt, sind von ihrem Spielprinzip einfach zu erklären: Innerhalb eine begrenzten Zeitspanne, meist ist es eine Stunde, muss sich eine Gruppe von Leuten durch das Lösen verschiedener Rätsel aus einem Raum befreien. Der Spaßfaktor soll immens hoch sein.  Zumindest in der Theorie….in der Realität sieht das Ganze schon etwas anders aus!
Mit großer Freude fand ich vor einigen Wochen heraus, dass es in Siegen ein EscapeGame gibt – lange wollte ich so etwas ausprobieren. Zwei rätselbegeisterte Freunde waren schnell gefunden und die Buchung reibungslos abgeschlossen. Die euphorischen Kommentare auf der Homepage ließen Gutes erhoffen. Auch das Motto um die amerikanische Verbrecherwelt der 1920er und 1930er Jahre klang vielversprechend. Bis dahin war alles okay.
Am Tag des Spiels standen wir zur gebuchten Uhrzeit am vereinbarten Treffpunkt und wurden nach dem korrekten Aufsagen eines CodeSatzes und der darauffolgenden dürftigen Anweisung in einen Raum geschoben. Dieser Raum war enorm klein, das Hinterzimmer eines kleinen Ladens und vollgestopft mit lauter Möbeln und Utensilien, welche man zwar auf Omas Dachboden finden könnte, die aber mit dem Motto nicht wirklich etwas gemein hatten.  Völlig planlos begannen wir den Raum nach Hinweisen zu durchsuchen und stellten nach einiger Zeit fest, dass wir zwar einiges fanden, damit aber mal so gar nichts anzufangen wussten. Auch unsere Bitte nach Hinweisen – zu Beginn des Spiels wurden uns Walkie Talkies ausgehändigt und eine geringe Anzahl an erlaubten Fragen – führte nicht wirklich weiter: Die Kommunikation über die Walkie Talkies raubte Zeit und führte, da der Spielleiter trotz deklarierter Kamera kaum eine Ahnung zu scheinen hatte, was wir eigentlich in dem Raum taten, zu keiner wirklichen Hilfe. Das Resultat waren drei Geisteswissenschaftler, die mit der Flut an gefunden Zahlen überfordert waren und angesichts der sich rasant verringerten Zeit panisch und zunehmend genervt Zahlenkombis in die Tastatur eines PCs hämmerten. Dessen „Antworten“ kann man im Grunde nur als hämisch bezeichnen und liefen zu 90 Prozent darauf hinaus den Spielleiter um die doch wenig hilfreichen Ratschläge zu bitten. Selbst als ich im letzten Drittel des Spiels endlich ein (!) Worträtsel fand, entpuppte sich dieses nur als „Ente“. Frustriert und genervt ertönte das Summen des Countdowns und wir wurden aus dem Raum gelassen. Gemeinsam wurde uns der Lösungsweg und die Reihenfolge der einzelnen Rätsel erklärt. Und ehrlich, keine Ahnung, wie man darauf kommen soll?! Diese Frage stellten wir auch und wurden mit der vagen Antwort abgespeist, dass man diese Art von Rätsel üben müsse. Freundlicherweise wurde uns durch die Ausgabe eines Gutscheins die Möglichkeit für ein neues Spiel geboten. Ziemlich frustriert und um unser wertvolles Gel betrogen, zogen wir von dannen.

Fazit, das EscapeGame, wie es in Siegen angeboten wird, ist eine billige (in Bezug auf die Ausstattung des Raumes und der fehlenden Umsetzung des Mottos) und überteuerte (über 20 Euro pro Person!) Nachahmung erfolgreicher MysteryRooms in den verschiedenen Großstädten. Es mag sein, dass es fortgeschrittenen Spielern gelingt, die Rätsel zu lösen, für Anfänger ist es aber definitiv zu schwer. Eine fehlende Deklaration des Schwierigkeitsgrades und eine unzureichende Einweisung beziehungsweise Hilfestellung während des Spiels, reduzieren den Spielgenuss bei weniger erfolgreichen und geübten Spielern auf ein Minimum. Auch die mangelnde Variation an Rätselarten (fast ausschließlich Zahlenkombinationen) ist mehr als gewöhnungsbedürftig und läuft der Existenz verschiedener Denk- und Spielertypen zuwider. Alles in allem, ist es eine nette Idee, deren Umsetzung aber eine reine Notlösung ist, um – nach Aussagen des Spieleleiters – einen anderen, komplexeren Raum zu finanzieren. Dies macht aber die aktuelle Spielerfahrung zu einer absolut überteuerten und konzeptionell wenig durchdachten Angelegenheit. Leider, und das ist wirklich schade, kann ich das EscapeGame nicht empfehlen. Auch bin ich mir nicht sicher, ob ich nach dieser Pleite mich nochmal an einem anderen versuchen möchte.

Ein Gedanke zu “Ich bin Geisteswissenschaftlerin! Hol(t) mich hier raus!

  1. Wir fanden es super und haben sogar geschafft alle Rätsel inklusive eines Bonus zu lösen. Natürlich sollte man ein bisschen rätselerfahren sein… Wir kannten viele Merkmale vom Geocaching (Einsatz UV Lampe, Buchstaben in Zahlen verwandeln …) man sucht beispielsweise aufmerksam nach Gemeinsamkeiten… Manchmal hat zum Beispiel ein Bild etwas mit einem Gegenstand zu tun. Oder man findet viele kleine gleiche Gegenstände deren Anzahl wieder ein Code ist. Man muss also schon gern Rätseln und sich schonmal irgendwie mit Rätseln beschäftigt haben… Ob am PC oder zum Beispiel Geocaching .. Oder aber mit Freude und Ehrgeiz rangehen dann klappt das schon! Fazit unsererseits ist, dass wir ne Menge Spaß hatten und gerne nochmal so etwas mitmachen würden.

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