15.09.2014: Zwischen Heimat und Siegen – eine leicht satirische Betrachtung

von Sebastian Wilhelm

Ich erinner´ mich noch gut an den ersten Tag in Siegen.
Damals war es ziemlich grau und regnerisch. Zugegeben, in den letzten Jahren kam dies öfters vor. Als ich am ZOB einen Mann gefragt hatte, wo man in Siegen gut was erleben kann, antwortete er mir nur, dass Siegen eine tote Stadt sei, und zog weiter, ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen.
Rückwirkend muss ich aber sagen, dass ich nun alles in einem positiven Licht sehe. Ich erlebte in Siegen eine wunderschöne Zeit, lebte dort einmal auf dem Berghang, dann fast im Wald, erlebte und überlebte viele zerstörerische House-Partys und Trinkabende und hatte irgendwann einen knuffeligen, aber sehr bissigen Waschbären als Zwischenmieter in der Mülltonne. Wenn etwas hier unmöglich ist, dann während der Studienzeit keine neuen Leute kennen zu lernen, denn eigentlich kennt hier jeder jeden oder hat ihn zumindest schon mal gesehen. In dieser fast schon familiären Atmosphäre fühlte ich mich doch recht aufgehoben. Weiterlesen

08.09.2014: List Of Characters (In Order Of Appearance)

von Susann Vogel

Des Öfteren würde ich recht gern ausblenden, anhalten, die Endcredits über den Bildschirm rollen lassen. Den Bildschirm meiner Weltwahrnahme.

Denn da stimmt etwas nicht. Da passt etwas nicht. Da kann ich mich nicht abgleichen. Da stört etwas rein. Da –

Dann würde ich zurückspulen, würde ich anders beginnen. Weiterlesen

Don’t cum on human rights! – Fight for your rights! Warum ich Femen verstehe.

Kathrin Wagner kommentiert Thomas Marbachs Text „Sexismus“

Sextremismus macht Angst. Vor allem dem männlichen Geschlecht.

Sextremismus macht Angst. Vor allem dem männlichen Geschlecht. Die Provokation der Femen durch Oben-Ohne-Aktionen kommt nicht bei jedem gut an. Warum? Der männliche Blick, der die Frau als Fragment wahrnimmt, wird durch die weibliche Nacktheit natürlich auf die Brust gelenkt – aber seine Skopophilie wird enttäuscht, denn statt zwei prallen, glänzenden, im Rhythmus des Ganges wippenden Brüsten wird er von politischen Aufforderungen abgelenkt und irritiert. Stichwort: Kastrationsangst!

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01.09.2014: Von Amazon(en) und Musen

von Dinah Fischer

Von allen Seiten wird auf Amazon geschimpft. Verlage und Buchhandlungen schimpfen schon lange, Leser schimpfen, nachdem sie ihren neuesten Einkauf bei Amazon erfolgreich abgeschlossen haben, und nun verschwören sich auch noch die Autoren gegen Amazon. Es ist sicher nicht falsch, zu behaupten, dass sich der Internet-Konzern im Kampf befindet: Amazon(en) gegen „Musen“, das heißt unpersönlicher Online- gegen stationären, authentischen, inspirierenden Buchhandel, der zum „Stöbern“ einlädt. „Stöbern“ ist das Trendwort der Buchliebhaber. Der buchaffine Mensch wird automatisch mit einem Verlangen nach Anfassbarem in Verbindung gebracht, das Amazon mit seinen virtuellen Bücherregalen nicht befriedigen kann. Was heißt „stöbern“? Es suggeriert ein gemütliches, schlenderndes Büchersuchen. Stöbern ist assoziativ, zwanglos, inspirationsverbunden – in jedem Fall stressfrei. Doch wie sieht Stöbern tatsächlich aus? Weiterlesen

Laute(r) Maaaas und Moooos und Korken in Tupperdosen

von Tanja Czerwenka

Edmund Stoiber, Julia Roberts, Katja Burkard und Winston Churchill – sie alle haben etwas gemeinsam und hätten sich dafür in Dortmund treffen können.

