Der König der Elfen erzählt – Lesung und Gespräch mit Bernhard Hennen

von Michael Fassel

Mit seiner Lesung zog der deutsche Autor Bernhard Hennen nicht nur eingefleischte Fantasy-Fans in seinen Bann, sondern konnte auch Wissenschaftler aus Germanistik, Anglistik und Romanistik begeistern. Im Rahmen der interdisziplinären Tagung „Die Literatur des Mittelalters im Fantasyroman“ vom 7. bis 9. April an der Universität Siegen gingen sie unter anderem der Frage nach, was die populäre Darstellung des Mittelalters in Romanen wie J. R. R. Tolkiens Klassiker Der Herr der Ringe so erfolgreich macht. Im persönlichen Austausch mit Bernhard Hennen konnten Wissenschaftler wie Fans dem Erfolg des Fantasyromans auf die Spur kommen. Lesung Hennen

Weiterlesen

In Alarmbereitschaft – Kathrin Röggla im Museum für Gegenwartskunst

von Johannes Herbst

p_szenarien_der_ausnahme_klein_400Vergangenen Donnerstag wurde im Museum für Gegenwartskunst der Ausnahmezustand ausgerufen beziehungsweise eher besprochen. Im Rahmen der Tagung „ Szenarien der Ausnahme in der Populärkultur“, die vom 17.-19. September stattfand, las die österreichische Autorin Kathrin Röggla aus ihrem 2010 erschienen Erzählband „die alarmbereiten“. Weiterlesen

Die Literatur von heute wird in fünfzig Jahren keiner mehr lesen

von Theresa Müller

Der Schriftsteller Enno Stahl besuchte die Universität Siegen und stellte seinen Essayband „Diskurspogo“ vor. Darin kritisiert er die gegenwärtige Literatur mit ihren einseitigen Charakteren und Themen, und das nicht gerade zurückhaltend.

diskurspogo

Wie sieht die gegenwärtige Literatur in Deutschland aus? Was ist aus den Schriftstellern, den Verlegern, ja dem ganzen Literaturbetrieb geworden? Die Anzahl der vermarkteten Bücher steigt, doch die der großen Werken, wie wir sie von Thomas Mann oder Lew Tolstoi kennen, bleibt aus. Können wir von einem Verfall der Literatur sprechen, durch Massenmedien bedingt, dank der sich jeder Mensch Gehör verschaffen kann? Oder fördert der Fortschritt der Medien das politische Denken, die Auseinandersetzung mit dem Gegenwärtigen, das zur Integration und einer aufgeklärten Gesellschaft führt?

Am Mittwoch, den 7. Mai, sprach Enno Stahl, Schriftsteller und Journalist, an der Universität Siegen über seinen Essayband Diskurspogo, der 2013 im Verbrecherverlag erschienen ist und eben diese Thematik auseinanderpflückt. Im Januar diesen Jahres flammte, zugunsten der Popularität seines Werkes, wie er anmerkt, eine Debatte zu  dem Artikel Lassen Sie mich durch, ich bin Arztsohn!,  des Journalisten Florian Kessler, in der Zeit auf: die gegenwärtige Literaturdebatte.

Weiterlesen

Oberräuber trifft Rabauken auf Schloss Frankenstein

von Minou Wallesch

Der Asta lädt ein und alle kommen: Autor und Poetryslammer Patrick Salmen füllte im Audimax Bänke und Treppen, sorgte für ordentliche Lacher und rauchende Köpfe. Mit seinem Soloprogramm „Ich habe eine Axt“ begeisterte er am Dienstagabend rund 600 Studierende.

