Rauchwolken

von Alexander Mosig

Ich saß in meinem Zimmer auf der Couch und war meinen letzten Tag krank. Vor mir eine Duftkerze, dessen Docht sich im Wachs verfangen hatte. Um zumindest etwas Produktives getan zu haben, beschloss ich mich des Problems anzunehmen. Als Student verschließt man sich nicht vor Problemen, sondern findet Lösungen. Ein zusammengerolltes Stück Papier, ein Feuerzeug und schon war der Docht frei gelegt und ich stolz. Gerade war ich dabei meinen Freunden, via Sprachnachricht von meiner glorreichen Tat zu berichten, da bemerkte ich einen schwefelähnlichen Geruch. „Hatte ich Idiot das Papier in den Mülleimer geworfen? Fackelt da gerade meine Küche ab?“ Ich öffnete den Eimer und roch. Der Müll nicht als Quelle des Gestanks zu identifizieren. Fenster auf, weiter schnuppern. Schlecht, denn der Gestank kam von draußen. „Verfluchter Nachbar…. mit seinem verfluchten Kamin“, murmelte ich vor mich hin. Binnen weniger Sekunden stellte sich heraus, dass ich dem Nachbarn Unrecht getan hatte. Der Geruch nicht holzmäßig, sondern wie bei einem Pyro im Stadion. Dicke Rauchschwaden, die das Atmen langsam erschwerten. Da zündete es bei mir mir: „Feuer!“
Ich schnappte mein Handy und öffnete die Tür zum Hausflur. Ich wohnte in der dritten Etage. Nicht irgendwo brannte es, sondern bei uns im Haus, denn ich konnte kaum das drei Meter weit entfernte Fenster sehen. Der Rauch kam immer zudringlicher angekrochen und hatte bereits den Großteil des Flures eingehüllt. Ich stülpte meinen Pulli über die Nase und rannte runter. Im Lauf bei den Nachbarn in der zweiten Etage an die Tür gebollert. Der Rauch kam eindeutig aus ihrer Wohnung. Keine Reaktion. Ich rannte weiter ins Erdgeschoss und vollzog den gleichen Akt. Die hier beheimate Oma öffnete mir und war panisch erregt. „Feuerwehr gerufen…“, stammelte Sie. Ich geleitete die Dame nach draußen: „Bei Brand müssen Sie mit raus! Keine Widerrede!“ Natürlich kamen Widerworte, denn Sturheit überwiegt oft bei älteren Menschen.
Wenige Minuten später kam ein Löschzug der Feuerwehr, angeführt von zwei Streifenwagen und einem Rettungsdienst.  Aus Sicherheitsgründen haben Sie gleich die ganze Feuerwehr raus geschickt und nicht nur ein oder zwei Wagen. Unsere komplette Straße gefüllt mit Einsatzkräften. Sofort wurde sich erkundigt, wie viele Personen in dem Haus wohnen „Vier“ und ob alle draußen sind „Wahrscheinlich“, wo das Feuer ist „Zweite“ und wem die Wohnung gehört „Klingelschild, kenne die Namen nicht. Sind aber wohl nicht da, sehe ihre Autos nicht. Die kenne ich.“ Ich wurde vom Polizisten instruiert meine Werte kontrollieren zu lassen, weil ich dem Rauch ausgesetzt war, was ich für übertrieben hielt, aber einem Polizisten widerspricht man nicht. Der Dame vom Notarzt fiel als erstes auf, dass ich weder Schuhe noch eine Jacke anhatte, woraufhin sie lässig meinte: „Ihre Lunge wird schon keinen Schaden genommen haben, aber Schuhe sollten sie sich schon anziehen. Sind ja nur 7 Grad hier.“ Schuhe das geringste Problem, denn inzwischen hatte sich eine Traube von Schaulustigen um den Brand versammelt. Neben den üblichen -Ich nehme alles mit meinem Handy auf und stell das dann online, weil ich cool bin- Kiddis standen dort noch die besorgten älteren Nachbarn, die vor 6/7/8 oder noch mehr Jahren ebenfalls mal einen Brand hatten und Beileid bekundeten. Von einem netten Maler aus der Nachbarschaft erhielt ich Übergangsschuhe, denn er war einer der wenigen, die wirklich nur helfen wollten. Die Einsatzkräfte der Polizei (waren) nun damit beschäftigt Fragen der *besorgten* Anwohner zu beantworten. Da stürmte auch schon ein Mann mit Kamera auf mich zu, „Siegener Presse!“ und stellte mir Fragen, die ich knapp beantwortete.
Einer der jüngeren Polizisten bemerkte meinen VFL-Bochum Pulli: „Naja als Bochum Fan ist man ja eh einiges gewohnt was?“ „Hab schon schlimmere Rauchaktionen im Stadion erlebt“ konterte ich, denn wenigstens seinen Humor sollte man in solchen Situationen nicht verlieren und dann war alles schnell vorbei. Wir durften zurück in unsere Wohnungen. Außer dem schlechten Geruch und der rauchigen Luft konnte ich keinen Schaden bei mir feststellen. Die Wohnung der Nachbarn jedoch ruiniert.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *