Sahnewolke & Kandiswürfel

von Jan Rottmann

Das Kristallgitter des Kandis löst sich unter einem leisen Knistern und ich frage mich warum man keinen anständigen Tee mehr bekommen kann, denn das Zitrusaroma vom Bergamottenöl lässt mir jedes mal einen Schauer über den Rücken jagen. Felix kommt ins Wohnzimmer, und dreht sich, als wolle er mir sein neues Sommerkleid präsentieren, um die eigene Achse. „Sahne habe ich nicht da aber Milch tuts doch auch, oder?“ Da ein „Nein“ die Tatsache nicht ändern würde, nehme ich den Karton schweigend entgegen. Weiterlesen

Freund aus Silber

von Michael Fassel

Ein geschmeidiges Gesicht, geformt von einem Bildhauer vor einigen hundert Jahren, verfeinert im klaren Licht der warmen Abendsonne. Eine liebenswerte Statue, inmitten einer Flut aus Silber. Sie wohnt in einem großen Schloss, wo sie die Steine sprechen und das Kellergewölbe singen hören kann. Gesänge aus einer fernen Vergangenheit, dumpf, aber freundlich. Silbernes Wasser fließt aus dem Hahn und benetzt seine Haut, seine Kleidung, alles. Weiterlesen

You can go through the rest of ‚ur life without ever knowing anybody

von Alex Mosig

Nun steh ich hier am Ende meiner Zeit. Für mich jetzt sogar das Zeitlose. Der Unendlichkeit. Reflektierend kann ich nun zurück blicken. Alles vor mir wird zur Nichtigkeit. Gefühle und Impressionen, die mich im Leben begleiteten, ja teils auch geleitet hatten nun, wie in einem Vakuum erstickt. Das Eintreffen des Unausweichlichen, was unterbewusst langsam zu einem klaren Gedanken heran wuchs, ich jedoch nicht zwingend eingesehen hatte, nicht mehr zu verhindern. Weiterlesen

Lyrische Konservendosen

von Laura Schönwies

Ich setze an
„Klick“
Beginne am Rädchen zu drehen
Es bohrt sich in den Grund
Wieder und immer wieder
Ein spitzer Rand
Ich hebe den Deckel ab
Schaue hinein
Schütte den Inhalt in den Topf
Ich fische einzelne Teile heraus
Einige sortiere ich an den Rand
Andere ordne ich einander zu
Schiebe sie an meine Lippen
In meinen Mund Weiterlesen

Vogelregen

von Michael Fassel

Leere Straßen, abgestellte Autos, offene Türen, zersprungene Fenster. Eine kühle Brise zupfte sachte an den Gardinen, die wie gespenstische Fahnen aus den Häusern wehten. Das waren die Bilder, die auf ihn einschlugen, als er mit einer heißen Zitrone auf der Bank saß. Er zog sich seine Mütze bis zu den Augenlidern. Sperlinge fielen geräuschvoll auf den Boden, Tauben klatschten auf den Asphalt wie Wasserballons. Wind bleichte die Denkmäler aus. Blut rann über die Schaufenster, sickerte in die Kellerschächte. Weiterlesen