Salmen1

 

 

 

 

 

 

 

 

Viertel vor acht an einem Dienstagabend. So voll ist das Audimax um diese Uhrzeit wohl nur ganz selten. Schon seit sieben Uhr füllen sich die Sitzreihen und der Asta sorgt mit lauter Musik und einem Sofa-Bühnenbild für die richtige Abendstimmung. Ein Theatergong, eine kurze Begrüßung vom Asta, dann tritt Patrick Salmen auf die Bühne: „Hallo ihr kleinen Räuber.“ Er freut sich über den „großen Haufen Menschen“ und findet es sehr vorbildlich von uns um acht Uhr noch freiwillig in der Uni zu sitzen. Auf der Fahrt hätte er sich wie auf dem Weg zum Schloss von Frankenstein gefühlt, so viel Wald … Damit hat er uns, rumkritteln an der Abgeschiedenheit der Uni geht immer. Außerdem verpackt Salmen seine Worte mit einer angenehmen und einnehmenden, leicht nuscheligen Stimme, die sehr nach Geschichtenleser am Kaminfeuer klingt. Immer begleitet von einer feinen Ironie.

Weiterlesen

„Rauchen erlaubt“ – Eine Lesung von Martin Stoffel

 von Theresa Müller

Das Nichtraucherschutzgesetz ist am ersten Mai in Kraft getreten. Vorher gab der Autor Martin Stoffel noch ein paar amüsante Rauchergerschichten zum Besten. Inklusive Raucherhusten.

„Rauchen erlaubt“ – Gedichte und Geschichten von Martin Stoffel

Anti-Rauchen, Anti-Trinken, Anti-Fleischessen. Die Anti-Gesellschaft wächst in Deutschland. Doch bedeutet das nicht auch Anti-Lebensgefühl und spitz gesagt Anti-Freiheit des Individuums? Rauchen ist heutzutage unhöflich, verpönt, gar unmoralisch. Dabei gibt es inzwischen kaum öffentliche Orte, wo noch geraucht werden darf, und die wenigen auffindbaren Rauchertempel, in denen das Individuum noch frei entscheiden kann, wurden am 1. Mai durch das Nichtraucherschutzgesetz in NRW abgeschafft. Martin Stoffel, ein Schriftsteller aus Siegen, nimmt sich das zum Anlass, eine Lesung ganz im Sinne des Rauchens zu halten. „Rauchen erlaubt“ ist der Titel der Lesung, die im New Orleans in Siegen stattfand.

Martin Stoffel liest Texte über den Genuss des Rauchens. Thematisiert persönliche Momente, Frauen, den Tod und als versteckter Held taucht in seinen Geschichten immer wieder die Zigarette auf.

Weiterlesen

Nika Bertram liest aus „Ich sage blau“

von Viviane-Viola Haase

Über die Lesung „Glühwein am Great Barrier Reef“ im „Adventure Holidays“ in Köln (11.12.2012)

Ein Reisebüro. Moderne Möbel, Prospekte, Plakate, Palmen. Das Adventure Holidays. Holzklappstühle, Koalas, Fischernetze und ein Duft von Heidelbeerpunsch. Damit begrüßt mich das außergewöhnliche Reisebüro zur Lesung von Nika Bertram aus ihrem neuen Buch „Ich sage blau“. Auf meinem Klappstuhl in der zweiten Reihe werde ich von einem bunten Durcheinander der Wahrzeichen Australiens umgeben. Eine riesige Flagge, Autokennzeichen an der Wand und ein flauschiger Koala. Die zahlreichen Wanduhren erzählen die Uhrzeiten der Welt und von einem großen Schrank aus beobachtet mich ein Hai. Ich fühle mich wie im Wohnzimmer eines Weltenbummlers und nur der Duft vom Punsch erinnert mich daran, dass ich mich im vorweihnachtlichen Köln befinde. Der Bogen von Teelichtern, der in der Form des Tisches verläuft, an dem Nika Bertram sitzt, wirkt wie eine kleine Schutzmauer vor der Schriftstellerin. Zurückhaltend lächelt sie durch den Lichtbogen hindurch, bevor sie anfängt, eine erste Passage aus ihrem Buch zu lesen. Wir Zuhörer erleben die Wünsche und Sehnsüchte der Protagonistin, die sich im Flugzeug auf dem Weg nach Australien befindet. Auch die Stewardess sei mit uns im Raum, so Nika Bertram, denn die lebensgroße Pappfigur in der rechten Ecke des Raumes sehe der hübschen Asiatin verblüffend ähnlich. Wir erfahren viele Details der Geschichte, aber ebenso über die Verbindung Nika Bertrams zu Australien. Auch für sie selbst war ihre Reise in dieses Land ein Selbstfindungstrip, von dem sie entspannt zurückkehrte, da dort, wie sie selbst formuliert, echt was passieren könne. Und zwar nicht zuletzt auf der Toilette. Denn da haben die Australier sogar Spinnen. So echt und direkt berichtet sie von ihren Erfahrungen und denen der Protagonistin.

