Im Auslandssemester hinter Gittern – Siegener Student bei Protesten in der Türkei verhaftet

von Jan-Hendrik Schulz

Am Tag, als Deniz Schmick verhaftet wird, bittet ihn seine Mutter noch, besser in die Moschee zu gehen. Der 3. August 2013, ein Samstag, war ein muslimischer Feiertag. „Hätte ich mal besser auf sie gehört“, sagt Schmick.

An einem Samstagabend in Istanbul nehmen die türkischen Behörden den Maschinenbaustudenten fest, er sitzt vier Tage in Haft, er darf sein Studium noch beenden und muss das Land verlassen. Einfach so. Schmick macht gerade sein Diplom an der Uni Siegen.

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Wie ein Cookie-Rezept zur Waffe wird

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Eine Glosse von Liza-Marie Siegmund

Alle Jahre wieder. Und manchmal sogar mehr als ein Mal im Jahr. Weihnachten, Geburtstage, Feierlichkeiten. Oder es ist Zeit, einfach mal wieder „Danke“ zu sagen. Ein Geschenk muss her. Geschenkt werden soll etwas selbstgemachtes, dass trotzdem persönlich und schnell gemacht ist. Aber aussehen soll’s, als habe man weder Gedanken noch Mühe gescheut. Für die beste Freundin in weiter Ferne, die Oma oder zur Verabschiedung aus dem Praktikum – die Allzweckwaffe muss her. Fast ist sie zu gut, um sie zu verraten, aber: Ich habe sie gefunden!

Meine Allzweckwaffe? Sie sind facettenreich, individuell gestaltbar und mit genug Zucker und Schokolade versehen, um jeden Süßkram-Verfallenen in die Knie zu zwingen: Kleine, selbstgebackene Cookies. Manchmal liegt das Gute so nah. Das wurde mir klar, als ich beim googlen das „Saftige Cookies schnell gemacht“-Rezept fand. Klingt perfekt. Is(s)t perfekt.

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Portrait of an American Family. Oder: „Was tun, wenn der Vater ein Serienmörder ist?“

von Kathrin Wagner

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Einige Wochen vor der Hochzeit mit ihrer großen Liebe Evan beschließt Sara ihre leiblichen Eltern ausfindig zu machen. Ein Privatdetektiv soll Licht ins Dunkle bringen, doch was er ihr zu sagen hat, übersteigt ihre Vorstellungskraft. Ihr Vater ist der berühmt-berüchtigte Campside-Killer und Sara das Ergebnis einer Vergewaltigung. Kein Wunder also, dass ihre leibliche Mutter nichts mit ihr zu tun haben will. Sara versucht das Ganze zu vergessen, jedoch unterschätzt sie die mediale Aufmerksamkeit, die einem Serienmörder entgegengebracht wird. Ein paar Tage später wird in Internetforen publiziert, wer sie ist. Und plötzlich klingelt das Telefon und eine Stimme sagt: „Sara, ich bin’s, dein Vater. Ich will dich kennenlernen.“

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Von Flatterband bis Schwarzlicht

von Jan-Hendrik Schulz

Siegener Kunsttag zum Thema „Kunstkörper“ mit ungewohnten Blickwinkeln auf Körperlichkeit

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Siegen. Andrea Freibergs Körper hängt an einem Kleiderbügel und besteht aus Flatterband und einem Zollstock. Darüber ihr Gesicht. Ringsum hängen Abendkleider, Flanellhemden, Malerkittel, streng in Reih und Glied. 110 Mitglieder des Kunstvereins Siegen ließen sich für die Ausstellung im Haus Seel fotografieren, beim Siegener Kunsttag gestern reihten sie sich mit ihrer Ausstellung „Um Kopf und Körper“ ein in die Installationen und Aktionen zum Thema „Kunstkörper“.

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Denker in Hosenträgern

von Laura Schönwies

Karriere oder Liebe? Vor dieser komplizierten Frage steht Goethes Held Clavigo aus dem gleichnamigen Trauerspiel, der seine Verlobte Marie zugunsten einer Karriere als Schriftsteller verlässt. Laura Schönwies über die Aufführung der „Neuen Studiobühne“ unter Regisseur Jan Seithe.

Ein schlichtes Bühnenbild lässt noch nicht erahnen, was für eine gewaltige Inszenierung die Neue Studiobühne der Uni Siegen  im Kleinen Theater  des Kulturhauses Lyz  auf die Beine gestellt hat. Lediglich ein einfacher Wohnraum ist zu sehen, darin nur ein altes Sofa, eine alte Kiste muss als Regal herhalten. Einige Stufen hinauf zu einem alten Holztisch, der Clavigos Arbeitszimmer andeutet. Die Stufen erweisen sich im Verlauf des Stückes als persönliche Karriereleiter des Möchtegern-Schriftstellers. So erkennt der Zuschauer sofort, auf welcher Stufe seines Lebens sich Clavigo gerade befindet. Die zwei Ebenen des Wohnraumes und des Arbeitszimmers deuten zudem an, dass gerade derjenige in einem Konflikt obenauf ist, der sich in der höheren Etage befindet. Das Bühnenbild verleiht dem Stück zusätzliche Interpretationstiefe.

