Nordrhein-Westfalens größter Zoo

von Michael Fassel

An Land sehen sie behäbig aus, unter Wasser aber scheinen sie die Schwerkraft zu vergessen: Im Hippodom, eine nachgebildete afrikanische Flusslandschaft im Kölner Zoo, lassen sich Nilpferde durch eine Scheibe beim Schwimmen beobachten. Und wenn man Glück hat und zur richtigen Zeit dort ist, kann man die Tiere bei der Fütterung beobachten. Äpfel klatschen auf die Wasseroberfläche, bevor das Nilpferd sein rekordverdächtig großes Maul öffnet und sie verschlingt. Weiterlesen

„Mir tut jede verspätete Minute ebenso weh!“

Das Pendeln ist der Alltag vieler Studenten. Verspätete Züge, überfüllte Bahnsteige und Lokführer, die es auch eilig haben. Eine Glosse von Michael Fassel.

Wenn ich am Kölner Hauptbahnhof lese, dass meine Bahn zehn Minuten Verspätung hat, freue ich mich. Nein, nicht weil ich das gut finde, sondern weil es nur zehn Minuten sind. Ich trödle noch fünf Minuten in der Bahnhofsbuchhandlung herum, aber es ist einfach zu heiß darin. Ich gehe auf den Bahnsteig. Auf dem Weg dorthin strömen mir Massen von Menschen entgegen, die plötzlich mitten im Weg stehen bleiben, weil ihr Handy klingelt. Ich bin also gezwungen, für andere mitzudenken und wie beim Autofahren blitzschnell zu reagieren, weil ich im Zick-Zack-Slalom ausweichen muss.

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Nika Bertram liest aus „Ich sage blau“

von Viviane-Viola Haase

Über die Lesung „Glühwein am Great Barrier Reef“ im „Adventure Holidays“ in Köln (11.12.2012)

Ein Reisebüro. Moderne Möbel, Prospekte, Plakate, Palmen. Das Adventure Holidays. Holzklappstühle, Koalas, Fischernetze und ein Duft von Heidelbeerpunsch. Damit begrüßt mich das außergewöhnliche Reisebüro zur Lesung von Nika Bertram aus ihrem neuen Buch „Ich sage blau“. Auf meinem Klappstuhl in der zweiten Reihe werde ich von einem bunten Durcheinander der Wahrzeichen Australiens umgeben. Eine riesige Flagge, Autokennzeichen an der Wand und ein flauschiger Koala. Die zahlreichen Wanduhren erzählen die Uhrzeiten der Welt und von einem großen Schrank aus beobachtet mich ein Hai. Ich fühle mich wie im Wohnzimmer eines Weltenbummlers und nur der Duft vom Punsch erinnert mich daran, dass ich mich im vorweihnachtlichen Köln befinde. Der Bogen von Teelichtern, der in der Form des Tisches verläuft, an dem Nika Bertram sitzt, wirkt wie eine kleine Schutzmauer vor der Schriftstellerin. Zurückhaltend lächelt sie durch den Lichtbogen hindurch, bevor sie anfängt, eine erste Passage aus ihrem Buch zu lesen. Wir Zuhörer erleben die Wünsche und Sehnsüchte der Protagonistin, die sich im Flugzeug auf dem Weg nach Australien befindet. Auch die Stewardess sei mit uns im Raum, so Nika Bertram, denn die lebensgroße Pappfigur in der rechten Ecke des Raumes sehe der hübschen Asiatin verblüffend ähnlich. Wir erfahren viele Details der Geschichte, aber ebenso über die Verbindung Nika Bertrams zu Australien. Auch für sie selbst war ihre Reise in dieses Land ein Selbstfindungstrip, von dem sie entspannt zurückkehrte, da dort, wie sie selbst formuliert, echt was passieren könne. Und zwar nicht zuletzt auf der Toilette. Denn da haben die Australier sogar Spinnen. So echt und direkt berichtet sie von ihren Erfahrungen und denen der Protagonistin.

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Bittere Bruchstücke einer Kindheit. Roland E. Kochs Buch „Alleestraße“ und eine zuckersüße Lesung.

von Sonja Lewandowski
Zwischen lit.Cologne und Leipziger Buchmesse findet sich eine kleine Gruppe Literaturinteressierter am 10. März in der Kölner Südstadt zusammen. Der Literaturverein „rhein wörtlich“ hat geladen, um den achten Band seiner Reihe „12 Farben“ vorzustellen.

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Der Schriftsteller Roland E. Koch stellt eine intime Fragmentsammlung vor, die einer anschließenden poetologischen Selbstreflexion gegenübersteht. Ob das in einem Buch zusammengehört, ist fragwürdig.
Das kleine Café à la tarte ist voll besetzt, die angepriesenen Tartes sucht man vergeblich: „Hier gibt es köstliche Küchlein, aber heute Abend kann ich leider keine leichte Kost bieten“, stimmt der Kölner Autor Roland E. Koch das Publikum schon zu Beginn ein. „Alleestraße ist das intimste und autobiographischste Buch, das ich je geschrieben habe.“ In „kleinen Päckchen“ fängt der Erzähler Momentaufnahmen seiner Kindheit ein, „ohne Chronologie, ohne roten Faden, um ein Chaos, das die Erinnerung beherrscht, wieder einzufangen“, wie Koch erklärt.

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