Mit dem Kopf durch die Gipswand

von Daniel Kraus

Die Deutschen greifen bei Arbeiten rund ums Haus immer häufiger selbst zum Werkzeug. Ob aus reiner Freude am Heimwerken oder der bloßen Sparsamkeit – all diese Projekte haben einen gemeinsamen Startpunkt. Ein Einblick in den Baumarkt-Alltag, mit oft unerfahrener Kundschaft.

Draußen ist es noch dunkel, es ist acht Uhr morgens. Der Parkplatz ist wie leergefegt. Im Inneren eines Kölner Baumarktes wird das Licht eingeschaltet. Noch huschen nur einige Mitarbeiter zwischen den meterhohen Regalen hindurch, die mit Werkstoffen und  Produkten gefüllt sind: Farbeimer, Schrauben und Beschläge. Das Einzige, was sich  aufdrängt, ist der Geruch nach Holz und Farbe. Schon bald wird die erste Kundschaft eintreffen, meist mit einem Bau-Projekt im Hinterkopf, das nun in die Tat umgesetzt werden soll. Ob ihre handwerkliche Erfahrung dafür ausreicht, wird sich noch zeigen.

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Mist, wieder nur ein Spiel falsch!

von Ahmad-Id Al-Akkad

Vor gut zehn Jahren galten Sportwetten noch als ein eher harmloser Zeitvertreib. Das hat sich seit der starken Verbreitung von Wettbüros geändert. Reportage Al-Akkad Wettbüro 1

 

 

 

 

 

 

Samstag 15:22 Uhr, Gerold P. sitzt in einem Wettbüro und wartet gespannt auf die Bundesliga-Konferenz. Wie gewohnt hat er eine Vielzahl von Wettscheinen gespielt, in der Hoffnung, einen großen Gewinn zu erzielen. Neben dem allseits beliebten Favoritenschein, Einsatz 200 Euro, hat er zwei Halbzeit-Tipps und eine Auswärtskombi angefertigt. 16:18 Uhr, erste Ernüchterung, die Halbzeit-Tipps landen in der Tonne. Auch beim Favoritenschein sieht es eher schlecht aus, denn der BVB liegt mit 1:2 in Rückstand, obendrein spielt die Mannschaft seit der 30. Minute in Unterzahl. Ziemlich schlechte Aussichten, das Einzige, was Gerold bleibt, ist die Auswärtskombi, 20 Euro hat er darin investiert, dass Bremen, Wolfsburg und Leverkusen in der Fremde gewinnen. Bei den Nordteams verläuft es nach Plan, lediglich die Werkself rennt in Gladbach einem Rückstand hinterher. 16:51 Uhr, kleiner Freudentaumel, Leverkusen hat binnen fünf Minuten die Partie gedreht und liegt mit 3:2 vorne. 17:01 Uhr, der SV Werder Bremen hat seinen Vorsprung auf 3:1 ausgebaut, jetzt müssen nur noch Wolfsburg und Leverkusen in den verbleibenden 16 Minuten die knappe Führung halten. 17:12 Uhr, Gerold in angespannter Sitzhaltung, noch fünf Minuten plus Nachspielzeit, dann hat er die 310 Euro in der Tasche, es darf nur nichts mehr passieren! 17:14 Uhr, „Tooooor in Gladbach“ tönt es aus den Lautsprechern, Gerold zuckt zusammen, jetzt bloß keine Hiobsbotschaft kurz vor Schluss. Ein Erfolg ist ihm jedoch nicht vergönnt, Gladbach hat das 3:3 erzielt, was dann auch der Endstand ist. Gerold winkt ab und verlässt mit gesenktem Haupt den Laden.

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Hilfe, die Leinwand hat einen Puls!

 von Bettina Fischer

Man sieht sie überall. Klein oder groß, schwarz oder bunt, schön oder hässlich, aber oftmals mit Stolz zur Schau getragen. Der Mensch hat sich vom Puristen, der seine Haut lieber nackt genießt, zum Kunstliebhaber am eigenen Leib entwickelt.

Ein dunkler Raum, der mit roten und schwarzen Sofas ausgestattet ist, der Zwielichtigkeit ausstrahlt und keinen Platz für Angsthasen bietet. Ein finsterer, knurriger Tätowierer, der einen mit barscher Stimme anspricht und aussieht, als hätte er ein paar Jahre im Knast gesessen. Das laute Surren der Nadel, die verzweifelten Schmerzensschreie eines Menschen, der für den farbigen Permanent-Schmuck an die Grenzen seiner körperlichen und mentalen Belastbarkeit geht. Diese klischeehaften Gedanken kommen vielen Menschen bei dem Thema Tätowierungen als erstes in den Sinn.

Aber entspricht dies wirklich der Realität? Und welcher Menschenschlag setzt sich freiwillig dieser Tortur aus?

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Aufs Äußere kommt es an

von Jana Gliese

Der tägliche Gang ins Fitnessstudio, Bodyart mit Piercing oder Tätowierung, das Streben nach Schönheitsidealen: Wie weit kann Körperkult gehen? Was tun Menschen für Fitness und gutes Aussehen? Welchem Idealbild folgen sie?

„Scheiße, es blutet wieder!“

Markus macht alles für seinen Traum: einmal dabei sein – bei der Deutschen Meisterschaft im Bodybuilding.

