Er ist schuld!

Oder sie! Oder es! Oder . . . ach, egal! Hauptsache, nicht ich!
– Advanced Freestyle-Seminargestaltung –

von Andreas Hohmann

„Jaa, guten Tag, ich begrüße Sie zu diesem Seminar. Selbstverständlich würde ich Sie jetzt fragen, welche Interessen Sie dazu bewogen haben, diese Veranstaltung zu belegen. Aber offen gestanden haben Ihre Antworten keinen Einfluss auf den weiteren Verlauf, sodass wir diesen Part auch überspringen können.
Ich dachte mir, zu Beginn eine kleine Einführung ins Thema: ‚Kollektiv geteilte Deutungsmuster in der Gesellschaft‘. Welcher Gesellschaft? Na, junger Mann, welche Gesellschaft sollte für uns schon relevant sein? Unsere! Welche sonst? Also, der thematische Einstieg. Sie sind dran, liebe Studierende. Der Arbeitsauftrag lautet: Nennen Sie ein kollektiv geteiltes Deutungsmuster in unserer Gesellschaft. Nein, dieses Hand-heben können Sie sich sparen. Einfach auf Zur- Weiterlesen

Droggelbecher? Droggelbecher!

Von Lisa Maria Pilhofer

Edna bricht aus. Sie muss mit Hilfe ihres kleinen, blauen Frottee-Hasen Harvey aus einer Irrenanstalt ausbrechen. Ihr Ziel ist es, die Ermordung ihres nervigen Nachbarjungen Alfred aufzuklären, für die ihr Vater die Todesstrafe bekam. Interessant hierbei ist, dass nur Edna Harvey verstehen und mit ihm reden kann, was mich irgendwie an den Film Mein Freund Harvey erinnert hat. Dort ist Harvey allerdings kein kleines Stofftier, das für alle sichtbar ist, sondern ein unsichtbarer Hase von 2 Metern, der nur vom gutmütigen Protagonisten Elwood P. Dowd gesehen werden und auch nur mit ihm kommunizieren kann. Daher versuchen auch alle Freunde und Verwandte, den armen Elwood P. Dowd in eine Irrenanstalt einzuliefern (was nicht ganz so funktioniert, wie geplant). Es ist eine liebenswerte Komödie, in der niemand ernsthaft zu Schaden kommt.
Edna bricht aus ist anders.

Weiterlesen

EINE FEIER

von Crauss

III

später in der nacht noch einmal Donald Byrds pure d-funk oder den afro-fusion doppel-pulp mit Manu Dibango und mombassa. vorerst aber – ich habe gewartet, doch nun bist du hier – die gleiche leier wie im letzten jahr: nun klingen die banjos, nun klingt das klavier. komm tanz den ersten tanz mit mir. Weiterlesen

„Christliche“ Nächstenliebe?

von Natalie Meyer

Meine persönliche Adventszeit beginnt spätestens im November. Da wird es als armer Student dann Zeit, für den nächsten Monat Geld zurück zu legen, um damit vorzugsweise ALLE GESCHENKE bezahlen zu können. Weiter geht’s am 2. Advent. An einem Wochenende müssen sämtliche Plätzchensorten zusammengepanscht werden. Schließlich will ich jedem, den ich kenne, eine kleine Aufmerksamkeit schenken. Meiner Familie, Bekannten und Freunden. Hierbei kann leider auch keine Backmischung oder ähnliches benutzt werden, die Kenner merken das nämlich sofort. Und weil meine Omas solche Kenner sind, brauch ich damit gar nicht erst anzufangen. Hinzu kommt, dass ich sogar Menschen, die ich auf den Tod nicht ausstehen kann, was von meinen Schweiß- und Nerven kostenden Keksen schenken muss. Oh ja, das ist die “christliche Nächstenliebe”.

Weiterlesen

Verschwitzt mit Kant im Zug und das Prinzip Pogo

von Johannes Herbst

Im Zug nach Siegen sitzend. Dem letzten Richtung Siegen an diesem Mittwoch. Mit der entknüllten Zeit in meiner Hand, hing ich nach vorne gebeugt mit meinem kapuzenumhüllten Kopf gegen den Vordersitz gelehnt und versuchte den Artikel im Feuilleton zu entziffern. Der Konsum von drei Longdrinks aus der Dose und mehrerer Äppler hatten sowohl auf meine Sicht sowie auf meine Konzentrationsfähigkeit eine beeinträchtigende Wirkung. Weiterlesen

Abgeschlossen

von Michael Fassel

Nach siebzehn Monaten bohrte sich der Schlüssel mit dem kleinen schwarzen Griff und der dreistelligen Nummer durch die Jeanstasche. Ein Eigenleben hatte er dabei keineswegs entwickelt, vielmehr war das Loch das Ergebnis einer langen Reibung, entstanden durch ständige ruckartige Bewegungen des Schlüsselbesitzers. Mit einem Florett in der Hand, das er immerzu in den Himmel stieß, anstatt seinem Duellanten zu beweisen, wer von beiden geschickter mit diesem Phallussymbol umging, platzte die Hosentasche Naht für Naht, bis der kleine Schlüssel lautlos durch die Jeans im Gras landete. Weiterlesen

Wie sehe ich mich selbst? Wer wäre ich gerne? Wie möchte ich gesehen werden? Zu einem Alltagsphänomen im Museum.

von Christian Schulz

Selfies sind überall. Die deutsche Fußballnationalmannschaft, Barack Obama und sogar der Papst sind auf einschlägigen im Netz kursierenden Selfies zu sehen. 2013 vom Oxford Dictionary zum englischen Wort des Jahres gewählt, legte das Selfie binnen kürzester Zeit eine steile (Medien-) WoWöGrafik1Karriere hin. Erst jüngst erregte das sogenannte „Flüchtlings-Selfie“ von Angela Merkel die sowieso schon erhitzten Gemüter in der Flüchtlingsdebatte.
In Düsseldorf, das nach einer Erhebung des „Time“- Magazins zu Deutschlands Selfie-Hauptstadt gekürt wurde, widmet sich nun eine Ausstellung im NRW-Forum dem massenmedialen Alltagsphänomen und bringt die Selfies ins Museum. „Ego Update“ zeigt 23 Exponate von nationalen und internationalen Künstlern und Medienschaffenden und versucht dem vermeintlich oberflächlichen Phänomen der Selfie-Fotografie auf die Spur zu kommen. Schon der Titel der Ausstellung verweist auf den dem Selfie inhärenten Aspekt der (digitalen) Selbstoptimierung und das damit einhergehende „Ideal-Ich“. Evident wird dies in der Ausstellung in der Foto-Serie „Alter Ego“ des britischen Fotografen Robbie Cooper, die zwar genaugenommen keine Selfies zeigt, sondern vielmehr die Avatare von Online-Spielern mit ihrer realen Erscheinungsform kontrastiert. Damit wird augenscheinlich nicht direkt auf das Selfie an sich eingegangen, es werden jedoch essentielle Fragen bzgl. des Antriebs Selfies zu schießen und online zu stellen berührt: Wie sehe ich mich selbst? Wer wäre ich gerne? Wie möchte ich gesehen werden? Der Ausstellungsbesucher kann, im Gegensatz zu den Online-Mitspielern, gewissermaßen hinter die Fassade blicken und wird damit zwangsweise mit Fragen, der auch Selfies zugrunde liegenden Dynamik zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie der Frage nach der Körperlichkeit konfrontiert. Weiterlesen