Fortsetzungsroman

Kapitel 1

von Michael Fassel

Silberne Aufzugtüren öffneten sich. In seiner Kochbekleidung trat Ernesto heraus und schritt über einen langen finsteren Trakt. Das Licht machte er nicht an, er kannte den Weg auswendig und musste nur geradeaus gehen. Seine Sammlung an Besteck schepperte metallisch an seinem breiten Gürtel, in dem er seine eigenen Gabeln, Messer und Löffel aufbewahrte. Hochwertiges Material, das nur er benutzte und abends selbst abspülte. Er ließ es noch nicht mal zu, dass jemand anderes abtrocknete. Mitten auf dem Flur blieb er stehen, das Besteck verstummte mit seinen Schritten. Er glaubte, etwas gerochen zu haben. Es war nicht das Gulasch von gestern, sondern etwas erfrischend Herbes, das ihn sofort an ein blaues Meer denken ließ. Er ging weiter. Weiterlesen

Neulich an der Uni…

  • von Marius Albers

Vielleicht mag es ein wenig voyeuristisch klingen, doch ich kam vor einigen Tagen nicht umhin, ein Gespräch zwischen zwei Studierenden mitanzuhören, die neben mir an einem der Arbeitstische entlang des Weges zur UB saßen. Mit großem Stolz berichtete Person A (ich möchte hier eine explizite Geschlechtsnennung vermeiden), dass sie in ihrem fünften Semester nun endlich ihre Bachelorarbeit schreiben möchte. „Ich hab‘ auch keine Kurse mehr. Was soll ich denn sonst machen?“ Ein neiderfüllter Blick auf der Gegenseite. Wäre man doch selbst auch schon so weit! Ein Dozent übrigens riet dem Vernehmen nach, von diesem frühen Abschluss ab. „Ich hab aber doch schon alle Kurse, was soll ich denn sonst noch machen?“, so die empörte Antwort.

Ist die Uni denn so uninteressant? Bietet sie nicht so viel mehr, wenn man sich nur darauf einlässt? Der Begriff „Universität“ steht für die Gesamtheit, mithin für die Gesamtheit der Wissenschaften, die an diesem Ort gelehrt werden. Und dann soll es im Sinne einer Universität sein, dass man mal eben seine in der Studienordnung festgeschriebenen Kurse abschließt und damit fertig ist, ausstudiert? Das kann sicher nicht im Sinne des Erfinders sein. Humboldt würde sich wohl im Grabe umdrehen, wenn er das hören müsste. Auch dem (ich nehme ein möglicherweise nicht völlig beliebiges Beispiel) angehenden Ökonomen würde es nicht schaden, wenn er mal aus soziologischer Sicht erklärt bekäme, was ein bloß gewinnorientiertes Denken anrichten kann. Die Idee einer universalen Bildung ist jedoch leider völlig ausgestorben. (Ganz zu schweigen vom individuellen Reifeprozess, den ich hier etwas vernachlässige.)

Klar, ich weiß auch, dass Regelstudienzeiten Druck auf die Studierenden ausüben. Es ist zum Stigma geworden, wenn man sich nicht an die vorgegebenen Pläne hält, die jedoch nur für das eigene Fachstudium angelegt sind (und sich selbst dort durch absolute Zeitverknappung auszeichnen). Da bleibt kein Raum für den Blick nach rechts und links, und erst recht keine Zeit zum Denken. Schon Platon hat darauf hingewiesen, dass Geschwindigkeit und Denken nicht recht zueinanderkommen möchten. Die Muße als Tugend, das Nach-Denken, bleibt also im Turbo-Studium auf der Strecke.

„Ich habe schon 115 Punkte gesammelt.“ Punkte, das ist das neue Ziel der universitären Betätigung. Nicht mal mehr die ollen Kompetenzen, die bis vor kurzem noch ein wesentlicher Aspekt waren, sind noch wichtig. Und dass es bei einem universitären Studium längst nicht mehr um (umfassende) Bildung geht, braucht sicherlich kaum noch erwähnt zu werden. Bezeichnend ist folgendes, aus nämlichen Dialog: „Ich habe jetzt zur ersten Sitzung das Protokoll geschrieben, jetzt muss ich gar nicht mehr kommen.“ Was ist denn hier los? Und solche Leute bekommen am Ende als „Belohnung“ einen Universitätsabschluss geschenkt.

Arme Universität! Was wird dir nur angetan?

