Die Literatur von heute wird in fünfzig Jahren keiner mehr lesen

von Theresa Müller

Der Schriftsteller Enno Stahl besuchte die Universität Siegen und stellte seinen Essayband „Diskurspogo“ vor. Darin kritisiert er die gegenwärtige Literatur mit ihren einseitigen Charakteren und Themen, und das nicht gerade zurückhaltend.

diskurspogo

Wie sieht die gegenwärtige Literatur in Deutschland aus? Was ist aus den Schriftstellern, den Verlegern, ja dem ganzen Literaturbetrieb geworden? Die Anzahl der vermarkteten Bücher steigt, doch die der großen Werken, wie wir sie von Thomas Mann oder Lew Tolstoi kennen, bleibt aus. Können wir von einem Verfall der Literatur sprechen, durch Massenmedien bedingt, dank der sich jeder Mensch Gehör verschaffen kann? Oder fördert der Fortschritt der Medien das politische Denken, die Auseinandersetzung mit dem Gegenwärtigen, das zur Integration und einer aufgeklärten Gesellschaft führt?

Am Mittwoch, den 7. Mai, sprach Enno Stahl, Schriftsteller und Journalist, an der Universität Siegen über seinen Essayband Diskurspogo, der 2013 im Verbrecherverlag erschienen ist und eben diese Thematik auseinanderpflückt. Im Januar diesen Jahres flammte, zugunsten der Popularität seines Werkes, wie er anmerkt, eine Debatte zu  dem Artikel Lassen Sie mich durch, ich bin Arztsohn!,  des Journalisten Florian Kessler, in der Zeit auf: die gegenwärtige Literaturdebatte.

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Mit dem Kopf durch die Gipswand

von Daniel Kraus

Die Deutschen greifen bei Arbeiten rund ums Haus immer häufiger selbst zum Werkzeug. Ob aus reiner Freude am Heimwerken oder der bloßen Sparsamkeit – all diese Projekte haben einen gemeinsamen Startpunkt. Ein Einblick in den Baumarkt-Alltag, mit oft unerfahrener Kundschaft.

Draußen ist es noch dunkel, es ist acht Uhr morgens. Der Parkplatz ist wie leergefegt. Im Inneren eines Kölner Baumarktes wird das Licht eingeschaltet. Noch huschen nur einige Mitarbeiter zwischen den meterhohen Regalen hindurch, die mit Werkstoffen und  Produkten gefüllt sind: Farbeimer, Schrauben und Beschläge. Das Einzige, was sich  aufdrängt, ist der Geruch nach Holz und Farbe. Schon bald wird die erste Kundschaft eintreffen, meist mit einem Bau-Projekt im Hinterkopf, das nun in die Tat umgesetzt werden soll. Ob ihre handwerkliche Erfahrung dafür ausreicht, wird sich noch zeigen.

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„Hier ist Godot“ von Destination Anywhere

von Lisa Neumann

Worauf warten wir, wenn wir Godot ersehnen?

Die Liebe, das Leben und der Sinn von alledem wollen sich uns nicht so richtig erschließen. Da hilft es, wenn einer wie Daco, also ein Entertainer, daherkommt und ein Album herausbringt mit dem bescheidenen Titel „Hier ist Godot“. Das verspricht Antworten. Und es rockt.

Man hört also genau zu, hat tierisch Spaß dabei und dann ist die Scheibe zu Ende. Und dann wird noch pubertär gelabert. Und noch mehr. Und ins Mikro gerülpst.

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Mist, wieder nur ein Spiel falsch!

von Ahmad-Id Al-Akkad

Vor gut zehn Jahren galten Sportwetten noch als ein eher harmloser Zeitvertreib. Das hat sich seit der starken Verbreitung von Wettbüros geändert. Reportage Al-Akkad Wettbüro 1

 

 

 

 

 

 

Samstag 15:22 Uhr, Gerold P. sitzt in einem Wettbüro und wartet gespannt auf die Bundesliga-Konferenz. Wie gewohnt hat er eine Vielzahl von Wettscheinen gespielt, in der Hoffnung, einen großen Gewinn zu erzielen. Neben dem allseits beliebten Favoritenschein, Einsatz 200 Euro, hat er zwei Halbzeit-Tipps und eine Auswärtskombi angefertigt. 16:18 Uhr, erste Ernüchterung, die Halbzeit-Tipps landen in der Tonne. Auch beim Favoritenschein sieht es eher schlecht aus, denn der BVB liegt mit 1:2 in Rückstand, obendrein spielt die Mannschaft seit der 30. Minute in Unterzahl. Ziemlich schlechte Aussichten, das Einzige, was Gerold bleibt, ist die Auswärtskombi, 20 Euro hat er darin investiert, dass Bremen, Wolfsburg und Leverkusen in der Fremde gewinnen. Bei den Nordteams verläuft es nach Plan, lediglich die Werkself rennt in Gladbach einem Rückstand hinterher. 16:51 Uhr, kleiner Freudentaumel, Leverkusen hat binnen fünf Minuten die Partie gedreht und liegt mit 3:2 vorne. 17:01 Uhr, der SV Werder Bremen hat seinen Vorsprung auf 3:1 ausgebaut, jetzt müssen nur noch Wolfsburg und Leverkusen in den verbleibenden 16 Minuten die knappe Führung halten. 17:12 Uhr, Gerold in angespannter Sitzhaltung, noch fünf Minuten plus Nachspielzeit, dann hat er die 310 Euro in der Tasche, es darf nur nichts mehr passieren! 17:14 Uhr, „Tooooor in Gladbach“ tönt es aus den Lautsprechern, Gerold zuckt zusammen, jetzt bloß keine Hiobsbotschaft kurz vor Schluss. Ein Erfolg ist ihm jedoch nicht vergönnt, Gladbach hat das 3:3 erzielt, was dann auch der Endstand ist. Gerold winkt ab und verlässt mit gesenktem Haupt den Laden.

