Ars Mundi

von Nadine Hahnke/Christian Schütte

„Dürfen Studenten da überhaupt rein?“ Obwohl der Eingang direkt neben der Geschirr-Rückgabe in der Mensa liegt, ist das Ars mundi für viele Terra incognita. Geheimnisse ranken sich um den unbekannten Gastraum neben der Mensa. Wir haben ihn mal ein wenig erforscht. Eine Restaurantkritik von Nadine Hahnke und Christian Schütte

Ars mundi

Betritt man den hellen Raum des Ars mundi, wird schnell klar, dass hier eine entspannte und gemütliche Atmosphäre herrscht – ganz anders als im lauten Trubel der Mensa. Die Gäste – tatsächlich vorwiegend professoral – nehmen auf bequemen Stühlen Platz, statt sich die Nahrung wie in der Legebatterie zuzuführen. Zudem sorgt Teppichboden für gehobenes Flair. Die Lehrlingsküche, in der die Azubis werkeln, ist hinter der Selbstbedienungstheke frei einsehbar, und das Hauptmenü wird ebenso frisch ausgegeben wie in der Mensa. Zu Tisch erwartet die Gäste eine Deko, die zur Jahreszeit passt.

Ob das Essen der edlen Kantinenatmosphäre gerecht wird?

Als Vorspeise steht heute „klare Gemüsebrühe mit Eierstich“ zur Wahl. Menü I „Ungarisches Rindergulasch mit Rosmarinkartoffeln“ ist mit 6,40 € im Vergleich zu jedem uni-externen Restaurant immer noch ein Schnäppchen; man hat Zugriff auf Blattsalat mit Joghurt-Dressing und als Nachtisch wartet ein „Apfelküchlein mit Vanille-Creme fraiche“.

Die vegetarische Variante von Menü II kommt mit 5,60 € sogar noch etwas günstiger. Dort gibt es Käsespätzle mit Röstzwiebeln, sautierte Champignons und einen Salatteller. Dazu wählen wir eine Blaubeercreme.

Wenn noch nicht alles servierfertig ist, bringen die stets freundlichen Bediensteten den Rest an den Tisch. Allzu bekannte Grundprobleme aller Mensen und Kantinen kann allerdings auch das ambitionierte Ars mundi nicht kaschieren: Einige Speisen warten an der Theke lange auf Abholung und wer inklusive Vor- und Nachspeise ein komplettes Menü zum Tisch trägt, muss damit leben, dass nach dem Verzehr der Suppe das Hauptgericht nicht mehr heiß ist.

Die Vorsuppe selbst ist nicht als „kräftige“ Gemüsebrühe deklariert und tatsächlich schwimmen nur einige Karottenstreifen im milden Geschmack. Immerhin: Vom Maggi-Standard weit entfernt. Statt Eierstich scheint es sich allerdings um Grießklößchen zu handeln.

Bei den Spätzle hält sich der Anteil von Käse und Röstzwiebeln – verglichen mit süddeutschem Standard – in Grenzen. Dafür ist Ars-mundi-Rechnungdas Gericht im Ganzen weniger mächtig, als man es sonst von Käsespätzle gewohnt ist. Geschmacklich dominiert leider eine zu buttrige Note, die Nudeln sind zum Teil hart und schnell kalt. Besonders lecker sind allerdings die angebratenen Pilze, die saftig, aromatisch und mit Charakter überzeugen.

Wie sieht’s dagegen mit der fleischlichen Variante aus? Der Salat zum Gulasch ist in einer hohen Schüssel adrett angerichtet, allerdings färbt sich der Chicorée an den Rändern schon leicht bräunlich – daran mag die Warteschleife im Kühlregal schuld sein. Nicht mehr als drei hellrote Tomatenscheiben machen den Eindruck, dass es hier tatsächlich noch nicht um Sättigung geht.

Die Hauptsache, das Gulasch, ist eine Pracht: Die Rindfleischstücke zerteilen sich fast von selbst. Nachdem sich die dunkle Soße mit roter, grüner und gelber Paprika eher süß gegeben hat, entfaltet sich dahinter eine dezent scharfe Note. Das ist stark und kann selbst mit Restaurants der gehobenen Preisklasse mithalten. Die dazu gereichten Kartöffelchen in zarter Schale sind perfekt gegart.

Recht zufrieden wechseln wir also zum Dessert: Dort reagiert die Blaubeercreme auf den Löffel wie ein steifer Wackelpudding, was wohl daran liegt, dass sie an der Selbstbedienungstheke mit der Zeit fest wird. Eine cremige Konsistenz wird deshalb vermisst; die „Creme“ erinnert eher an Mousse-Konsistenz mit Sahne, schmeckt chemisch und leicht säuerlich. Trotzdem scheinen echte Blaubeeren püriert worden zu sein, was die Nachspeise geschmacklich leider nicht mehr retten kann.

Dagegen überzeugt das Apfelküchlein: ein blümchenförmiges Apfelscheiblein auf allerdings etwas störrischem Bisquit, der beim Zerteilen erst mal vom Tellerchen hüpft. Der Tupfer „Vanille-Creme fraiche“ obenauf schmeckt nicht nach Vanille, stattdessen fad und trocken.

Ein Besuch des Ars mundi lohnt sich jedoch definitiv: Das Gratis-Wasser aus der Mensa gibt es hier leider nicht, aber der kleine Euro mehr ist zu verschmerzen. Salat und Nachspeise sind eher was fürs Auge, Käsespätzle für die effektive Magenfüllung, das Gulasch ist für die Seele.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *