Zusammenraufen statt Grabenkämpfe

von Jan-Hendrik Schulz

Was bringt die Veranstaltungsreihe „Campus im Dialog“?

Irgendetwas muss passieren. Schlangen vor der Mensa, kaum studentischer Wohnraum, zu wenig Plätze in Seminaren. In der neuen Veranstaltungsreihe „Campus im Dialog“ sollen sich die Studierenden mit der Universitätsleitung austauschen und dazu beitragen, die Probleme zu lösen, eine neue Form des Austauschs schaffen. Raus aus den Verwaltungstrakten, unter die Studierenden. Mit AStA-Mann Julian Hopmann diskutierten Philipp Schmidt von der Studienberatung, Studentenwerk-Geschäftsführer Detlef Rujanski, Rektor Holger Burckhart und Franz-Josef Klein, Prorektor für Studium und Lehre.

CampusDialog

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Oberräuber trifft Rabauken auf Schloss Frankenstein

von Minou Wallesch

Der Asta lädt ein und alle kommen: Autor und Poetryslammer Patrick Salmen füllte im Audimax Bänke und Treppen, sorgte für ordentliche Lacher und rauchende Köpfe. Mit seinem Soloprogramm „Ich habe eine Axt“ begeisterte er am Dienstagabend rund 600 Studierende.

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Viertel vor acht an einem Dienstagabend. So voll ist das Audimax um diese Uhrzeit wohl nur ganz selten. Schon seit sieben Uhr füllen sich die Sitzreihen und der Asta sorgt mit lauter Musik und einem Sofa-Bühnenbild für die richtige Abendstimmung. Ein Theatergong, eine kurze Begrüßung vom Asta, dann tritt Patrick Salmen auf die Bühne: „Hallo ihr kleinen Räuber.“ Er freut sich über den „großen Haufen Menschen“ und findet es sehr vorbildlich von uns um acht Uhr noch freiwillig in der Uni zu sitzen. Auf der Fahrt hätte er sich wie auf dem Weg zum Schloss von Frankenstein gefühlt, so viel Wald … Damit hat er uns, rumkritteln an der Abgeschiedenheit der Uni geht immer. Außerdem verpackt Salmen seine Worte mit einer angenehmen und einnehmenden, leicht nuscheligen Stimme, die sehr nach Geschichtenleser am Kaminfeuer klingt. Immer begleitet von einer feinen Ironie.

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„Ich erbitte klare Kritik!“

Im zweiten Teil des Interviews verrät der LSF-Beauftragte der Fakultät I, Dr. Ingo Köster, was er von den Studierenden hält, wie das LSF an die Uni Siegen kam und wie er selbst an seinen Job geraten ist.

Teil 2 des LiteraListen-Interviews von Christian Schütte und Kathrin Wagner. (Teil 1 hier)

Es gibt andere, vielleicht bessere Systeme an anderen Unis – warum in Siegen ausgerechnet das LSF?
Man muss unterscheiden: Es gibt Systeme, die laufen reibungslos, sind aber auch sehr einfach gestrickt – das sind zum Teil von den Universitäten selbst programmierte Plattformen. Wenn die entsprechenden Studienmodelle und Prüfungsordnungen genauso einfach sind, dann mag ein sehr einfaches System sinnvoll sein. Die Uni Siegen hat sich für relativ komplexe Studiengänge entschieden und die müssen in einem System abgebildet werden. Und wenn es stimmt, was ich von anderen Universitäten gehört habe, läuft es auch dort bei zunehmendem Komplexitätsgrad nicht reibungslos. Mir ist nicht bekannt, dass es ein System gäbe, das bei sehr komplexen Studienmodellen reibungslos funktioniert.

Foto: Hendrik Schulz Sind Studierende auch mal in Panik, wenn sie denken, es bricht alles zusammen?
Wenig … Nein, die Studierenden kommen mir eigentlich nicht panisch vor, ganz wenige nur. Ich habe super Erfahrungen mit den Studierenden gemacht.

