Bim Käs

Eine Gastrokritik von Pia Jantos

Alles Käse oder was? Pia Jantos inspiziert das Geisweider Lokal „Bim Käs“.

Dunkel. Das ist der erste Eindruck, den man beim Eintreten vom Lokal „Bim Käs“ erhält; wenn man denn überhaupt etwas sieht. Als Lichtquellen dienen lediglich vereinzelte Schirmlampen über den Tischen. Die wenigen freien Zentimeter der Wand sind in warmen Rot- und Orangetönen gestrichen. Ansonsten ist sie fast vollständig bedeckt mit rustikalen, holzgerahmten Bildern, auf denen Städte und Marinemotive abgebildet sind. Auch zahlreiche Kuhglocken gehören zum Inventar – „urig“, denkt sich der Gast auf Anhieb. Sobald man sich im schummrigen Licht auf den dunklen Polsterstühlen niedergelassen hat, umfängt einen eine gemütliche, lockere Atmosphäre, zu der das gedämpfte Licht beiträgt. Die freundliche Bedienung zündet eine bereits etwas lädierte Kerze an und erhellt so die Tischplatte, die mit allerlei „Ich-war-hier“-Sprüchen und Spongebob-Zeichnungen überzogen ist. Ein Blick in die Speisekarte verrät, warum dieses Lokal „Bim Käs“ heißt (für Nicht-Siegener: „Beim Käse“): Ob Schnittchenteller mit verschiedenen Käsesorten, Käseplatten oder Camemberttaler – die Auswahl ist ansehnlich.  Für die weniger käseliebenden Gäste bietet das Lokal unter anderem Salat und Ofenkartoffeln an.

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Science Fiction und reale Riesen-Spinnen

Anastasia Schmidt im Gespräch mit dem Sprachpraxis-Dozenten Keith Bliss.

Keith Bliss ist einer der „Native Speaker“ unserer Universität. Was ihn unverwechselbar macht, ist sein Sinn für Humor. Als einer der wenigen Dozenten schafft er es seine Sprachpraxis-Studierenden sogar morgens früh um acht zum Lachen zu bringen. Dass er seine halbe Kindheit in Australien verbracht hat und Karneval nicht ausstehen kann, wissen aber nur die wenigsten.

Schmidt: Wie kommt es eigentlich, dass Sie so gut Deutsch können?

Bliss: Zum einen habe ich in England einen Bachelor in Germanistik gemacht. Und ich lebe seit mittlerweile 29 Jahren hier.

Wow. Das ist lang. Wo wurden Sie denn geboren?

In Widnes, bei Liverpool. Ist wie Siegen, nur ohne Berge: grau in grau.

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Plötzlicher Tod eines Studiengangs

von Minou Wallesch

Am Mittwoch, 10. Juli, stimmt um 14 Uhr im Senatssaal der Fakultätsrat darüber ab, ob der Bachelorstudiengang „Pädagogik: Inklusion und Entwicklung“ abgeschafft werden soll. Die Studierenden sind empört und protestieren.

Vier Jahre jung ist der Bachelorstudiengang „Pädagogik: Entwicklung und Inklusion“ (BAStEI). Nun hat das Dekanat einen Antrag auf Abschaffung des Studiengangs gestellt. Er soll ab kommenden Semester auslaufen. Am Mittwoch stimmt der Fakultätsrat darüber ab, ob diesem Antrag stattgegeben wird. Die Bewerbung für das Wintersemester 2013/14 läuft allerdings schon. Die 40 Studienplätze sind gefragt. Mehr als 40 Bewerbungen für den BAStEI-Studiengang gingen bereits ein, berichtet die Siegener Zeitung. Der Studiengang wird auch weiterhin beworben. Beispielsweise am „Tag der offenen Uni“.

Studierende formulieren Gegenargumente

Prof. Dr. Matthias Trautmann, Prodekan für Lehre, Studium und Weiterbildung, sagt, eine Abschaffung des BAStEI werde schon länger diskutiert. Als Gründe dafür nennt er: zu wenige Dozierende und einen fehlenden Masterstudiengang. Die BAStEI-Studierenden, der Fachschaftsrat für Gesellschafts- und Geisteswissenschaften für alle Bachelor-, Master- und Lehramtsstudierende und der AStA versuchen diese Gründe in einer Stellungnahme zu entkräften. Nach ihren Angaben gibt es genügend Kapazitäten, um den Studiengang fortzuführen. Die Professuren „Soziale Rehabilitation und Inklusion“, ,Heilpädagogik“, „Entwicklung“ und eine neue Stelle in den Erziehungswissenschaften sind momentan alle besetzt.

