Da Vinci

Eine Gastrokritik von Minou Wallesch

Auf der Suche nach einer leckeren Pizza in Siegen landete ich im „Da Vinci“. Ob es mir geschmeckt hat, lest ihr hier.

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Wir haben Lust auf Pizza. Damit stehen wir in Siegen vor einem Problem. Die meisten Pizzerien sind öde Plastikstuhllandschaften und outen sich beim Eintreten schnell als reine Bringdienste. Das „Da Vinci“ direkt unterm Krönchen bezeichnet sich zwar auch als Pizzeria. Plastikstühle und Bringdienst sucht man hier allerdings vergebens. Drinnen wird man von schummerigen Brauntönen und gut geschultem Personal empfangen. Hier ist alles ein bisschen schicker, aber gemütlich. Deshalb wissen die meisten KellerInnen auch, wie man die Gäste zum Tisch geleitet und dass man ab und zu vorbeischauen muss, auch wenn das Essen schon da ist. An den Wänden gibt es Sprüche wie „Man sollte dem Leibe etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat darin zu wohnen.“ Außerdem hängen da goldumrandete Spiegel und Regale mit weißen Porzellanfigürchen. Der weiße Pumps mit goldener Applikation neben den beiden hübschen Porzellanmädchen fällt mir direkt auf. Außerdem gibt es viel Braun. Der Boden ist wallnussbraun, die Stühle Mahagoni und auf die Wände sind in Terrakottafarbe gewischt worden.

Aber wir haben uns von diesem etwas unstudentisch anmutendem Ambiente nicht abschrecken lassen. Schließlich soll es hier, so sagt es die Internetseite, das Abendessen für Studenten 2,50 Euro günstiger geben. Auch in der Karte steht es: Bei Vorlage des Studentenausweises vor der Bestellung gibt’s Rabatt – allerdings nur für große Hauptgerichte. Für eine Pizza ist der Rabatt eigentlich gar nicht nötig: Teig mit 22 Zentimeter Durchmesser, Tomatensoße und Käse gibt es hier für 3,40 Euro. Teurer wird es bei dem Wunsch Fisch oder zehn Zentimeter mehr Durchmesser.

Die Karte kommt pronto und ein paar Brotscheiben, um den Hunger anzuheizen. Meine Pizza Natura mit Sauerrahm, Spinat und Mais kostet inklusive Rabatt 6,40 Euro. Ich traue mich was und bestelle Vollkornteig. Eigentlich klingt mir das zu gesund. Denn Pizza ist ja fettig und ungesund – Fastfood eben. Ob Vollkornteig dazu passt?

Meine Begleitung wählt Salat. Hier ist der Studentenausweis schon wichtiger, denn Salat gibt es im „Da Vinci“ erst ab rund 9 Euro. Bestellt wird ein „Da Vinci Speziale“ mit Black Tiger Garnelen in Kräuterbutter. Die Bedienungen sind alle jung und freundlich. Beim Essen schaut ab und zu jemand nach unseren Getränken. Angenehm. In anderen Siegener Bar-Restaurants lässt sich das Personal schließlich kaum zwecks einer zweiten Cocktailbestellung an den Tisch bewegen.

Ein duftender Teller schwebt auf meinen Platz. Gouda glänzt mich goldgelb und fettig an. An einigen Stellen durchbricht der Sauerrahm den Käse und hinterlässt weiße Schlieren. Ekelig? Nein, genau richtig. Denn was ist schon eine Pizza ohne den richtigen Fettgehalt? Der erste Schnitt sitzt – ich liebe scharfe Messer. Ein bisschen Angst habe ich vor dem Vollkornteig. Beim Kauen knackt es und dann ist es saftig, aber nicht klebrig. Eine gute Entscheidung war das also. Auch die Garnelen sehen gut aus. Der Salat schielt knackig grün unter ihnen hervor. Viele Pizzerien sparen an den Garnelen. Vielleicht auch das Da Vinci. Jedenfalls schmeckt es meiner Begleitung.

Nach drei Vierteln meiner Pizza bin ich pappsatt. Der Vollkornteig haut ordentlich rein. Und auch der Salat hätte nicht als Vorspeise getaugt.

Die Kellnerin hat sich gegen Ende unseres Essens nicht mehr blicken lassen. Nach ein paar Minuten schaffen wir es aber sie mit Winken zu unserem Tisch zu bewegen. Die Rechnung kommt und wir sind ganz glücklich mit unserer Pizzeria.

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