Welche?
Sie sind nett, sie verstehen die Problematik. Ich erkläre ihnen auch immer die Hintergründe für Fehlermeldungen und Probleme, deshalb schreibe ich relativ lange Antwortmails. Außer in den ganz heißen Phasen, wo es am Tag vierzig bis fünfzig Anfragen gibt, die ich zum Teil erst mal recherchieren muss: warum sie sich jetzt nicht anmelden können, warum diese Fehlermeldung kommt. Die Programmierabteilung kann mir aber bei Nachfragen auch nicht sofort antworten, weil sie in solchen Anmeldephasen Anfragen von LSF-Beauftragten für insgesamt 800 Studiengänge bekommt. Dann erhalte ich eine Antwort erst einen Tag später und muss mich in einen Fall wieder neu hineindenken, weil ich in der Zwischenzeit zehn andere Anfragen beantwortet habe. In solchen stressigen Phasen antworte ich sehr kurz – da bitte ich um Verständnis –, manchmal nur stichwortartig, weil es nicht anders geht. Ansonsten bemühe ich mich immer darum, ausführliche Antworten zu geben.
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Armer Katholik …

von Laura Schönwies

Die katholische Kirche hat immer wieder mit neuen Skandalen zu kämpfen. Von Kindesmissbrauch bis zur maßlosen Geldverschwendung ist alles dabei. Laura Schönwies setzt sich in diesem Kommentar kritisch mit der katholischen Kirche und dem gesellschaftlichen Umgang mit dieser auseinander.

„Missbrauch“,  „veraltet“, „Protzbischof“: Was bekommt man als Katholik nicht alles um die Ohren gehauen. Glaubt die Gesellschaft wirklich, dass man als junger Mensch keine einzige kirchliche Einrichtung mehr betreten kann, ohne unberührt wieder hinauszugehen? Keine Frage, Kindesmissbrauch ist unentschuldbar. Es sind jedoch einzelne Fälle, in denen sich Erwachsene selbstständig an unschuldigen Kindern vergangen haben. Die Kirche befähigt nicht im Geringsten dazu. Sie verkündet die Worte aus dem Markusevangelium: „Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht“. Beim Missbrauch ist der Täter schuldig geworden. Die Kirche muss die kleinsten Mitglieder vor ihnen schützen.

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„Komm’ Se rein, hier ist noch Platz“

von Gabriele Unruh

Zur  Studiensituation an der Uni Siegen

Die Universität Siegen zählt seit diesem Semester 18.551 Studierende. Eine Uni mit vielen Studierenden hat prinzipiell Vorteile: Es gibt ein breites Angebot von Kursen, der Campus erscheint urbaner und auch die Vielfalt unter den Studierenden wächst. Doch habe ich das Gefühl, dass zwar die Zahl der Immatrikulierten steigt, die Universität aber nicht mitwächst. Der Haupt-Komplex auf dem Haardter Berg wurde 1972 gebaut und ist für etwa 8.000 Studierende ausgelegt. Es wurde immer wieder erneuert, saniert und umgebaut und seit 1995 gehört auch das ehemalige Standortlazarett unter dem Namen Emmy-Noether-Campus zur Bildungsstätte. Aber an allen Ecken und Enden sticht es ins Auge: Die Universität hinkt hinterher. Zum Beispiel habe ich vorletztes Wochenende ein Seminar besucht, bei dem ich den gesamten Samstag auf der Treppe eines Hörsaals sitzen musste, weil es nicht ausreichend Sitzplätze für alle Teilnehmer gab. Dort hatte ich eine wunderbare Aussicht auf die Schuhe meiner Kommilitonen. Den Dozenten jedoch konnte ich kaum erkennen.

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Sind Männer die besseren Ingenieure?

Jungs sind besser in Mathe und von Autos sollten Frauen lieber die Finger lassen? Janina Althaus sprach mit Fahrzeugbaustudentin Kristina Hahnemann über Vorurteile und ihren Traumberuf.

„Ich will keine Frau, die mir erklären kann, wie man Reifen wechselt.“ Mit solchen Sprüchen und einigen Vorurteilen hat man als Frau in männerdominierten Studiengängen zu kämpfen. Daran ändert sich auch in der Berufswelt zunächst wenig.

Das Interview führte Janina Althaus

Fahrzeugbaustudentin_Interview_Kristina_HahnemannKristina Hahnemann, 23, studierte erst Maschinenbau, später Fahrzeugbau an der Universität Siegen.

Kristina, du studierst Fahrzeugbau. Ist das nicht eher was für Männer?   