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Hilfe, die Leinwand hat einen Puls!

 von Bettina Fischer

Man sieht sie überall. Klein oder groß, schwarz oder bunt, schön oder hässlich, aber oftmals mit Stolz zur Schau getragen. Der Mensch hat sich vom Puristen, der seine Haut lieber nackt genießt, zum Kunstliebhaber am eigenen Leib entwickelt.

Ein dunkler Raum, der mit roten und schwarzen Sofas ausgestattet ist, der Zwielichtigkeit ausstrahlt und keinen Platz für Angsthasen bietet. Ein finsterer, knurriger Tätowierer, der einen mit barscher Stimme anspricht und aussieht, als hätte er ein paar Jahre im Knast gesessen. Das laute Surren der Nadel, die verzweifelten Schmerzensschreie eines Menschen, der für den farbigen Permanent-Schmuck an die Grenzen seiner körperlichen und mentalen Belastbarkeit geht. Diese klischeehaften Gedanken kommen vielen Menschen bei dem Thema Tätowierungen als erstes in den Sinn.

Aber entspricht dies wirklich der Realität? Und welcher Menschenschlag setzt sich freiwillig dieser Tortur aus?

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Aufs Äußere kommt es an

von Jana Gliese

Der tägliche Gang ins Fitnessstudio, Bodyart mit Piercing oder Tätowierung, das Streben nach Schönheitsidealen: Wie weit kann Körperkult gehen? Was tun Menschen für Fitness und gutes Aussehen? Welchem Idealbild folgen sie?

„Scheiße, es blutet wieder!“

Markus macht alles für seinen Traum: einmal dabei sein – bei der Deutschen Meisterschaft im Bodybuilding.

Der Schweiß rinnt sein braungebranntes Gesicht herunter. Tropft von den Ohren auf den grauen Linoleumboden. Markus liegt auf dem Rücken und macht immer wieder die gleiche Bewegung. Seine Arme stemmen eine silberne Langhantel in die Luft, 70 Kilo, immer und immer wieder. Jedes Mal scheint sein unnatürlich großer Trizeps noch größer zu werden; auf Stirn und Schläfen zeichnen sich Adern ab. Er gibt verzerrte Stöhnlaute von sich – als würde er es vor Schmerzen kaum aushalten. „Das ist erst das Aufwärmprogramm“, presst er aus sich heraus.

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Vom Dienen und Kämpfen – Lee Daniels neuer Film „Der Butler“

von Anika Krüger

Das Leben von Sklaven. Das Leben eines Butlers. Lee Daniels verbindet diese beiden Elemente in seinem neuen Film „Der Butler“, der am 27.2.14 auf DVD erscheint. Anika Krüger hat ihn sich schon angeschaut. Ihr Fazit: Manche Themen werden etwas oberflächlich behandelt. Der Film gibt aber trotzdem einen Einblick in das Amerika Mitte des 20. Jahrhunderts.

Der Film „Der Butler“ erzählt die Geschichte von Cecil Gaines (Forest Whitaker), der von 1957-1986 im Weißen Haus seinen Dienst versieht. Als Vorlage für den Film diente die Lebensgeschichte des Afroamerikaners Eugene Allen, eines dort zwischen den 1950er und 1980er angestellten Mannes. 2008 wurde die Geschichte Allens von dem Journalisten Wil Haygood niedergeschrieben und unter dem Titel „A Butler Served Well By This Election“ in der Washington Post veröffentlicht.

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Gasthaus Meier

von Christian Schütte

Schnitzeltest in der Siegener Unterstadt: In einer Seitenstraße versteckt sich ein günstiger Geheimtipp – auch wenn nicht immer alles perfekt ist …

Gastro-Kompass Gasthof Meier

 

 

 

 

 

 

Nahe dem Kulturhaus Lyz mit dem ambitionierteren Cucina versteckt sich in einer Seitenstraße der ungleich schlichtere Gasthof Meier, der neben Hausmannskost auch Monteurzimmer anbietet. Nahrung und Herberge gibt es hier für weniger Anspruchsvolle. Die recht helle Einrichtung des Gastraums in Holzoptik ist einfach, aber sauber. Ambitionslos bodenständige Gemütlichkeit herrscht hier vor. Die Wand schmückt ein Teller, der zum Gedenken an das 125jährige Jubiläum des ASV Petriheil Kreuztal e. V. mahnt.

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