Der Schweiß rinnt sein braungebranntes Gesicht herunter. Tropft von den Ohren auf den grauen Linoleumboden. Markus liegt auf dem Rücken und macht immer wieder die gleiche Bewegung. Seine Arme stemmen eine silberne Langhantel in die Luft, 70 Kilo, immer und immer wieder. Jedes Mal scheint sein unnatürlich großer Trizeps noch größer zu werden; auf Stirn und Schläfen zeichnen sich Adern ab. Er gibt verzerrte Stöhnlaute von sich – als würde er es vor Schmerzen kaum aushalten. „Das ist erst das Aufwärmprogramm“, presst er aus sich heraus.

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„Bitte hilf mir, Ana!“ – Ein Leben, das von Body-Mass-Index und Kalorientabellen bestimmt ist

von Tabea Lettau

Ich habe Tränen in den Augen. Mein Hals tut weh. Es ist ein richtiges Brennen! Der Druck in meinem Magen lässt langsam nach. Ich fühle mich leer. Jetzt fühle ich mich wieder gut. Automatisch greife ich nach einem Taschentuch. Es liegt in unmittelbarer Nähe. Es ist immer dasselbe. Immer derselbe Vorgang. Ich tupfe meinen Mund ab und öffne das Fenster. Hoffentlich hat es niemand bemerkt! Ich wische mir die Tränen aus dem Gesicht, schließe die Tür auf und lächle … Zeilen aus dem Tagebuch einer jungen Frau, die sich aufgegeben hat, um einer Idealvorstellung zu folgen.

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Den Himmel über Siegen im Visier

von Jan-Hendrik Schulz

Die Uni Siegen hat eine kleine, aber feine Sternwarte. Angehende Physiklehrer studieren hier den Himmel – und immer mal wieder kommen begeisterte Sternengucker auch auf ihre Kosten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Menü kann Christoph Springob auswählen, ob er lieber Merkur, Venus oder Mond anschauen möchte. Er entscheidet sich für den Erdtrabanten, der Computer des Spiegelfernrohrs in der Sternwarte der Universität auf dem Haardter Berg errechnet, wo Luna gerade steht und das 42 Kilo schwere Instrument surrt in Position. Die Holzkuppel der Warte kann Springob, der technische Leiter der Sternwarte, in alle Richtungen schwenken und so die Sicht freigeben, mit den Wolken über dem Siegerland gelingt ihm das an diesem Tag nicht.
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Im Auslandssemester hinter Gittern – Siegener Student bei Protesten in der Türkei verhaftet

von Jan-Hendrik Schulz

Am Tag, als Deniz Schmick verhaftet wird, bittet ihn seine Mutter noch, besser in die Moschee zu gehen. Der 3. August 2013, ein Samstag, war ein muslimischer Feiertag. „Hätte ich mal besser auf sie gehört“, sagt Schmick.

An einem Samstagabend in Istanbul nehmen die türkischen Behörden den Maschinenbaustudenten fest, er sitzt vier Tage in Haft, er darf sein Studium noch beenden und muss das Land verlassen. Einfach so. Schmick macht gerade sein Diplom an der Uni Siegen.

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Von Flatterband bis Schwarzlicht

von Jan-Hendrik Schulz

Siegener Kunsttag zum Thema „Kunstkörper“ mit ungewohnten Blickwinkeln auf Körperlichkeit

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Siegen. Andrea Freibergs Körper hängt an einem Kleiderbügel und besteht aus Flatterband und einem Zollstock. Darüber ihr Gesicht. Ringsum hängen Abendkleider, Flanellhemden, Malerkittel, streng in Reih und Glied. 110 Mitglieder des Kunstvereins Siegen ließen sich für die Ausstellung im Haus Seel fotografieren, beim Siegener Kunsttag gestern reihten sie sich mit ihrer Ausstellung „Um Kopf und Körper“ ein in die Installationen und Aktionen zum Thema „Kunstkörper“.

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Ein musikalischer Abschied

von Clara Müller

„La Recherche“ erinnert an Lothar Barts.

Vor 20 Uhr sollte kein Einlass sein. Doch ein paar alte Damen mit strenger Miene stehen bereits eine halbe Stunde früher am Eingang. Ihre übertriebene Pünktlichkeit soll Anteilnahme zeigen. Drinnen angekommen wissen sie nicht wohin mit sich und ihren Händen. Sie kaufen schnell ein Glas Wasser oder Limonade, damit sie sich daran festhalten können. Der Raum ist so groß, dass acht Tafeltische Platz finden. Einer ist mittig vor der Bühne platziert. Dort werden die Familienangehörigen und ihre engsten Freunde sitzen. Jeder Tisch ist mit silbernen Seidenschleifen und kleinen violetten Dekosteinen festlich geschmückt, obwohl es eigentlich nichts zu feiern gibt. Noch fließen im Musiksaal Heppenbach in Belgien keine Tränen.

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Ein Mann, Pferd, ein Wald

von Judith Kaiser

Im Westerwald müssen Pferde richtig schuften – und das Holzrücken macht ihnen auch noch Spaß

Daniel Seidel mit Wasco auf dem Weg zur Arbeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Wald ist noch düster, feucht und kalt. Man hört dasKlirren schwerer Ketten und vom weichen Boden gedämpftes Hufgetrappel. In der Luft liegt würzig-warmer Pferdegeruch. Auf dem verlassenen Waldweg trotten zwei schwere Kaltblüter, geführt von zwei jungen Männern. Die Tiere tragen Arbeitsgeschirre und ziehen Metallstangen hinter sich her, an denen schwere, eiserne Ketten befestigt sind.

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