Ich mag -tage nicht

  • von Marius Albers

Gerade ist er vorbei, der Muttertag. Das bedeutet Entspannung im Mail-Postfach und auf den Straßen vor den Geschäften. Was verrät es über diesen Tag, wenn im Vorfeld per Mail zahlreiche Werbung ankommt? Wenn, ich nehme einfach ein beliebiges Beispiel, auf dem Plakat eines Schmuckherstellers vor einem Ring mit glänzendem Diamanten die einfache, beinahe rein konstative Äußerung „Am 8. Mai ist Muttertag“ prangt?

Wikipedia informiert, dass der Muttertag an der Wende zum 20. Jahrhundert in den USA geschaffen wurde, ursprünglich als Gedenktag und kirchliche Andacht für Mütter. Daraus wurde schließlich 1914 ein nationaler Feiertag in den USA. Die Etablierung des Muttertages in Deutschland geht auf eine Initiative des Verbands Deutscher Blumengeschäftsinhaber im Jahre 1923 zurück – also schon von Grund auf durchkommerzialisert. In der NS-Zeit freilich wurde der Tag aus ideologischen Gründe missbraucht, was aber nicht dazu führte, auf die glänzenden Gewinne an diesem Tag in der Folge zu verzichten. Weiter lernen wir aus dem Artikel, dass der Muttertag nicht gesetzlich verankert ist und Wirtschaftsverbände für das Datum verantwortlich sind: Fällt Pfingsten auf den zweiten Sonntag im Mai, dann kann der Muttertag um eine Woche verschoben werden, da an Pfingsten in einigen Bundesländern keine Läden öffnen dürfen. Da bleibt dann wohl nur noch der Weg zur Tankstelle …

Schön wäre es, den Tag zu Nutzen um ein wenig zur Ruhe zu kommen, doch der Geschenkstress setzt einem vorher schwer zu. An jeder Ecke wird auf die Notwendigkeit eines Präsents hingewiesen. Statt innezuhalten, um in unserer schnelllebigen Welt einmal kurz zu verschnaufen und sich wirklich um diejenigen zu kümmern, die man mit Geschenken abspeist. Die Kommerzialisierung macht vor -tagen nicht halt, und wir gehen fleißig mit. Muttertag, (der etwas unselige) Vatertag, Valentinstag, die Weihnachtstage – immer wieder ein Anlass, in den Laden zu stiefeln und Geld auszugeben.

Vielleicht braucht es gar nicht so viele -tage. Wäre es nicht schön, wenn man auch ohne ein festes Datum mal an seine Mutter denkt? Müssen wir heute noch an diesem Konstrukt festhalten, das der Handel geschaffen hat und das sicherlich keinem anderen Zweck dienen soll, als den Konsum anzukurbeln? Wie gesagt, ich mag -tage nicht.

Die Schulhofprinzession … im Masterstudium

Oder: Englishman in New York

– Oh, pardon: -woman –

von Andreas Hohmann

IMG-20160503-WA0006

Erster Tag im Master! Man, bin ich gut. Das wird ein Klacks! Ich meine, was soll schon passieren: Einser Abi, Topnote im Bachelor, früher Lehrerliebling, dann Professorenliebling, und von allen gemocht. Geil, das wird super! Sie werden mich lieben. Wie immer.

Soo, in den Seminarraum. Mal sehen, wen haben wir denn hier. Hmmm, schräge Typen ohne Muskeln auf zehn Uhr … noch schrägere Typen in Spießerklamotten auf zwei Uhr … Vogelscheuche auf drei Uhr – ach so, halt, das muss die Dozentin sein … noch mehr schräge Typen, diesmal weder Muskeln noch Modegeschmack, auf – oh Gott, nein! Nerds! Schnell weg hier! Mir wird ihr langweiliges Gequake schon aus der Ferne zu viel. Wie kann man sich nur vor Beginn des Seminars schon über das Thema unterhalten?

Oh, zum Glück! Die eine da kenne ich von der Kneipentour. Sieht fast so aus wie ich, redet auch so – perfekt. Schnell hin! „Ich setz‘ mich mal zu euch.“

Weiterlesen

Zwischen Bachelor- und Masterbürokratie

von Lisa Pilhofer

Ich gehöre zu den Leuten, die von dem Bachelor-Master-System nicht sonderlich begeistert sind. So wie ich das verstanden (und auch unter www.bachelor-studium.net nachgelesen) habe, dient die Umstellung von Diplom und Magister auf Bachelor/Master dem schnelleren Einstieg ins Berufsleben, der flexibleren Gestaltung des Studiums und vor allem der Vereinheitlichung des Abschlusses, der international anerkannt wird und einen besseren Austausch zwischen Universitäten möglich macht. Das heißt, man kann seinen Master auch an einer anderen Universität machen, man besitzt ja dieselben Voraussetzungen.
Soweit die Theorie. Weiterlesen