20.04.2015: Müsli und Zeichentrick

Von Bikini Bottom bis nach New New York, weiter nach Entenhausen mit kurzem Zwischenstopp in Springfield. Noch ein Abstecher im verschneiten South Park und vielleicht ein kurzer Halt im Candy Kingdom.

Von Johannes Herbst

Schon seit den ersten Tagen als kleiner Taugenichts vor dem Farbfernseher, haben mich am meisten die bunten 2D-Spektakel in der Röhre fasziniert. Erst waren es die Sonntagmorgen, an denen ich schon vorfreudig zu unmenschlich frühen Uhrzeiten (7Uhr) aufstand und meine Eltern nervte, bis diese mich um ihres Schlafes Willen vor die Glotze ließen. Ein paar Jahre später kam dann Super RTL und Nickelodeon, zu denen mir allerdings nur beschränkten Zugriff gewährt wurde (draußen spielen war damals aber auch noch ganz cool).

Von den Mumins, Nils Holgerson und den Wildgänse, hin zu den Gummibären und Darkwing Duck. Die Turtles, Ruckrats oder Flintstones, alle bekamen bei mir ihre persönliche Sendezeit. Selbst im Teenageralter hatten die als kindisch verpönten Cartoons immer noch ihren Platz in meinem mittlerweile ausgedehnten Fernsehverhalten. Doch die Auswahl erweiterte sich. Ein fester Termin fand sich im Programm des Privatsenders mit der Nummer 7 zwischen 18 und 19 Uhr. Samstagnacht auf RTL lernte ich den derben ins-Gesicht-Humor von South Park kennen.

Heute ist allein durch epochale Erfindung mit dem Namen Internet das Spektrum der verfügbaren Zeichentricks unschaubar groß. Auch wenn ich mal den Fernsehen einschalte und gerade nichts Interessantes in den Spartensendern der öffentlich rechtlichen läuft, wird auf einen der Kindersender gezappt. Kurze Geschichten mit Anfang und Ende, einer kleinen versteckten Moral und der unendlichen Freiheit der Comicwelt. Selbst wenn der vom Hochhaus stürzende Ambos dich platt wie ein Papierheft drückt, mit dem Daumen im Mund und einem kräftigen Puster wackelt man stets in die richtige Form zurück. Zeichentrick heißt für mich, alles ist möglich.

Doch im Laufe der letzten Zehn Jahre haben sich auf den ehemaligen Hochburgen der Zeichentrickkultur die Sendungen mit bitchig angezogenen Kinderschauspielern eingenistet. Hannah Montana setzte den Trend und schwang sich dann, eine Abrisskugel penetrierend, davon und hinterließ ein Trümmerfeld ekelhafter Kindermanipulation. Gegenläufig zu diesem Trend laufen Zeichentrickserien, die für das vermeintlich ältere Publikum gedacht sind, auch hierzulande schon seit Jahren zu fast jeder Uhrzeit im TV. Family Guy, American Dad oder South Park sind wohl die bekanntesten US-Importe, die über den Bildschirm cartoonieren. Doch neue Perlen, wie beispielsweise Bob`s Burger, finden immer wieder ihren Weg ins deutsche TV, auch wenn hier und da die Übersetzung ein wenig den Spaß beschneidet.

Jetzt sollte diese Wortmeldung so langsam auslaufen, doch es fällt schwer die Kurve zu kriegen, wie der Coyote der den Roadrunner verfolgt. Ich könnte noch weiter schwallen und schwelgen, ein paar persönliche Alltime Favorites aufzählen oder den Versuch starten warum die vermeintlichen Kinderserien auch nicht nur für die lieben Kleinen produziert sind. (Das Austernauslecken in einer Spongebob Folge bietet nicht viel Platz für eine eindeutige Interpretation). Doch falls ihr euch bis zum Ende dieser Ausgabe gescrollt habt, dann hoffe ich, dass dies als Plädoyer für den Zeichentrick verstanden wird. Und mit den pathetische Worten Friedrich Schillers komm ich nun endlich zum Schluss: Lass mich ein Kind sein, sei es mit.

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