Die LiteraListen im Gespräch mit dem StuPa-Sprecher über Burschenschaftler, Politik und Welpen

von Michael Fassel

Er ist für Die LISTE bei den Wahlen angetreten und jetzt Sprecher des 45. Studierendenparlaments: Sebastian Taugerbeck alias El Presidente will aber noch mehr, wie er den LiteraListen verraten hat.

Ein intensiver und starker Wahlkampf liegt hinter Sebastian Taugerbeck, der für Die LISTE bei den StuPa-Wahlen im Juni angetreten ist. In der bundes- und landespolitischen Landschaft weist Die LISTE nicht nur durch ihren satirischen Charakter eine starke Nähe zur sogenannten „Die PARTEI“ auf, die sich nun zum Ziel gesetzt haben, im September in den Bundestag zu ziehen. Immerhin hat es ja auch Sebastian Taugerbeck in das Studierendenparlament geschafft und repräsentiert dort als einziger seiner Hochschulliste Die LISTE. Damit schien er erstmal durchaus zufrieden, bis bei der konstituierenden Sitzung des Parlaments die GLL (Gesamte Linke Liste) Sebastian als StuPa-Sprecher nominiert hat. „Wenn ich vorgeschlagen werde, nehme ich das auch“, sagt er. „Und dann saß ich da, hab keinen blassen Schimmer gehabt, was ich genau zu tun hatte.“ Aber dem neuen Präsident ist die Seriosität seines Amtes durchaus bewusst. In seiner Funktion entscheidet er nun beispielsweise über die Auslegung der Geschäftsordnung, über Anträge oder die Tagesordnungspunkte.

Die erste offizielle Stupa-Sitzung hat er schon hinter sich, musste allerdings nach einem Eklat zwischen der GLL und der Jungen Union nach dem Tagesordnungspunkt 3 abgebrochen werden. Hintergrund war, dass bei der Wahl der Kassenprüfer die GLL ein Misstrauensvotum gestellt hat mit der Begründung, dass der derzeitige Kassenprüfer Marcus Rommel mit der Jungen Union eine tendenziell homophobe und rassistische Liste vertrete und daher keine Grundlage für eine gemeinsame Arbeit möglich sei. Daraufhin sind alle Mandatsträger der Jungen Union geschlossen gegangen. „Die Sitzung musste abgebrochen werden, weil wir nicht mehr beschlussfähig waren“, erklärt Sebastian, der sich aber bewusst auf keine Seite schlägt. „In der JU sitzen Burschenschaftler. Und Burschenschaften halte ich für unfassbar problematisch, weil dort vor allem Vetternwirtschaft betrieben wird und sie die Idee des liberalen Marktes umgehen. Einige sind rassistisch. Auf der anderen Seite ist es problematisch, das alles auf eine ganze Liste zu übertragen.“ Generell befürwortet er konstruktive Arbeit zwischen den Listen. „Man kann nicht sagen, ich habe keine Lust, mit Liste XY zu arbeiten. Die JU ist nunmal stärkste Fraktion, aber auch hardcore drauf, wettern unter anderem gegen Themen wie Gender.“ Ein Blockadedenken lehnt er ab, denn das „Stupa ist keine Simulation“ und verweist damit auf die Verantwortung, die jede/r einzeln/e Mandatsträger/in hat.

Sebastian hat sich vor allem während des Wahlkampfes mit den Plakattexten und Programmen der anderen Listen auseinandergesetzt und besonders sei ihm der JU-Slogan „Serviceorientiert statt ideologieorientiert“ in Erinnerung geblieben. Dahinter verberge sich dem StuPa-Sprecher zufolge die „Ökonomisierung der Uni und aller Lebensbereiche“, was besonders bei BWLern zu beobachten sei. Gerade in der BWL würden Kompetenzen und damit Handlungswissen abgefragt. „Bildung sollte nicht zweckmäßig sein“, findet Sebastian. „In der BWL funktioniert das, aber nicht an der ganzen Uni. Studieren heißt selbst etwas erarbeiten.“ In diesem Zusammenhang spricht er sich darüber hinaus auch für das Social Life auf dem Uni-Campus aus und hebt studentische Rückzugsräume wie das Café Chaos oder das Kultkaff hervor.

Im Gespräch mit den LiteraListen wird also klar: Sebastian Taugerbeck ist politisch ernsthaft ambitioniert, der Satiriker blitzt nur hin und wieder mal auf. „Ich bin jetzt größenwahnsinnig, hab natürlich Visionen“, erklärt er grinsend und gibt sich schließlich wieder völlig ernst, als er auf die inklusive Kind- und Welpenbetreuung zu sprechen kommt. Was sich auf den ersten Blick durchaus etwas merkwürdig anhört, hat bei genauerem Hinhören und Nachdenken einen tieferen Sinn: Im Umgang mit Tieren lernen Kinder auf einer spielerischen Basis Verantwortung. Außerdem gäbe es viele Studis mit Hunden, die an einem langen Uni-Tag ihren Vierbeiner gerne irgendwo unterbringen würden. Bei genauerem Hinsehen haben auch die satirischen und originellen Plakate der LISTE eine politisch ambitionierte Botschaft. Als reine Spaß-LISTE sieht er sie nicht. Allerdings: „Ein Problem ist, wenn man nicht ernst genommen wird.“ Denn wer nicht ernst genommen wird, könnte unter Umständen nicht zu bestimmten Gremien oder Ausschüssen geladen werden. Das wäre schade, denn Sebastian Taugerbeck weiß ganz genau, wovon er redet, wenn er die anderen Listen durch den Kakao zieht. Satire ist eben eine eigene Sprache und darf zum Glück alles. Auch seriös sein.

LISTE ist übrigens ein Akronym und steht für „Liste für Intergalaktische Sektempfänge und Troglodytische Elitenbeförderung“.

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