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Von Feine Kreise bis Junior Consulting

Berlin, Hamburg oder der Ruhrpott gelten als Hochburgen des deutschen Hip-Hop. Fernab von dem ganzen Hype hat sich das Siegerland zu einer Konstante gemausert. Stefan Schwenzfeier hat daran großen Anteil. Anfang 2011 gründete er das Independent-Label Feine Kreise. Ein Interview von Ahmad-Id Al-Akkad

Was hat dich dazu bewogen, ein Label zu gründen?

Den Gedanken hatte ich schon sehr lange. Ich hab zuvor bei Rubin Music als Projektmanager mitgewirkt, dort war ich für Veröffentlichungen, Promo und Vertrieb zuständig. Als dann Nazz, die Gründerin von Rubin Music, den Laden dicht machen wollte, war der Zeitpunkt gekommen, ein eigenes Plattenlabel zu gründen. Alle Künstler, die vorher bei Rubin waren, sind mitgekommen.

Hatte Nazz ein Problem damit?

Keinesfalls. Bis vor kurzem war sie noch bei Feine Kreise.

Welche Künstler sind denn aktuell bei dir unter Vertrag?

Inflabluntahz, B.E. der Micathlet, Lou Lettow, Ill-Luzion und Jephza.

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Mit Begeisterung und ohne Gnade

von Jan-Hendrik Schulz

Kommentar zum Siegener Einparkphänomen und ein Versuch nachzuvollziehen, warum wir alle vor dem Rechner gesessen haben.

Es sind drei Faktoren, die das Internetphänomen um den Parkhauskönig von Siegen so groß gemacht haben: Die coole Lässigkeit des Protagonisten, Witz und Kreativität der Siegener Studierendenschaft, die das Foto und die Begleitumstände in vielfältigster Form aufgegriffen haben und – ja – auch die Häme darüber, dass jemand seine „verdiente Strafe“ bekommen hat.

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Die Anti-Führungsfrau

von Katharina Peetz

Porträt einer „self-made woman“.

Resolut klopft Sandra Keller* an die Bürotür des Chefarztes der Radiologie. Ihren Klienten Herrn Rashmari* hat sie im Schlepptau. Als sie das Zimmer betreten, wirkt der Chefarzt überrascht. Er hat mit Keller oft telefoniert, Verhandlungen geführt und Termine vereinbart. Die kräftige, raue Stimme ließ auf eine Frau mittleren Alters von großer Statur schließen. Nun steht Sandra Keller vor ihm: Sie ist 27 Jahre alt und 1,59 Meter klein. Die hohen Stöckelschuhe mit Pfennigabsatz gleichen das nicht aus. Der graue Hosenanzug sitzt eng, die langen, blondierten Haare sind zu einem Zopf zusammengebunden. Eine Narbe am linken Nasenflügel deutet auf ein früheres Piercing hin. Sie streckt dem Chefarzt die manikürte Hand mit den künstlichen Fingernägeln entgegen und redet gleich drauf los, nutzt den Überraschungseffekt. Sie preist Herrn Rashmaris außerordentliche medizinische Fähigkeiten, betont immer wieder, wie gern er in diesem Krankenhaus als Assistenzarzt arbeiten würde. Am Ende des Bewerbungsgesprächs hat Herr Rashmari seine Stelle so gut wie sicher. Die Geschäftsführerin der Personalvermittlungsagentur ist zufrieden.

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HARTherzig

von Pia Jantos

Wie ein „Coolness-Trainer“ jugendlichen Straftätern helfen kann, ihre Aggressionen im Zaum zu halten. 

