Die Welt hinter meinen Augen

von Jasmin Kathöfer

Wo kann ich hingehen,
dass mich der Schlaf nicht erreicht?
Denn warum sollte ich schlafen wollen?
Wie könnte ich daran denken,
wenn die Räuber mich umkreisen?
Sie wittern mich, riechen meine Angst. Weiterlesen

Mondlandung

von Sebastian Wilhelm

Am Anfang war es nur ein kleiner Schritt.
Raum und Zeit sind überwunden.
Meine Gedanken so hoch im Glück.
Sterne zeigen mir ihr Licht.
Trüber Mondschein scheint auf mich.
Rasend zogen sie an mir vorbei.
Ohne gänzlich zu verschwinden.
Nur die Vorstellung bleibt gleich.
Gedanken machen große Schritte.

Codierung des Akrostichons: ARMSTRONG

Wechselzeit

von Nora Manz

Wispernd rieselt die Wahrheit aus den berstenden Ähren des Sommers, während sich die leeren Hülsen dem Wind ergeben.
Eine Sprache, die perlend sprudelt, das Klappern der Schnäbel, schnarrender Laut. Eine Melodie, die jeden Buchstaben atmen lässt.
Inmitten des Gewirrs aus Stimmengeklirr, aus Rauchschwaden und dämmrigem Licht, liegt diese Insel: Ein tiefes Gespräch, geteilte Gedanken.
Zuhause tropft durchs Fenster schon der Herbst herein, schwappt vorher in Runden. Wabernd weiß verrät ihn doch sein Atem, wenn er um die Ecken geht. Weiterlesen

Hand an Hand

von Nora Manz

Geborgen unter Strahlen, die um uns zu Boden sinken,
stürzen wir uns in die Gemeinsamkeit.
Im Dunklen, einer Unendlichkeit gleich,
strömt das Licht wie wir dem Abgrund entgegen.
Fallend und zugleich erhoben, enthoben, erhaben:
Losgelöst und unbeherrscht, bloß – voll Sehnsucht
nach diesem Moment, der uns gerade umfasst.
Eingekapselt, ausgeschlossen und ausschließlich.
Zeitenstarre, Raserei im Überschlag:
Hand an Hand – ein Lichtertanz.

Immer noch Heidelberg

von Johannes Herbst

Er schielte auf das Ziffernblatt seines Weckers, doch erahnte nur verschwommene Umrisse zweier Zeiger! Stille. Wie zuvor, Stille. Obwohl er sich mehrfach die Augen rieb und den Wecker aus verschiedenen Blickwinkeln begutachtete, konnte er ihn nicht klar sehen. Es musste so kurz vor sechs sein. Zufrieden und mit geschlossenen Augen klemmte er sich ein Stück Bettdecke zwischen die Beine und drückte seinen Kopf in das Kissen. Weiterlesen

Tischgespräch unter Ärzten

von Sonja Lewandowski mit einem lyrischen Prolog

Scheu und Schaum vorm Mund.
Ein ehrlicher Satz sitzt wund,
hinter den Zähnen,
unter der Zunge,
stößt sich die Stirn stumpf,
hockt mir das Herz auf der Lunge.
Durch die Hand fließt das Ungesagte, das Ungelesene,
geschrieben steht es jetzt und krümmt sich nie wieder,
stößt sich die Stirn nun stark. Weiterlesen

‚A God in Ruins‘ – ‚Everyone Is A Little Universe‘

von Susann Vogel

‚A God in Ruins‘     –    ‚Everyone Is A Little Universe‘
                        (paper planes)                   (The Wind-Up Robots Killed My Cat)

Diese Musik ist Hafen und Regen.
Ein Hausboot auf der Seine.
Und Gesangsübung in der anliegenden Wohnung.
Eine Arktische Himbeere. Weiterlesen