„New Conversation“ bieten Vielfalt ohne viele Worte

von Laura Schönwies

Eine Kritik zum Konzert im Musiksaal der Universität Siegen. Von Laura Schönwies.

New Conversation

Foto: Laura Schönwies

Erst seit wenigen Monaten gibt es sie, doch ihren Sound haben die Jungs um Sängerin Whitney Boateng schon längst gefunden: Robin Lindenberg (Klavier), Johannes Koch (E-Gitarre), Lukas von Fugler (Baritonsaxophon), Marco Hoffmann (Altsaxophon), Michael Gross (Tenorsaxophon), Matthias Schons (Tuba) sowie Peter Brandsch (Schlagzeug). Zusammen sind sie die neue Uni-Band „New Conversation“. Am vergangenen Donnerstag heizten sie mit einer Mischung aus Rock, Pop, Jazz, Blues, Soul und Funk den Musiksaal auf dem Haardter Berg so richtig auf. Das Publikum konnte zu Coverversionen von „Hit The Road Jack“ oder „Let’s Get Loud“ ordentlich mitgehen. Besonders glänzte dabei die Saxophon-Kombo Hoffmann, Gross und von Fugler. Whitney Boateng stimmte aber auch ruhige Töne an. Die eigens komponierte Ballade „Take Your Own Way“ wirkte durch ihre soulige Stimme besonders nachdenklich. Bei diesem Duett konnte zudem Gitarrist Johannes Koch dank seiner stimmlichen Vielfalt einen Kontrast bilden. Nach den eher rhythmusbetonten Teilen des Programms ließen sich die beiden Performer dazu entspannt auf Stühlen nieder.

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„Ich will nicht noch mehr kommunizieren“

Die Dekanin erläutert, warum sie sich ungern mit „Frau Professor“ anreden lässt, und beantwortet die Frage, ob Studenten immer dümmer werden.

3. und letzter Teil des großen LiteraListen-Interviews von Hendrik Schulz und Christian Schütte.

Petra Vogel 3

Foto: Hendrik Schulz

 Unterscheiden sich Studierende heute und früher? Man hört oft Klagen…

Ich sehe nicht wirklich Unterschiede. Als ausgebildete Linguistin kann ich von Erstsemestern nicht erwarten zu wissen, was ich weiß. Damals wussten wir als Erstsemester im Grunde auch nichts. Man hat vielleicht den Eindruck, dass Studierende immer dümmer werden, aber das ist wahrscheinlich Quatsch. Was ich hingegen schade finde: Man verwendet viel Energie auf schlechte und durchschnittliche Studierende und weniger auf die sehr Guten. Wenn eine Arbeit super ist, liest man sie in fünf Minuten und muss kaum etwas anstreichen. Wenn eine aber richtig schlecht ist, sitze ich da den ganzen Tag dran und das ist ein bisschen unfair gegenüber den richtig guten Studierenden. Ein Unterschied ist vielleicht, dass die Hemmschwelle niedriger ist: Ich hätte zum Beispiel nie einen Dozenten privat angerufen, das scheint es heute häufiger zu geben. Dozenten beklagen sich manchmal, dass sie quasi als öffentliche Person gelten, selbst außerhalb der Unizeiten.

Es ist ja auch ein Zeichen von Nähe, dass die Hierarchie etwas flacher ist.
Durch E-Mails hat sich das stark geändert, die sind ja schnell geschrieben. Man muss niemanden anrufen oder an die Tür klopfen und insofern gibt es mehr Berührungspunkte.

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„Reden fällt mir leichter als Schreiben“

Frau Vogel gibt als Sprachwissenschaftlerin einen Einblick in ihre Schreibgewohnheiten und erklärt, warum sie ihre Tochter fürs Lesen bezahlt.

Teil 2 des großen LiteraListen-Interviews von Hendrik Schulz und Christian Schütte.

Petra M. Vogel (2)

Foto: Hendrik Schulz

Studierende haben oft Probleme, Arbeiten fertigzubekommen. Finden Sie wissenschaftliches Schreiben einfach?
Überhaupt nicht, Reden fällt mir leichter als Schreiben. Das dauert mir zu lange.

Womit sind Sie unzufrieden, wenn Sie eigene Texte lesen?
Ich lese sie nicht mehr. Wenn sie abgegeben sind, sind sie für mich erledigt. Außer ich muss nachschauen, weil ich etwas zitieren will. Das Nicht-Lesen kommt aber nicht daher, dass ich damit so unzufrieden war. Wenn ich mir das noch einmal anschaue, denke ich oft: „Das ist doch eigentlich ganz gut!“ Aber es besteht einfach keine Notwendigkeit. Ich habe es abgeschlossen, es ist vorbei und ich mache das Nächste.