So ein Quatsch! Diese Ansicht ist nicht zeitgemäß.

Aber immer noch ein aktuelles Problem?

Ja! Denn man wird als Frau immer noch zu oft unterschätzt und muss sich dumme Sprüche anhören. Häufig traut man mir nicht so viel zu. Wenn man mich sieht, denken die meisten: Die kann nett lächeln. Das war´s dann aber auch.“ Dabei muss ich kein männliches Gen in mir tragen, um die komplexen Vorgänge zu verstehen. In der Schule geht´s damit schon los. Jungs sind angeblich besser in Mathe. Diese Einstellung nimmt vielen Mädchen bereits die Chance, Spaß an der Arbeit mit Zahlen zu entwickeln. Mathematik bildet die Grundlage im Maschinenbau. Aber noch viel mehr geht es um logisches Denken.

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Das Leben der Anderen

von Suna Jones

Über einen Mann, dessen Job es ist, seine Mitmenschen zu durchschauen, um ihnen aus Lebenskrisen zu helfen.

René K. könnte Ihnen bereits begegnet sein. Vermutlich ist er Ihnen nicht aufgefallen, er sitzt vielleicht sogar in diesem Moment auf der Parkbank nebenan oder am Tisch gegenüber. Sie sind sich seiner Anwesenheit nicht einmal bewusst, während er vielleicht schon mehr über sie weiß, als Ihnen lieb ist. Das ist Teil seines Jobs: „Mir entgeht so gut wie nichts!“

Ob jemand lügt, wie er sich gerade fühlt oder was ihm durch den Kopf geht, all das ist für René kein Geheimnis. Kleinste Veränderungen in der Mimik oder auch spontane Variationen der Tonlage verraten oftmals mehr über uns, als wir eigentlich preiszugeben bereit sind. Und gleichzeitig bleibt den meisten Menschen schleierhaft, wie ihre innere Verfassung für einen völlig Fremden derart offensichtlich sein kann.

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Haus Patmos

Eine Gastrokritik von Christian Schütte

Christliche Gastronomie in Siegen-Geisweid steht diesmal auf dem Prüfstand.

Am Siegener Stadtrand gelegen, noch weit hinter dem Geisweider Freibad, Richtung Sohlbach hinaus, befindet sich das „Haus Patmos“ – mitten im Grünen. Ursprünglich vom Zeltmissionar Jakob Vetter (1872-1918) gegründet, verspricht das Haus noch heute als Hotel mit Veranstaltungshalle und Restaurant, den Gast „in christlicher und familiärer Atmosphäre“ (Homepage) zu empfangen.

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Ein musikalischer Abschied

von Clara Müller

„La Recherche“ erinnert an Lothar Barts.

Vor 20 Uhr sollte kein Einlass sein. Doch ein paar alte Damen mit strenger Miene stehen bereits eine halbe Stunde früher am Eingang. Ihre übertriebene Pünktlichkeit soll Anteilnahme zeigen. Drinnen angekommen wissen sie nicht wohin mit sich und ihren Händen. Sie kaufen schnell ein Glas Wasser oder Limonade, damit sie sich daran festhalten können. Der Raum ist so groß, dass acht Tafeltische Platz finden. Einer ist mittig vor der Bühne platziert. Dort werden die Familienangehörigen und ihre engsten Freunde sitzen. Jeder Tisch ist mit silbernen Seidenschleifen und kleinen violetten Dekosteinen festlich geschmückt, obwohl es eigentlich nichts zu feiern gibt. Noch fließen im Musiksaal Heppenbach in Belgien keine Tränen.

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Ein Mann, Pferd, ein Wald

von Judith Kaiser

Im Westerwald müssen Pferde richtig schuften – und das Holzrücken macht ihnen auch noch Spaß

Daniel Seidel mit Wasco auf dem Weg zur Arbeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Wald ist noch düster, feucht und kalt. Man hört dasKlirren schwerer Ketten und vom weichen Boden gedämpftes Hufgetrappel. In der Luft liegt würzig-warmer Pferdegeruch. Auf dem verlassenen Waldweg trotten zwei schwere Kaltblüter, geführt von zwei jungen Männern. Die Tiere tragen Arbeitsgeschirre und ziehen Metallstangen hinter sich her, an denen schwere, eiserne Ketten befestigt sind.

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