Gasthaus Meier

von Christian Schütte

Schnitzeltest in der Siegener Unterstadt: In einer Seitenstraße versteckt sich ein günstiger Geheimtipp – auch wenn nicht immer alles perfekt ist …

Gastro-Kompass Gasthof Meier

 

 

 

 

 

 

Nahe dem Kulturhaus Lyz mit dem ambitionierteren Cucina versteckt sich in einer Seitenstraße der ungleich schlichtere Gasthof Meier, der neben Hausmannskost auch Monteurzimmer anbietet. Nahrung und Herberge gibt es hier für weniger Anspruchsvolle. Die recht helle Einrichtung des Gastraums in Holzoptik ist einfach, aber sauber. Ambitionslos bodenständige Gemütlichkeit herrscht hier vor. Die Wand schmückt ein Teller, der zum Gedenken an das 125jährige Jubiläum des ASV Petriheil Kreuztal e. V. mahnt.

Schnitzel und Steaks dominieren die deftige Speisekarte, auch in der Abteilung kalte Küche geben eine Wurstplatte und ihre fleischigen Verwandten den Ton an. Wir stolpern über das „Holzfällerschnitzel“. Dergleichen kennt man nur als Steak. Heißt „Holzfäller“ denn, dass es paniert ist? Klar, ruft der Koch uns zu, der es sich gerade an der Theke gemütlich gemacht hat, sonst wär’s ja „furztrocken“. Nun gut, also auch verbal geht’s deftig zu. Aufs Holzfällerschnitzel (10,50 €) fällt sodann die Wahl, Änderungen der Beilage von Pommes Frites zu Bratkartoffeln akzeptiert die freundliche Dame, die uns bedient, klaglos und ohne Aufpreis.

Der Abend beginnt mit einem Fauxpas: Während ich auf das ortsübliche Krombacher (0,4 l für 2,80 €) vertraue, erweist sich das Veltins meiner Begleiter als sauer, offenbar im Fass „gekippt“. Die Servicekraft bleibt trotz des Malheurs gefasst, sorgt für Ersatz und entschuldigt sich mehr als ein Mal. Keine Selbstverständlichkeit – wie oft lässt eine Bedienung den Ärger über die eigenen Fehler an den Gästen aus!

Außerdem kommt an unserem Tisch der Fünfte im Bunde etwas später, das ist sein Pech: Er bekommt keine Hühnersuppe mehr als Vorspeise. Tja, hier nur solange Vorrat reicht. Er wechselt auf Pfeffersuppe (3,30 €), für die auch ich mich entschieden habe. Keine schlechte Wahl, wie sich herausstellt. Zwar bleibt der Pfeffergeschmack etwas eindimensional, aber erfreulich sind die Einlagen: Bandnudeln, Bohnen, Lauch und Rindfleischstückchen sorgen für Vielfalt. In der sonst etwas dünnen Brühe schwimmen grüne und schwarze Pfefferkörner, die einen doch etwas überrumpeln, wenn man unversehens draufbeißt. Nun ja, Pfeffersuppe eben, gelogen ist das nicht; Hals und Lippen brennen noch ein bisschen nach.

Der Beilagesalat verzichtet auf Überraschungen: gemischte Blätter, Bohnen, süßliche Karotten und Mais (aus der Dose) nebst Joghurtdressing – alles keine Sensation, aber völlig okay. Das Holzfällerschnitzel hat es sich zusammen mit den Bratkartoffeln im Pfännchen gemütlich gemacht und ist wirklich saftig geraten. Die Bratkartoffeln kommen ohne Zwiebeln aus, denn davon bedeckt schon ein ansehnlicher Haufen das Schnitzel. Wer mag, darf nachwürzen, zumal auch auf Speck verzichtet wird. Einzig dass die Gastro-Kompass Gasthof Meier RechnungKnollen etwas eilig gebraten sind und nur auf einer Seite gebräunt sind, ist bekanntlich Geschmackssache. Immer noch besser als die Unart, einen Teil der Bratkartoffeln bitterschwarz zu servieren. Das Schnitzel selbst profitiert vom intensiven Aroma der glasig durchgedünsteten Zwiebeln, die zusammen mit dem Salat die süßliche Note des Gerichts unterstreichen. Der oft zu beklagende Fehler, Zwiebeln heillos zerbraten dem Fleisch beizugeben, macht man hier nicht. Das Fleisch ist tadellos, die Panade hellbraun und mit deutlich buttriger Tendenz. Nur an den Rändern knuspert’s, sonst saftig-bodenständiger Schweinegeschmack, sonst nichts – so soll’s sein! Wen es stört, dass – vermutlich wegen der Bratkartoffeln – eine Ölschicht im Pfännchen zurückbleibt. Alles in allem erweist sich der derbe Koch als achtsamer Mann, der das Wesentliche in den Vordergrund zu rücken weiß: das Schwein, die Kartoffeln, die Zwiebeln.

Wie der Nachbarteller zeigt, sind die Pommes im Gasthof Meier besonders empfehlenswert und stärker gewürzt als die gebratene Kartoffelvariante. Am Ende ist niemand am Tisch unzufrieden, kleine Unebenheiten im Ablauf verzeiht selbst der kritischste Gast gern.

Für den schlankeren Geldbeutel und den großen Hunger ist dieses Wirtshaus auf jeden Fall geeignet. Hierher führt man nicht die Liebste zum Kerzenlicht-Dinner aus, aber solide Sättigung in hemdsärmeliger Gemütlichkeit garantiert der Gasthof Meier allemal.

Hotel-Gasthof Meier
St.-Johann-Straße 3
57074 Siegen

Montag bis Freitag 11.30 bis 14.00 Uhr und 16.00 bis 1.00 Uhr
Samstag 16.00 bis 1.00 Uhr
Sonn- und Feiertage geschlossen

 

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