Weiterlesen

Bittere Bruchstücke einer Kindheit. Roland E. Kochs Buch „Alleestraße“ und eine zuckersüße Lesung.

von Sonja Lewandowski
Zwischen lit.Cologne und Leipziger Buchmesse findet sich eine kleine Gruppe Literaturinteressierter am 10. März in der Kölner Südstadt zusammen. Der Literaturverein „rhein wörtlich“ hat geladen, um den achten Band seiner Reihe „12 Farben“ vorzustellen.

image
Der Schriftsteller Roland E. Koch stellt eine intime Fragmentsammlung vor, die einer anschließenden poetologischen Selbstreflexion gegenübersteht. Ob das in einem Buch zusammengehört, ist fragwürdig.
Das kleine Café à la tarte ist voll besetzt, die angepriesenen Tartes sucht man vergeblich: „Hier gibt es köstliche Küchlein, aber heute Abend kann ich leider keine leichte Kost bieten“, stimmt der Kölner Autor Roland E. Koch das Publikum schon zu Beginn ein. „Alleestraße ist das intimste und autobiographischste Buch, das ich je geschrieben habe.“ In „kleinen Päckchen“ fängt der Erzähler Momentaufnahmen seiner Kindheit ein, „ohne Chronologie, ohne roten Faden, um ein Chaos, das die Erinnerung beherrscht, wieder einzufangen“, wie Koch erklärt.

Weiterlesen

Hollywoods biggest liar – Die Stummfilmdiva Pola Negri

von Minou Wallesch

Im Hollywood der 20er Jahre war sie ein Star. Heute kennt sie kaum noch jemand. Daniela Dröscher hat über die vergessene Stummfilmdiva Pola Negri einen Roman geschrieben. Aus „Pola“ las sie im New Orleans.

In Hollywood war sie ein Star. Dann machte der Tonfilm ihrer Karriere den Garaus. Heute ist sie in ihrer Heimat Polen eine Legende. Sonst kennen ihre Filme nur wenige. Pola Negri ist eine zu unrecht vergessene Hollywoodlegende, sagt Daniela Dröscher. Sie liest im New Orleans aus ihrem Roman „Pola“. Darin zeichnet sie ein Bild der harten Realität des ausbleibenden Ruhmes und einer außergewöhnlichen Persönlichkeit. Eingeladen wurde sie vom Projektseminar der Uni Siegen.

Daniel Dröscher stellt sich die Freundschaft mit der Stummfilmdiva Pola Negri sehr schwierig vor. Vielleicht wäre Pola eher eine abgebrühte Schwester, mit der man nicht immer einverstanden ist, von der man aber nicht loskommt. Dröscher ist für ihren Roman über die polnische Stummfilmdiva der 20er Jahre nach Polen an die Orte von Polas Kindheit gereist. Sie hat ihre Memoiren gelesen und vieles, das von anderen über sie geschrieben wurde. Doch der Roman handelt vor allem von Polas Untergang.

Weiterlesen