Haben Sie dann alles im Kopf, was Sie zu Papier gebracht haben?
Nein, dann muss ich nachschauen. Das mache ich aber nicht häufig, weil ich mich meistens ganz anderen Themen widme.

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„Die hässlichste Stadt mit den nettesten Menschen“

Prof. Petra M. Vogel über den Kulturschock Schweiz – Siegen und die Macht als Dekanin. Und was sie da überhaupt so tut.

Teil 1 des großen LiteraListen-Interviews von Hendrik Schulz und Christian Schütte.

Petra M. Vogel (Foto: Hendrik Schulz)

Foto: Hendrik Schulz

Frau Vogel, Sie leben und arbeiten seit knapp sieben Jahren in Siegen, vorher waren Sie lange in der schönen Schweiz in Bern – wie halten Sie das aus? Siegen gilt ja nicht als besonders einladend …

Als ich mit meiner Familie von Bern hierher kam, war das schon ein gewisser Kulturschock. Wir sind im Juli 2006 direkt zur Einschulung unserer Tochter umgezogen. Ich musste aber noch bis Oktober in Bern arbeiten und mit dem Zug hin und her pendeln. Ich war jedes Mal sehr traurig, wenn ich aus Bern weg musste. (lacht) Vor allem auch, weil der Sprung Bern – Siegen so groß war. Bern und Zürich haben sehr viel Lebensqualität, Siegen eher weniger.

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„Mir tut jede verspätete Minute ebenso weh!“

Das Pendeln ist der Alltag vieler Studenten. Verspätete Züge, überfüllte Bahnsteige und Lokführer, die es auch eilig haben. Eine Glosse von Michael Fassel.

Wenn ich am Kölner Hauptbahnhof lese, dass meine Bahn zehn Minuten Verspätung hat, freue ich mich. Nein, nicht weil ich das gut finde, sondern weil es nur zehn Minuten sind. Ich trödle noch fünf Minuten in der Bahnhofsbuchhandlung herum, aber es ist einfach zu heiß darin. Ich gehe auf den Bahnsteig. Auf dem Weg dorthin strömen mir Massen von Menschen entgegen, die plötzlich mitten im Weg stehen bleiben, weil ihr Handy klingelt. Ich bin also gezwungen, für andere mitzudenken und wie beim Autofahren blitzschnell zu reagieren, weil ich im Zick-Zack-Slalom ausweichen muss.

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„So einfach wie möglich“

Der LSF-Beauftragte Ingo Köster über die Hintergründe des Systems, seinen Job und seine Erfahrungen mit den Studierenden.

Teil 1 des LiteraListen-Interviews von Christian Schütte und Kathrin Wagner

Ingo Köster

Ingo Köster (Foto: Hendrik Schulz)

Wenn es mit der LSF-Anmeldung zu Prüfungen oder Studienleistungen nicht klappt, ist Dr. Ingo Köster einer der Ansprechpartner für Studierende der Fakultät I. Nicht jeder bricht in Jubel aus, wenn diese drei Buchstaben erwähnt werden: LSF steht für „Lehre, Studium, Forschung“ und damit für eine Web-Anwendung, die neben Siegen mehr als zwanzig andere Hochschulen in Deutschland nutzen. Innerhalb der Philosophischen Fakultät ist Köster für den ehemaligen Fachbereich 3 (Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaft) zuständig. Zu den Aufgaben bei der Prüfungsorganisation zählt neben der Hilfe für Studierenden mit Problemen auch die Schulung von Dozierenden. Wie er zur Kritik am LSF-System steht und wie sein Traum idealer Benutzerfreundlichkeit aussieht, erläutert Ingo Köster im LiteraListen-Interview.

Herr Köster, wenn das LSF nicht richtig funktioniert, weil der Server überlastet ist, und sich Studierende nicht einloggen können, obwohl sie das dringend tun müssten – ist das nicht peinlich für die Uni?
Mir ist gar nicht bekannt, dass das so häufig passiert. Ich bekomme solche Fehlermeldungen von Studierenden als Mail-Anfrage nicht häufig, das sind pro Semester vielleicht drei oder vier.

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Peun

Eine Gastrokritik von Christian Schütte

Alles wie in der „guten, alten Zeit“? Wir testen ein besonders traditionsreiches Siegener Restaurant.

Wer es kennt, schwärmt davon; aber wer nicht weiß, wo es ist, wird es kaum durch Zufall finden: Das Gasthaus Peun liegt unterhalb der Siegener Oberstadt, Richtung Kaan-Marienborn, versteckt in einer Senke. Nebenan plätschert ein Bächlein namens Weiß. Zum pittoresken Gesamtbild fehlt nur noch ein Mühlrad, das sich gemächlich dreht. Schließlich kann das Lokal damit prahlen, „Siegens ältestes Gasthaus“ zu sein: Die Wurzeln des Hauses reichen nachweislich zurück bis ins 17. Jahrhundert.