Es dämmert bereits, als der siebenjährige Simon P. vom Zigarettenholen nach Hause kommt. Er gibt die Zigaretten seinem Vater;  die 10 Cent Wechselgeld behält er. 15 Minuten später: Der Vater ruft. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, die Schultern hochgezogen, geht Simon in die Küche. Ohne ein Wort packt der Vater ihn bei den Händen und zieht ihn zum Herd. Als der Junge erkennt, was mit ihm geschieht, ist es bereits zu spät. Mehrere Sekunden lang drückt der Vater Simons Hände auf die kochend heiße Herdplatte. Was 10 Cent ihn kosten können, wird Simon P. nie mehr vergessen; die Narben erinnern ihn daran – die äußeren, aber vor allem auch die inneren.

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Evil Dead

von Christoph Ernst

Der schockierendste Film, den du jemals sehen wirst – das verspricht zumindest das Kinoplakat zu Evil Dead. Ob das Remake des Horrorfilmklassikers von Sam Raimi dieses Versprechen halten kann, lest ihr in unserer Kritik.

Das „Böse“ ist zurück und sucht wie im Original von 1981 wieder unschuldige Teenager heim. Diesmal erwischt es Mia (Jane Levy) und ihre vier Freunde, die sie beim Drogenentzug in einer verlassenen Hütte im Wald unterstützen. Schnell findet einer der vier das Necronomicon Ex-Mortis, das Buch der Toten, und beschwört damit ihren Untergang herauf.

Ganze 32 Jahre sind seit dem Erscheinen von Sam Raimis Tanz der Teufel (Originaltitel: Evil Dead) vergangen. Noch immer ist der damalige „Skandalfilm“ nicht ungeschnitten in Deutschland erhältlich. Wegen seiner drastischen Gewaltdarstellungen wurde er erst indiziert und dann beschlagnahmt. Unter Horrorfans gilt Sam Raimis Spielfilmdebüt, das zwei Fortsetzungen erhielt, immer noch als absoluter Kultfilm. Nicht nur wegen des überaus beliebten Hauptdarstellers Bruce Campell, sondern auch dank der dichten Atmosphäre und den aufwendigen Gore-Effekten.

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Mrs Roosevelt und das Wunder von Earl’s Diner

 von Kathrin Wagner

Odette, Clarice, Barbara Jean – das sind die Supremes. In ihrem Wohnort Plainview, Indiana, sind sie mindestens genauso bekannt wie die gleichnamige Band. Seit nun mehr 40 Jahren treffen sich die Freundinnen jeden Sonntag in Earl’s Diner und obwohl auf diesen Treffen nicht immer viel geredet wird, sind sie wichtig für ihre Freundschaft und geben Einblicke in ihr Leben.

Dieses Buch ist wie eine Wundertüte: Es gibt viele schöne und traurige Momente. Dabei ist Earl’s Diner die einzige Konstante im Leben der Drei, denn egal wie schlecht es ihnen geht, nie verpassen sie ihr wöchentliches Treffen. Alles fängt damit an, dass das Diner eines Tages ein neues Logo hat.

Cover Mrs Roosevelt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Von nächtlichen Früchten und ersten Sätzen

„Geheime Kräfte“. So lautet der Titel des neuen Buches von Roland E. Koch. Kurz vor seiner Lesung am 6. Juni lüftet der Kölner Schriftsteller ein paar Geheimnisse zur Entstehung und verrät, wie wichtig Vertrauen beim Schreiben ist.

 Das Interview führte Laura Puglisi

Herr Koch, Sie sind Schriftsteller, schreiben für Rundfunk und Zeitungen und sind Dozent an der Uni Siegen, an der Sie seit 2008 die Kurse „Kreatives Schreiben“, „Journalistisches Schreiben“ und „Professionelles Schreiben“ unterrichten. Wie kam es dazu?

Ich habe selbst Ende der 80er Jahre Literaturwissenschaften an der Uni Siegen studiert. Zu der Zeit war die Uni noch klein und idyllisch und ich war hier sehr glücklich. Nachdem ich meinen ersten Roman geschrieben hatte, begann ich neben meiner Autorenkarriere am Literaturinstitut in Leipzig zu unterrichten, später in Hildesheim, wo es einen Studiengang „Kreatives Schreiben“ gibt. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und als mir vor 5 Jahren eine Stelle an der Uni Siegen angeboten wurde, habe ich mich sehr gefreut. Ich bin sehr gerne hier, es ist wie in eine andere Welt einzutauchen. Sehr interessant finde ich die Distanz, die ich zu meinen Studenten habe, da ich ihnen nicht in meiner Heimat Köln begegne.
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