Sabine* bekommt im Flur von Dozentin Frau Ziub eine Tupperdose in die Hand gedrückt: „Kannst du bitte Hanna die Dose bringen? Sie braucht die Korken gleich für ihre Therapie.“ Schülerin Lisa ist mit einem Stein und einer Feder in der Hand unterwegs. Sie sammelt Material, mit dem sie Gegenteile darstellen kann. Nebenan im Klassenraum findet Theorieunterricht statt. Alltag im Dortmunder Institut für Logopädie.
Sabine, zierlich, lange braune Haare, dunkle Augen und eine ruhige, aber bestimmende Stimme, ist Schülerin. Anhand ihrer Größe und ihrem Auftreten erkennt man keinen Unterschied zu ihren Mitschülern, doch wenn man sie nach ihrem Alter fragt, schmunzelt sie. Sabine ist mit 45 Jahren die Älteste in ihrer Klasse. In ihrem ursprünglichen Job kann sie nicht mehr arbeiten und hat sich für eine Ausbildung zur Logopädin entschieden. Sie ist am Ende des zweiten Jahres und kommt momentan nur einmal in der Woche ins Institut. Ihre Klasse befindet sich in einem zweimonatigen Praktikum. Es ist ihnen freigestellt, ob sie trotzdem zum Institut kommen, um ihre wöchentlichen Therapiestunden abzuhalten oder nicht. „Ich mache es, weil es sowohl für mich als auch für meinen Patienten gut ist“, sagt Sabine. Insgesamt umfasst die Ausbildung drei Jahre. In dieser Zeit erlangen die Schüler Qualifikationen in drei Bereichen: Kindersprache, Redeflussstörungen und neurologische Störungen. Nach Bestehen des Staatsexamens dürfen sie sich dann staatlich anerkannte Logopäden nennen.

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25.08.2014: „Call of Duty“ – Sündenbock oder Schuldiger? – Ein Denkanstoß

von Franziska Elsner

Vor wenigen Tagen fand die alljährliche Gamescom in Köln statt und auch dieses Mal drängten sich mehrere Tausend Menschen auf das Messegelände. Besonders viel Betrieb war auch vor dem Stand von „Call of Duty – Advanced Warfare“, das neue Spiel aus der Ego-Shooter-Reihe.

Ohne Skrupel wird Tom in die Schule stürmen. Innerhalb von Sekunden lädt er sein Maschinengewehr nach. Er weiß ja, wie es funktioniert! Er hat es gelernt. 15 Stunden am Tag und bis in die Nacht hinein hat er Kriegsmissionen erledigt und kaltblütig Soldaten ermordet. Genau so gefühlskalt würde sich Tom verhalten, wenn er zum ersten Mal ein Maschinengewehr in der Hand halten würde. Ja, würde er das? Nein! Tom würde die Waffe zitternd in den Händen halten und nicht wissen, wie genau er sie bedienen muss. Weiterlesen

18.08.2014: Die Woche, in der Robin Williams starb.

von Natalie Meyer

Ich traf ihn an einem sonnigen Sommertag im letzten Jahr in einem Hotel am Rhein, in der Nähe von Koblenz. Dort war ich als Servicekraft tätig. Er betrat zusammen mit einer asiatischen Frau das Hotel. Die asiatisch stämmige Frau erklärte mir auf Englisch, ihr Begleiter habe seine Jacke hier vergessen. Ich konzentrierte mich auf mein nicht allzu gutes Englisch und fragte beim Hotelbesitzer nach. Dieser entschuldigte sich dafür, holte die Jacke und bot den Beiden zwei kostenlose Cappuccino an. Verwundert über so viel Großzügigkeit meines sonst so knauserigen Chefs, brachte ich die Kaffeemaschine zum Laufen. Dieser grinste mir lächelnd zu und sagte: „Hol dir doch gleich ein Autogramm ab, wenn du den Cappuccino servierst“. Erst da betrachtete ich mir die beiden Herrschaften genauer. Tatsächlich, es war Robin Williams mitsamt Frau, dem ich an diesem Tag den Cappuccino servierte. Natürlich sagte ich nichts dergleichen zu ihm. Und innerhalb von zehn Minuten waren die beiden auch schon wieder verschwunden. Weiterlesen

04.08.2014: Was diese Woche so berichtet wurde. Ein sehr kurzer Abriss.

von Theresa Müller

Unsere Gesellschaft bezieht in zahlreichen Foren Stellung zum Krieg im Gazastreifen und treibt die Menschen auf die Straßen. In kürzerster Zeit wandelte sich dabei eine latente Form des „Ja, aber“-Antisemitismus zu einem bekennenden, radikalen Judenhass, dem oft Anti-Nazi-Parolen gegenüber stehen. Eine kritische Stellungnahme zu diesem grausamen Krieg ist wichtig, doch für den Hass, den wir vermehrt auf den Straßen und in vielen Foren vorfinden (sowohl vonseiten der Pro-Palästina-Front und vonseiten der Pro-Israel-Front) gibt es kein anderes Wort als Rassismus. Da sollte man sich ein Vorbild an der wirklichen Friedensbewegung nehmen, die in kleinen Kreisen auch noch auf den Straßen anzutreffen ist. Weiterlesen