Gelbe Haut

von Johannes Herbst

Auch wenn der langsam anrollende Semesterstart und die Erstis, die man letzte Woche in allen Wirrungen der Universität beobachten konnte und die einem die verstrichenen Semester und damit Lebensjahre vor Augen halten, genug Thematik für die dieswöchige Wortmeldung gewesen wären, beschäftigte mich doch etwas anderes: Sex im Internet. Und dabei handelt es sich nicht mal um die einschlägigen Seiten, die mit ihrem teils kostenpflichtigen Videomaterial auf masturbationswillige Kundschaft gepolt sind und das Grundgerüst des Internet darstellen. Nein. Vielmehr geht es um die Video-Plattform YouTube. Ein Ort, an dem nur der Klick zählt. Und was verkauft sich gut? Sex! Weiterlesen

Evilized im Bermudadreieck

– eine Hochsommererinnerung … die zu erfinden schrägerweise nicht nötig war –

von Andreas Hohmann

Ein Samstagabend in der heimatlichen Kneipenarea. Ich habe mich gerade von meinem Korbsessel an einem Tisch draußen vor der neuen ‚Szenekneipe‘ (sofern man in einer Kleinstadt von einer Szene sprechen kann …) erhoben, da breitet sich auf einmal ein Fleck auf meinem Hemd aus. Da es keine Schusswunde ist, die mein Oberteil vollblutet, bleibt eigentlich nur eine Erklärung. Langsam, Zentimeter für Zentimeter, hebe ich den Kopf. Weiterlesen

Der Morgenmensch

von Marius Albers

„Aussehen wie ein Morgenmensch, auch wenn man es nicht ist“ – mit diesem Slogan wirbt Nivea für das neue Men Sofort-Effekt Gel. Freilich lässt sich über die Wirksamkeit solcher Mittelchen trefflich streiten, überhaupt ist die Kosmetikindustrie sicher ein Feld für allerlei Diskussionswürdiges. Was mir hier jedoch besonders bemerkenswert erscheint ist die Tatsache, dass man überhaupt ein Mittel für den irgendwie absurden Zweck erfindet, wie ein Morgenmensch auszusehen. Denn Menschen sind von Natur aus sehr unterschiedlich was ihre Zeitideale angeht: Frühaufsteher, Morgenmuffel, Langschläfer, Nachtaktive und so weiter. Warum sollte man sich also die Mühe machen, zwanghaft auszusehen wie ein Morgenmensch?  Weiterlesen

Ich bin Geisteswissenschaftlerin! Hol(t) mich hier raus!

  • von Anna Sebastian

 Drei Personen. Zwei Frauen. Ein Mann. Eine Tafel. Zahlen. Zahlen. Zahlen. Definitiv zu viele Zahlen. Die Tür ist verschlossen. Der Schlüssel fehlt. Zwischen der Freiheit und dem jetzigen Zustand liegen diese verdammten Zahlen. Haare werden gerauft…Köpfe geschüttelt…Gerechnet…Zahlenkombinationen in eine Tastatur gehauen. Nichts. Ein Summton signalisiert das nahende Ende eines Countdowns. Wieso so viele Zahlen? Weiterlesen

Who you gonna call?

von Michael Fassel

Grauenhaftes Drehbuch. Schaurige Charakterentwicklung. Fürchterlicher Humor. Ohne es zu wollen, bin ich in den vergangenen Wochen immer wieder auf ähnliche Schlagzeilen gestoßen, wenn es darum ging, den neuen Ghostbusters-Film zu bewerten. Die Verrisse waren letztendlich so vorhersehbar, dass ich die Rezensionen gar nicht mehr lesen wollte. Unoriginell kann also auch die Kritik sein. „Totale Protonenumkehr“ würde Egon Spengler dazu sagen. Also habe ich erstmal die negative Stimmungsmache vergessen, als ich ins Kino gegangen bin. Der Saal war so gut wie leer, das Publikum bestand aus drei Zuschauern. Das hab ich ja noch nie erlebt! If there it’s somethin‘ strange in your cinema hall… Noch bevor der Blockbuster begann, bin ich nochmal mit dem Ticket in der Hand auf den Flur gegangen, um mich zu vergewissern, dass es wirklich der Kinosaal mit der Nummer 3 ist. Schon wieder die unheimliche 3. Oder ist da noch ein invisible man sitting in the chair? I ain’t afraid of no ghost. Eigentlich. 333 wählen? Ich kenne die Nummer der Ghostbusters leider nicht auswendig und der Akku meines Smartphones hat sich mit dem Tritt über die Schwelle auf geheimnisvolle Weise verabschiedet. And it don’t look good Weiterlesen

