Plötzlicher Tod eines Studiengangs

von Minou Wallesch

Am Mittwoch, 10. Juli, stimmt um 14 Uhr im Senatssaal der Fakultätsrat darüber ab, ob der Bachelorstudiengang „Pädagogik: Inklusion und Entwicklung“ abgeschafft werden soll. Die Studierenden sind empört und protestieren.

Vier Jahre jung ist der Bachelorstudiengang „Pädagogik: Entwicklung und Inklusion“ (BAStEI). Nun hat das Dekanat einen Antrag auf Abschaffung des Studiengangs gestellt. Er soll ab kommenden Semester auslaufen. Am Mittwoch stimmt der Fakultätsrat darüber ab, ob diesem Antrag stattgegeben wird. Die Bewerbung für das Wintersemester 2013/14 läuft allerdings schon. Die 40 Studienplätze sind gefragt. Mehr als 40 Bewerbungen für den BAStEI-Studiengang gingen bereits ein, berichtet die Siegener Zeitung. Der Studiengang wird auch weiterhin beworben. Beispielsweise am „Tag der offenen Uni“.

Studierende formulieren Gegenargumente

Prof. Dr. Matthias Trautmann, Prodekan für Lehre, Studium und Weiterbildung, sagt, eine Abschaffung des BAStEI werde schon länger diskutiert. Als Gründe dafür nennt er: zu wenige Dozierende und einen fehlenden Masterstudiengang. Die BAStEI-Studierenden, der Fachschaftsrat für Gesellschafts- und Geisteswissenschaften für alle Bachelor-, Master- und Lehramtsstudierende und der AStA versuchen diese Gründe in einer Stellungnahme zu entkräften. Nach ihren Angaben gibt es genügend Kapazitäten, um den Studiengang fortzuführen. Die Professuren „Soziale Rehabilitation und Inklusion“, ,Heilpädagogik“, „Entwicklung“ und eine neue Stelle in den Erziehungswissenschaften sind momentan alle besetzt.

Probleme entständen vor allem dadurch, dass innerhalb der Fakultät nicht alle Bereiche für BAStEI geöffnet seien. Es gebe Kurse, die nur Lehramtstudierenden offenständen, nicht aber Studierenden aus dem BAStEI. Im Fachbereich Erziehungswissenschaften sei es offensichtlich nicht möglich studiengangsübergreifend zu lehren, so die Kritik der Studierenden.

Auch das Argument eines fehlenden Masters wird entkräftet. Den BAStEI-Studierenden steht der Master „Bildung und Soziale Arbeit“ offen und andere Universitäten bieten ebenfalls passende Masterstudiengänge an. Da Bachelorstudiengänge berufsbefähigend sind, ist außerdem ein Masterangebot zwar wichtig, aber nicht notwendig.

Kampf um Studiengang

Die BAStEI-Studierenden engagieren sich auf vielfältige Weise, seit bekannt geworden ist, dass der Studiengang auslaufen soll. Sie haben Unterschriften gesammelt, mit den stimmberechtigten Mitgliedern des Fakultätsrats II gesprochen, eine Stellungnahme zum Ministerium geschickt, unter anderem an die Ministerin für Schule und Weiterbildung Sylvia Löhrmann. Und sie haben sich ein Netzwerk aus Studierenden und Praxiseinrichtungen geschaffen, wie Kitas, Grundschulen und Heimen aus der Region, das hinter dem Studiengang steht.

Studiengang schafft neue Perspektiven

Sarah Heinze studiert den Bachelor „Pädagogik: Entwicklung und Inklusion“ an der Uni Siegen. Sie erklärt, dass es ihnen vor allem darum gehe, einen in Deutschland einzigartigen Studiengang zu erhalten. Dieser sei eine wichtige Schnittstelle zwischen Schule und sozialer Arbeit. Deshalb könnten die ergänzenden Module im Bachelor „Soziale Arbeit“ und der neue Förderpädagogik-Studiengang für Lehramt den BAStEI nicht ersetzen.

Sarah Heinze ist es wichtig den politischen Begriff „Inklusion“ mit konkreten Inhalten zu füllen und sich kritisch damit auseinanderzusetzen. Diese kritische Position zum in der Politik verhandelten Inklusions-Begriff schaffe der Studiengang. „Unser Studiengang trägt einen Teil zu einer wichtigen gesellschaftlichen Veränderung bei. Weg von einer Gesellschaft, die Menschen nach ihren Defiziten beurteilt und versucht sie in gesellschaftliche Normen zu pressen, hin zu einer bunten, pluralistischen Gesellschaft, die Menschen Möglichkeiten bietet, sich auf unterschiedlichste Weise zu entfalten.“

Weitere Informationen zur BAStEI-Problematik konnten wir von Herrn Prof. Dr. Trautmann auf Anfrage nicht bekommen. Er verwies uns auf die Fakultätsratssitzung am Mittwoch.

Zu der offenen Fakultätsratssitzung der Fakultät II am Mittwoch sind alle Studierenden eingeladen. Ab 14 Uhr wird im Senatssaal der Uni Siegen (AR-Campus) zunächst über den Studiengang diskutiert und dann über eine Abschaffung abgestimmt.

Ausführliche Stellungnahme der Studierenden: http://entwicklungundinklusion.wordpress.com  

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