Die Anti-Führungsfrau

von Katharina Peetz

Porträt einer „self-made woman“.

Resolut klopft Sandra Keller* an die Bürotür des Chefarztes der Radiologie. Ihren Klienten Herrn Rashmari* hat sie im Schlepptau. Als sie das Zimmer betreten, wirkt der Chefarzt überrascht. Er hat mit Keller oft telefoniert, Verhandlungen geführt und Termine vereinbart. Die kräftige, raue Stimme ließ auf eine Frau mittleren Alters von großer Statur schließen. Nun steht Sandra Keller vor ihm: Sie ist 27 Jahre alt und 1,59 Meter klein. Die hohen Stöckelschuhe mit Pfennigabsatz gleichen das nicht aus. Der graue Hosenanzug sitzt eng, die langen, blondierten Haare sind zu einem Zopf zusammengebunden. Eine Narbe am linken Nasenflügel deutet auf ein früheres Piercing hin. Sie streckt dem Chefarzt die manikürte Hand mit den künstlichen Fingernägeln entgegen und redet gleich drauf los, nutzt den Überraschungseffekt. Sie preist Herrn Rashmaris außerordentliche medizinische Fähigkeiten, betont immer wieder, wie gern er in diesem Krankenhaus als Assistenzarzt arbeiten würde. Am Ende des Bewerbungsgesprächs hat Herr Rashmari seine Stelle so gut wie sicher. Die Geschäftsführerin der Personalvermittlungsagentur ist zufrieden.

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