Stefan Krüger gründet eine Universität

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Ein Konzept

Die Gründung einer Universität ist ein langjähriger, von mir als langweilig empfundener Aufwand, der in Bürokratie beginnt, sich in ihr verläuft und darin verendet.

Und das macht man dann in Städten, die hässlich sind, weil sie im Zweiten Weltkrieg niedergebombt wurden und dann mit wenig Geld wieder aufgebaut werden mussten. Plattenbauten überall, weil’s Geld gefehlt hat, und viele Parkplätze, weil’s Geld nicht genug gefehlt hat, um Autos zu kaufen. Hätte man das mal lieber nicht getan.

Ich gründe hiermit keine Universität, weil ich davon überzeugt bin, es weder besser machen noch optimieren zu können. Ich habe keine Lust, mich dieser Quälerei auszusetzen, Papierberge zu bearbeiten, Ministerien zu kontaktieren, Gebäude zu bauen und Lehrkräfte zu organisieren. Ich gründe keine Universität, weil’s sinnvoller ist, keine zu gründen, als eine zu gründen. Das darf auf meinem Grabstein stehen: Hier liegt Stefan Krüger. Er hat keine Universität gegründet, danke, Mann!

Alles ist so überfrachtet mit Störfällen, von Mediamarktwerbung hin zum Ralph-Lauren-Poloshirt, von Schiefertafelhäusern und fehlgeleiteter Politik, Konfessionen, Gesetzen, Langeweile, Tristesse, den verklemmten Vampirromanen einer noch verklemmteren Mormonin und noch mal so vieler Dinge, deren Erfinder mindestens ein Zeugnis, wenn nicht sogar eine Trophäe verdient hätten, wenn sie das, was da entstanden ist, mal lieber nicht so verbockt hätten. Pech gehabt. Und ich und du sitzen jetzt in der Scheiße, sitzen in den Universitäten, deren Mensen und Cafeterien, hören Gespräche übers Dschungelcamp, das keiner guckt, und lästern über Kommilitonen, die es wagen Schuhe zu tragen, die keiner kaufen darf.

Die Kommission des Grimme-Instituts nominierte neulich das Dschungelcamp in der Kategorie Unterhaltung für dessen elitären Preis. Die haben das Konzept des Nichttuns längst kapiert, aufgegriffen und genial umgesetzt. Das Dschungelcamp wird den Preis nicht bekommen. Nicht bekommen und nicht nominiert sein wäre in Ordnung, nominiert sein und verlieren ist aber etwas vollkommen anderes. Der Grimme-Preis kann auf diese Art und Weise ganz öffentlich und offiziell nicht an das Dschungelcamp verliehen werden. Easy!

Ich werde in meinem Leben keinen dieser Störfälle mehr dulden, gründe erst keine Universität und nächstes Jahr gehe ich vielleicht auch nicht ins Dschungelcamp und wer weiß, vielleicht werde ich auch nicht CEO einer MultimillionenEuro-Unternehmung und damit auch kein Teil einer neuen Wirtschaftskrise. Ich werde das eventuell alles nicht gründen. Nichts zu danken.

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