Lomography – Denke nicht, fotografiere einfach

von Theresa Müller

Unscharfe Landschaften und abgeschnittene Körper, oft überbelichtet – auf der Webseite der Lomography Society International finden sich derzeit 13.060.561 Fotos die mehr nach Schnappschüssen aussehen, als gekonnt fotografiert. Fotos, die man normalerweise in die (digitale) Mülltonne verfrachtet hätte. Während immer mehr Foto-Bearbeitungstools den Normal-Knipsern kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, Kameras über eine Automatikfunktion verfügen mit der zumindest immer „gute“ Ergebnisse per Knopfdruck geliefert und vorzeigbare Fotos garantiert werden, greifen inzwischen einige Hobbyfotografen wieder zur analogen Kamera, insbesondere zu in den 1960er Jahren FL000017produzierten Fotoapparaten wie der Lomo-LC-A. Das Knipsen von (auf den ersten Blick) qualitativ „schlechten“ Fotos mit sogenannten Toy-Kameras ist zum Kult geworden – zum Lomography-Kult. Was steckt dahinter und was bewegt die inzwischen rund eine Million „Lomografen“ dazu, ihre zahllosen Schnappschüsse auszustellen?  Weiterlesen

Atemlos durch die Schrebergärten

von Lisa Pilhofer

Ich mache Urlaub in Berlin. Dort haben meine Großeltern einen sogenannten Schrebergarten, auch Kleingarten oder Laube genannt, der sich in einer Kleingartenkolonie befindet. In dieser Kolonie gibt es ein Vereinshaus und eine Kneipe. Das Vereinshaus bzw. der Besitzer der Kneipe organisieren manchmal Veranstaltungen: gemeinsames Fußballgucken, Sommerfest, Kinderfest, Grillabende usw. Außer beim Fußballgucken ist der ganze Spaß mit Musik untermalt. Manchmal aus der Büchse, manchmal mit „Sängern“, die live und in Farbe auf der kleinen Bühne performen. Weiterlesen

„Hit the Road Jack“

von Johannes Herbst

Das Navigationsgerät gibt zwei mürrische Fiepser  von sich. Die 120 vorgeschriebenen Kilometer die Stunde wurden erneut von dem Opel Astra knapp überboten und der Fahrer durch das Geräusch zum Entschleunigen angehalten. Ich habe meine Augen nur einen Spaltbreit geöffnet und sehe die rote 123 auf dem Display aufleuchten. Ohne großen Bewegungsspielraum vergrabe ich meinen Kopf wieder in dem zusammengeknäulten Kapuzenpulli, der, gegen die Scheibe gestemmt, mir als Kopfkissen dient. Ich weiß, dass ich nicht schlafen kann, aber auf Reden habe ich auch keine Lust. Ich muss an die Werbung des Unternehmens blablacar denken, auf deren Internetportal ich auch meine jetzige Reisemöglichkeit günstig ergattern konnte. Weiterlesen

Ideen im Wachstum

von Laura Schönwies

Eng umschlungen, dicht an dicht. Die Spitze des einen, berührt den Kopf des anderen. Bauch an Bauch eingebettet in sich selbst. Ihre schlanken Körper winden sich umeinander. Weder Arm noch Bein sorgt für einen Abstand. Wo fangen sie an und wo hören sie auf? Wohin soll ein Finger greifen, der nur einen von ihnen herausnehmen möchte? Sie alle hängen zusammen. Nur eine gelbliche Flüssigkeit umhüllt sie – lässt ihre grüne Haut glänzen in einem Kosmos aus Glas. Ihre Welt endet an einem Deckel. Ihr reines Gefäß, luftverschlossen, lässt kein Staubkorn an sie heran. Es steht auf einem dunklen, staubigen Untergrund. Hier harren sie aus: Peperoni auf der Regentonne! Weiterlesen

Die Katze meiner Schwester und ich

von Andreas Hohmann

– Für meine Schwester und ihre Katze: Weil ihr nie aufhört, mich zum Lachen zu bringen.–

Immer wenn ich die Katze meiner Schwester ansehe und sie mich dann aus ihren unergründlichen und geheimnisvollen Augen zurück anstarrt, bin ich mir sicher: In ihnen liegt nichts Geringeres als die gesamte Weisheit des Universums verborgen. Und ich bin mir jedes Mal sicher, dass sie und ihresgleichen viel intelligenter sind als wir Menschen. Weiterlesen