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Und noch eine Ebene fügt Regisseur Jan Seithe dem Sturm-und-Drang-Klassikers geschickt hinzu: Weiße Laken, die den Bühnenhintergrund markieren, werden zu Leinwänden, die den Bühnenraum spiegelbildlich weiterführten und die Bühne dadurch optisch noch weiter nach hinten erweitern. Besonders originell wird dieses Mittel eingesetzt, als Clavigos unglückliche Ex-Verlobte Marie, sich auf das Sofa begibt, jedoch von der Projektion anderer Figuren verdrängt wird.

Man muss sich etwas gedulden, bis das erste Wort fällt. Zunächst dominieren visuelle Eindrücke das Geschehen. Aber schon mit seinem ersten Auftritt kommt Clavigo mit einer beeindruckenden Präsenz daher. Sofort erkennt der Zuschauer ihn an den Hosenträgern, welche Programmhefte und Flyer zieren. Pascal Nevelz brilliert in der Rolle des Clavigo, der sich einfach nicht so recht entscheiden konnte, was er denn möchte. Als er als Neuling in der Stadt angekommen war, hatten ihn Marie und ihre Familie liebevoll aufgenommen. Doch bald genießt er erste Erfolge mit seiner Wochenzeitschrift „Der Denker“ –  und schon verabschiedet er sich von der Idee, sich an eine Familie zu binden.

An diesem Punkt setzt das Stück ein. Sein bester Freund Carlos unterstützt Clavigos Vorhaben, Frau und Familie hinter sich zu lassen, die nur „hinderlich“ seien. Marie zerfließt derweil vor Kummer. Da kommt Beaumarchais seiner leidgeprüften Schwester zur Hilfe:  Er zwingt Clavigo zu einer schriftlichen  Entschuldigung für das, was er Marie angetan hat. Er will das Schreiben vervielfältigen und veröffentlichen. Zähneknirschend gehorcht Clavigo. Marie lässt sich dadurch erweichen und schon bald steht der Versöhnung und einer Hochzeit scheinbar nichts mehr im Wege. Pascal Nevelz und Marie-Darstellerin Rosalie Bertele zeigen hier ein gefühlvolles Zusammenspiel. Langsam bewegen sie sich aufeinander zu. Es ist sogar zu erkennen, wie sich Maries Gesichtszüge langsam lockern.

Einem glücklichen Ende stünde nun nichts mehr im Wege, wenn da nicht wieder Zweifel in Clavigo aufkeimten, die sein Freund Carlos nur zu gern anstachelt. Hier präsentiert Pascal Nevelz ebenfalls ein beeindruckendes Mienenspiel: In seinen Augen blitzt  in einem Moment die pure Entschlossenheit auf, während im nächsten Moment sich schon wieder eine Falte des Zweifels auf seiner Stirn abzeichnet.

Jan Seithe adaptiert dieses Stück aus dem 18. Jahrhundert für die heutige Zeit, ohne dass es gekünstelt wirkt. Die Themen –  Liebe, Freundschaft und Macht  –  sind eben zeitlos. Für Schmunzler im Publikum sorgen die herrlichen Männergespräche, wenn Carlos  seinem verweichlichten Kumpel eClavigo neu 1ntgegenruft: „Ermanne dich!“ Oder Szenen, in denen  Marie und ihre Schwestern an der Männerwelt verzweifeln. Sophie kann das Leiden nicht mehr ertragen und so gibt ihrer Schwester den  vermeintlich klugen Rat „Marie, nimm ihn und sei glücklich“.  Auf Verwandte sollte man besser nicht hören: Am Ende stirbt Marie an gebrochenem Herzen. Clavigo überlebt – anders als bei Goethe  – in Jan Seithes Inszenierung, was die zufriedenen Zuschauer der Neuen Studiobühne ihm auch von Herzen gönnen.

Hauptdarsteller  Pascal Nevelz war zufrieden mit seiner Leistung: „Natürlich ist man immer selbstkritisch, aber ich denke, je häufiger man spielt, desto ruhiger wird man auf der Bühne. Ich denke, wir konnten die Dramatik angemessen zuspitzen und gleichzeitig einige Figuren etwas lustiger anlegen. Jede Figur ist immer wieder eine neue Herausforderung.“  Wer  sich dieser Herausforderung auch einmal stellen möchte, bekommt im kommenden Sommersemester wieder die Gelegenheit dazu, wenn Jan Seithe  nach neuen Darstellern sucht, unter anderem über die Facebook-Seite der Neuen Studiobühne.

Morgenröthe

Eine Gastrokritik von Christian Schütte

Lohnt sich ein Ausflug nach Siegen-Niederschelden, wo ein Restaurant mit dem lyrisch-idyllischen Namen „Zur Morgenröthe“ lockt? Wir haben den Versuch gemacht.

