Wöchentliche Wortmeldung: Absolventenfeier –und es lohnt sich doch!

von Laura Schönwies

Meine Augen überfliegen zahlreiche graue Namen, die an eine Wand geworfen werden. Ich versuche eine Ordnung in diesem Wirrwarr ausfindig zu machen – gibt es ein System dahinter? Sind sie alphabetisch angeordnet? Ohne die einzelnen Worte wirklich zu lesen, suche ich eher nach vertrauten Mustern, nach dem Bild meines Namens. Aha, da ist er ja, in roten Lettern! Die grauen Schriftzüge zeigen alle an, die es geschafft haben, in rot sind es diejenigen, die gekommen sind – zur Absolventenfeier der Philosophischen Fakultät.

Mehr als Tassen und Beutel

Ich sitze im Audimax während Prof. André Barz die Namen der Absolventen des vergangenen Jahres verliest. Es sind nicht viele gekommen, um sich als frisch gebackener Bachelor oder als „Master of Arts“ den roten Beutel der Fakultät oder die entsprechende Tasse aus dem Uni-Shop feierlich überreichen zu lassen.

(Bild: Laura Schönwies)Für einen weißen Becher mit einem roten Logo hätte ich mich an einem Freitagabend wohl nicht in die hochhackigen Schuhe gequetscht und wäre wohl eher sofatauglich in die Jogginghose als in das kleine Schwarze geschlüpft, aber es bedeutet mir etwas in „meiner“ Uni zu sitzen und an die wirklich schönen Momente in meinem Studium zu denken.

Studium an der Philosophischen Fakultät: Von wegen „Lachen, Klatschen, Malen“

Ich erinnere mich an die Feierlichkeiten, als ich meinen Bachelorabschluss absolviert hatte: Stolz wie Oskar und voller Erwartung nahm ich auch damals auf einem der hölzernen Klappsitze im größten Hörsaal Platz. Doch statt der rühmenden Worte schmähte uns die Dozentin mit der Bedeutung von LKM – „Lachen, Klatschen, Malen“ – dieses Mal war es anders. Uns, den Literaturwissenschaftlern, Theologen, Soziologen und Philosophen wurde Mut gemacht, dass alle Absolventen der Fakultät in angemessenen Berufen unterkommen. Besonders konnte ich der Absolventin beipflichten, die nun ihren Master in „SOWI“ in der Tasche hat. Sie stellte im Vergleich zu ihrer vorherigen Studienkarriere fest, dass niemand an der Uni Siegen nur eine „Matrikelnummer“ ist. Hier herrscht eine familiäre Atmosphäre. Die Dame vom Prüfungsamt begrüßt auch den zwanzigsten Studenten mit der gleichen Frage zum LSF mit einem Lächeln, das ist, wie sie zutreffend sagt, nicht selbstverständlich! Ein besonderes Lob bekamen auch die studentischen Initiativen der Uni Siegen. Wer sich hier einbringen will, kann über das Studium hinaus noch viel dazu lernen, kreativ werden und tolle Leute kennenlernen. Dazu muss man sich nur mal die voll besetzte Campus-Wiese vor dem K-Turm ansehen, wenn der Asta zum Sommerfest einlädt.

Für angenehme Zwischentöne sorgten die Musikstudenten von „Dreiklang“. Ihren Song über eine Beziehung, die nun zu Ende geht, bezogen sie auf den Abschluss unseres Studiums – ein treffender Vergleich, wie mir in diesem Moment erschien.

Hier öffnen sich Türen und Partnerbörsen

Durch wie viele verschiedene Türen jeder Student in seinem Semesterleben geht, zeigte der nächste Vortrag eindrucksvoll. Wir schmunzelten bei der Bilderreihe, als die Klotür überdimensional über dem Rednerpult auftauchte und raunten bei dem Tür-Aushang „Bitte Ruhe-Klausur“. Neben den Erinnerungen können wir das Zitat „Glaube an alles, was du tust. Nur dem Menschen, der an sich glaubt, öffnen sich die Türen aller Welten“ von Selvarajan Yesudian mitnehmen.

Nachdem überwiegend Studentinnen für ihre Leistung geehrt wurden (hier kommen ca. 20 Frauen auf einen Mann – was für eine Singlebörse!) ging die Feier mit einem Sektempfang und Salzstangen im Eingangsbereich des Audimax weiter. Wer wollte, konnte sich mit schwarzem Samt-Talar und Doktorhut verewigen lassen.

Danke, Uni Siegen!!!

… Und, wenn es nach mir ginge, soll es das noch nicht gewesen sein …

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