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Die Ruhe vor dem Semestersturm

von Jan-Hendrik Schulz

Der doppelte Abiturjahrgang kommt, mal wieder hat die Uni Siegen mehr Studierende als je zuvor, auch wenn es weniger Erstsemester gibt als zum letzten WiSe. Wie haben sich die Bereiche der Uni darauf vorbereitet?

Ein paar Studenten sitzen auf der Wiese vor dem Adolf-Reichwein-Campus. Das Mensa-Foyer, wo sich sonst hunderte Menschen drängen, ist leer. Vereinzelt geht jemand durch die sonst so bevölkerten Gänge, meist der Hausmeister. Kurz vor Vorlesungsbeginn in knapp zwei Wochen ist die Uni nahezu ausgestorben. Die Ruhe vor dem Sturm. Ab Montag, 14. Oktober, werden in Siegen so viele Menschen studieren wie nie zuvor: 18.000. Der doppelte Abiturjahrgang ist da, aber der ganz große Ansturm blieb aus. Viele scheuten laut AStA und Rektorat vor Stress und überfüllter Uni zurück, absolvieren lieber ein freiwilliges soziales Jahr. Die Normaufnahmekapazität liegt bei 2345 Erstsemestern pro Jahr, Siegen hat dieses Soll in den letzten Jahren übererfüllt, das macht sich jetzt bezahlt. „Eine Punktlandung“, sagt Pressesprecherin Katja Knoche. In sämtlichen Bereichen studentischen Lebens und Arbeitens sieht sich die Uni für den großen Ansturm gut aufgestellt.

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Bezahlbares studentisches Wohnen in der Altstadt?

von Jan-Hendrik Schulz

Es nimmt immer weiter Formen an: Hörsäle im Karstadt-Gebäude, ein Studentenwohnheim im alten Kreisklinikum und weitere Immobilien bilden den Altstadt-Campus rund ums untere Schloss, im nächsten Jahr soll studentisches Leben und Arbeiten in die Oberstadt einziehen. Erste Pläne sind bereits fertig und die Arbeiten laufen.

Mehr als 300 Jahre war die als Hospital zum heiligen Geist in der Oberstadt gegründete Klinik für die Siegener ihr Stadtkrankenhaus, obwohl seit Jahrzehnten Kreisklinik. Diese Ära ist jetzt beendet und es beginnt eine neue: Der Altstadt-Campus, die Uni im Zentrum der Stadt nimmt Formen an. Neben Unterem Schloss und Karstadt-Gebäude spielt die Immobilie an der Kohlbettstraße eine zentrale Rolle bei der Umgestaltung der Oberstadt. Neben den vier Haupt-Standorten der Universität ist der Altstadt-Campus der erste, der zu großen Teilen nicht in öffentlichem Eigentum ist.

Zum Wintersemester 2014/15 soll der Lehrbetrieb am Altstadt-Campus aufgenommen werden, die ersten Studenten entsprechend im Sommer davor einziehen. 2000 Quadratmeter werden im alten Stadtkrankenhaus der Uni als Ankermieter für Büro- und Verwaltungsräume zur Verfügung gestellt, weitere 960 als Seminarräume. Für studentische Wohnungen, 47 Apartments an der Zahl, sind 1300 Quadratmeter vorgesehen.

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Prekäre Karrieren: Junge Wissenschaftler an der Uni

von Kathrin Wagner und Jan-Hendrik Schulz

Sie sind jung, sie sind motiviert, hochqualifiziert und sie werden an der kurzen Leine gehalten: Wissenschaftliche Mitarbeiter, wissenschaftliche Hilfskräfte und Lehrkräfte für besondere Aufgaben bilden den sogenannten akademischen Mittelbau, de facto aber das Prekariat der Uni. Alexander Wohnig und Fabian Deus engagieren sich für die Situation ihrer Kollegen.

Festanstellungen sind die Ausnahme, Zeitverträge die Regel, schlechte Bezahlung ist noch ein eher nachrangiges Problem: Obwohl hoch qualifiziert, befinden sich viele akademische Mitarbeiter an Universitäten in einer prekären Arbeitssituation.

Mit „wissenschaftlichem Mittelbau“ wird im Grunde alles zwischen Student und Professor bezeichnet, egal ob Studium gerade beendet oder bereits jahrelange Lehrtätigkeit und Forschungsreputation. Was sie eint, ist die Ungewissheit, ob und wie es nach dem Vertrag weitergeht. Allein an der Fakultät I der Uni Siegen sind das Dutzende Mitarbeiter.

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