Ich mag -tage nicht

  • von Marius Albers

Gerade ist er vorbei, der Muttertag. Das bedeutet Entspannung im Mail-Postfach und auf den Straßen vor den Geschäften. Was verrät es über diesen Tag, wenn im Vorfeld per Mail zahlreiche Werbung ankommt? Wenn, ich nehme einfach ein beliebiges Beispiel, auf dem Plakat eines Schmuckherstellers vor einem Ring mit glänzendem Diamanten die einfache, beinahe rein konstative Äußerung „Am 8. Mai ist Muttertag“ prangt?

Wikipedia informiert, dass der Muttertag an der Wende zum 20. Jahrhundert in den USA geschaffen wurde, ursprünglich als Gedenktag und kirchliche Andacht für Mütter. Daraus wurde schließlich 1914 ein nationaler Feiertag in den USA. Die Etablierung des Muttertages in Deutschland geht auf eine Initiative des Verbands Deutscher Blumengeschäftsinhaber im Jahre 1923 zurück – also schon von Grund auf durchkommerzialisert. In der NS-Zeit freilich wurde der Tag aus ideologischen Gründe missbraucht, was aber nicht dazu führte, auf die glänzenden Gewinne an diesem Tag in der Folge zu verzichten. Weiter lernen wir aus dem Artikel, dass der Muttertag nicht gesetzlich verankert ist und Wirtschaftsverbände für das Datum verantwortlich sind: Fällt Pfingsten auf den zweiten Sonntag im Mai, dann kann der Muttertag um eine Woche verschoben werden, da an Pfingsten in einigen Bundesländern keine Läden öffnen dürfen. Da bleibt dann wohl nur noch der Weg zur Tankstelle …

Schön wäre es, den Tag zu Nutzen um ein wenig zur Ruhe zu kommen, doch der Geschenkstress setzt einem vorher schwer zu. An jeder Ecke wird auf die Notwendigkeit eines Präsents hingewiesen. Statt innezuhalten, um in unserer schnelllebigen Welt einmal kurz zu verschnaufen und sich wirklich um diejenigen zu kümmern, die man mit Geschenken abspeist. Die Kommerzialisierung macht vor -tagen nicht halt, und wir gehen fleißig mit. Muttertag, (der etwas unselige) Vatertag, Valentinstag, die Weihnachtstage – immer wieder ein Anlass, in den Laden zu stiefeln und Geld auszugeben.

Vielleicht braucht es gar nicht so viele -tage. Wäre es nicht schön, wenn man auch ohne ein festes Datum mal an seine Mutter denkt? Müssen wir heute noch an diesem Konstrukt festhalten, das der Handel geschaffen hat und das sicherlich keinem anderen Zweck dienen soll, als den Konsum anzukurbeln? Wie gesagt, ich mag -tage nicht.

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