Die „Morgenröthe“ liegt in einer Straße namens „Talblick“. Und dort aus schaut der Gast bei klarer Sicht nicht nur ins Siegtal, sondern über Niederschelden hinaus bis nach Rheinland-Pfalz hinein. Im Sommer kann man auf der Terrasse nicht nur den Siegtalblick genießen, sondern um ein Karree herum den Abend an einer offenen Feuerstelle ausklingen lassen.

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Der Einparkkönig als Held des Lokaljournalismus

Im zweiten Teil des Interviews von Nicole Schwertner verrät André Schweins, Chef der „Westfalenpost“-Lokalredaktionen, wie seine Zeitung auf die Konkurrenz aus dem Internet reagiert.

Wie sieht Ihre Zielgruppe aus? Haben Sie speziell etwas für junge Leute entwickelt?
Klar, wir fangen ganz jung an. Wir haben jeden Tag eine Kinderseite im Blatt, die „Kinderpost“. Wir haben im Lokalteil die Seite „Junge WP“, die ganz unterschiedlich bespielt wird. Diese Seiten sind auch stark bei älteren Menschen nachgefragt, wie wir herausgefunden haben. Umgekehrt machen wir keine extra Seniorenseite. Es ist richtig: Je älter unsere Leser sind, desto mehr hat man das Gefühl, dass sie unsere Zeitung intensiv und detailliert lesen und diese zu rezipieren wissen. Aber wir merken genauso, dass junge Leute uns wahrnehmen.

Was tun Sie dafür, die Leser aktiv einzubinden?
Wir binden die Leser auf verschiedenen Ebenen ein. Wir haben im Print jeden Tag im überregionalen Teil eine „Frage des Tages“. Dazu sind immer vier Köpfe mit vier Meinungen gefordert. Zum Beispiel zur Frage: „Kann man die Tour de France ohne Doping überstehen?“ Wir walzen das gerade auf Social Media aus. Wir sind bislang mit vier Lokalredaktionen bei Facebook unterwegs. Facebook kann man unter anderem dazu nutzen, eine schnelle Umfrage zu machen. Diese Facebook-Aktivitäten generieren natürlich auch Geschichten.

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„Was wir können, können nur wir“

Wie sieht die Zukunft der Lokalpresse aus? Nicole Schwertner hat für ihre LKM-Bachelorarbeit André Schweins – als Leiter der Lokalredaktionen und Mitglied der Chefredaktion der „Westfalenpost“ – gefragt, welche Chancen Printberichterstattung noch hat: Sind Social Media Konkurrenz oder Ergänzung? (Teil 1 des Interviews)

Wo sehen Sie die „Westfalenpost“ in zehn Jahren? Wird es sie noch geben?
Ja, wir werden immer noch der Nachrichten-Generierer in allen lokalen Bereichen sein. Also nicht nur in Politik und Kultur. Auch im Sport und allem, was lokal ist und mein Stadtquartier betrifft. Wir werden diejenigen bleiben, die diese Nachrichten einsammeln und verbreiten.

Was ist so besonders an Ihrer Zeitung?
Die Nähe zu den Menschen. Wir setzen auf aufsuchenden Journalismus, um mit den Menschen in Kontakt zu treten. Wir setzen nicht allein auf Terminjournalismus. Das ist das Brot-und-Butter-Geschäft, das ist ganz wichtig. Aber Themen setzen ist mehr als nur nacherzählend aufzuschreiben.

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Und Action, bitte!

von Jan-Hendrik Schulz

Ein guter Rat für die Moderatoren des Goldenen Monaco 2013. Die Filme und Showeinlagen des Abends waren klasse. Nur die Moderation hätte ein wenig mehr Biss vertragen können. Ein Kommentar von Minou Wallesch.

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Er sollte wohl einen glamourösen Anblick bieten. Doch der Bühnenhintergrund wirkt wie die Grafik eines schlechten Videospiels aus den 90ern. Es gibt ein Pseudoflammenmeer in Rot und Schwarz mit Goldener-Monaco-Schriftzug auf dem Bildschirm. Auf die Außenseiten der weißen Wand werden drei karierte Vierecke projiziert, die sich umeinander drehen, sodass ab und zu ein Herz entsteht. Eine schöne Idee, da auch die Gäste beim Einlass einen Herzstempel auf die Hand gedrückt bekamen. Links die Monacoband, sonst ist die Bühne leer.

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Stefan Krüger gründet eine Universität

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Ein Konzept

Die Gründung einer Universität ist ein langjähriger, von mir als langweilig empfundener Aufwand, der in Bürokratie beginnt, sich in ihr verläuft und darin verendet.

Und das macht man dann in Städten, die hässlich sind, weil sie im Zweiten Weltkrieg niedergebombt wurden und dann mit wenig Geld wieder aufgebaut werden mussten. Plattenbauten überall, weil’s Geld gefehlt hat, und viele Parkplätze, weil’s Geld nicht genug gefehlt hat, um Autos zu kaufen. Hätte man das mal lieber nicht getan.

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