‚A God in Ruins‘ – ‚Everyone Is A Little Universe‘

von Susann Vogel

‚A God in Ruins‘     –    ‚Everyone Is A Little Universe‘
                        (paper planes)                   (The Wind-Up Robots Killed My Cat)

Diese Musik ist Hafen und Regen.
Ein Hausboot auf der Seine.
Und Gesangsübung in der anliegenden Wohnung.
Eine Arktische Himbeere.

Schneegeflockt differenzieren einander die Töne.
Doch fügen sich ihre Eigenarten zur Ganzheit.
Sie sind das Dritte, sind Idee und Wiedergeburt.
Sie begreifen einander familiär.

Diese Musik ist die wahre Ecke im unwahren Kreis.
Symbol und Variante. Botschaft und Metapher.
Sie ist der Schnitt, der sich bösartiger Geistlosigkeit widersetzt.
Sie ist gegen Kompromiss.
Diese Musik ermöglicht Räume im Raum. Weite im Festgelegten.

Augen nach außen geschlossen, nach innen aufgerissen.
Erstrecken sich Körper durch den Zimmerboden hindurch.
Wurzeln in den Kellern ihres Daseins.

Diese Musik ist eine Hütte in den Kiefernwäldern.
Das Zapfentrommeln auf dem Wellblechdach.
Sie ist Kräutertee, eine Kornblume und aprilige Melancholie.
Die Farbe der Luft in der Wohnung vor einem Gewitter.
Diese Musik macht Erinnern vergessen. Sie ist zweifellos.
Diese Musik erklärt liebevolle Freundschaft.
Öffentlichkeit. Aufruf und Meinung. Revolte und Politik.
Ton, Steine und Scherben. Diskurs. Nachdruck und Zäsur.
Diese Musik ist das Wollen und die Assoziation.

Sie ist der Hinterhof und die Brücke, der Turm. Besetzung.
Sie ist Tarot. Der beherzte Kopf geführt von werkelnder Hand.
Sie ist Charakter, Vers und Wert.
Falunrot und Dunkelblau. Medusa und bohème. Türkis.
Sie ist das Grinsen der Katzen, reisend auf einem Papierflugzeug.
Ein klackernder Roboter. Ein Kassettenrekorder.
Diese Musik ist Kindheit und ein Dinosaurier. Bart & Milhouse.
Ein TOYOTA, Baujahr ’70.
Die olle Strickjacke und der ausgeleierte Pullover.
Sie ist eine Schaukel und ein Seepferd.
Die knarrende Tür eines Kleiderschranks.
Die Bettwärme an einem Novembermorgen und Nebel über dem See.
Diese Musik legt blank vom Firnis und vom Firlefanz.
Sie ist das Andere und Wahrheiten.
Verantwortung und Autonomie.
Sie ist Wanderung und ein Streuner.
Barfuß laufen auf sonnenmildem Asphalt.

Diese Musik, geknüpft von Weberknechten, ist Krähe.
Schlange, Hyäne, Harpyie, Wolf. Ein Elephant.
Haushofer und Thoreau.
Sie ist Hase und Taube und Habicht. Ist Paradox und Paraphrase.
Diese Musik ist Mut. Sie ist ein Versprechen. Verständnis.
Ernst und Spiel. Die Weisheit der Krokodile.
Sie ist das Leuchten in den Augen einer weidenden Kuh.
Und ihre raue Zunge, welche die Handfläche streift.

Sie ist die Residenz einer Schnecke.
Eine Kerze. Ein Fuchs 4 Uhr in der Früh hinterm Haus und Mond.
Ein unisexer Clown mit Bommelmütze. Feuchte Locken im August.
Sie ist namenlos, anonym.
Sie ist bunt und groß.

Eine rührende Wiederholung jagt das Fensterlicht.

Diese Musik meint den Herbst und die Freiheit eines Poeten.
Am Rand der Welt unter Birken.

Diese Musik meint Entdeckung von Ungesuchtem und Heimat.

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