Archiv des Autors: literalist
Protokoll einer Peinlichkeit vor großem Publikum
von Andreas Hohmann
– Audiotranskript, anonym eingereicht –
(Der protokollierte Wortlaut des folgenden Auszugs wird von der aufgenommenen Person vehement abgestritten.)
*Man hört den Dozenten reden* … vor diesem Hintergrund kann ich die Einschätzung des Kollegen zur AfD hier nur zurückweisen. *Pause* Ja, ich weiß, wie es Ihnen geht. Selbstverständlich ist es für Anfänger wie Sie zunächst ein kleiner Schock, feststellen zu müssen, dass die Lehrenden an der Universität auf Ihre Fragen durchaus unterschiedliche Antworten geben. Zumal keine dieser Antworten zwangsläufig richtiger ist als die andere. Sie müssen immer berücksichtigen, dass Sie hier nicht in der Schule sind, wo es nur eine richtige Antwort gibt, weil der Lehrer sie bestimmt. Und Sie sind hier auch nicht in den Firmen, in denen Sie später vielleicht angestellt sind, und wo es darum gehen wird, Konkurrenten auszustechen. Hier, liebe Studierende, sind Sie an der Universität. Hier sind Sie an einem Ort, an dem gegensätzliche Meinungen kontrovers diskutiert werden können, dürfen und sollten. Weiterlesen
Jack
von Ankay
Als Jack den Raum betrat, schienen alle Gespräche mit einem Mal zu verstummen. Die Jukebox startete „Supermassive Black Hole“ von Muse, als würde sie die Anwesenheit des neuen Gastes spüren und untermalte durch die ersten Klängen des Rocksongs die beiden selbstbewussten Schritte, mit denen er den halben Raum durchmaß. Weiterlesen
Deine Stimme
von Ankay
Wenn ich die Augen schließe und nur den Worten lausche, die deine Lippen formen, möchte ich mich darin verlieren.
Deine Stimme ist tief, leicht rau und manchmal an der Grenze zum kratzigen.
Und doch ist sie nicht hart oder unangenehm, sondern weich und seidig wie Honig. Weiterlesen
Spannendes Katz- und Mausspiel – Paul Verhoevens neuer Psychothriller
Rezension zum französischen Psychothriller „Elle“
von Wiliam Mertens
„Did you ever experience this in your life?” Auf diese direkte Frage eines Reporters bei der Pressekonferenz zum Wettbewerbsfilm L’avenir auf der diesjährigen Berlinale fand die französische Schauspielerin Isabelle Huppert eine schlagfertige Antwort: „Ça ne vous regarde pas!“ (‚Das geht Sie gar nichts an!‘). Ob sie so etwas Krasses wie die Protagonistin in ihrem darauf folgenden, in Cannes uraufgeführten Psychothriller Elle (Regie:Paul Verhoeven) erlebt habe, hätte sich wohl niemand zu trauen gefragt. Schließlich spielt die Actrice hier eine Frau, die ihr Leben nach einer brutalen Vergewaltigung im eigenen Haus neu ordnen muss. Weiterlesen
Ein Meer von Impressionen auf der Frankfurter Buchmesse
von Michael Fassel
Ihren Auftakt fand sie unter anderem mit dem niederländischen König Willem-Alexander, ihren feierlichen Abschluss mit der Verleihung des Deutschen Friedenspreises, der an Carolin Emcke ging (die übrigens auch im Roten Hörsaal der Uni Siegen am 5. Juni 2013 gelesen hat). Die Frankfurter Buchmesse hat vom 19. Bis 23. Oktober viele Besucher aufs Messegelände gelockt und dort zum Stöbern, Bummeln und Zuhören eingeladen. Weiterlesen
Yellow Line | Ein Theaterstück von Juli Zeh und Charlotte Roos
„Eine gelbe Linie! Am Boden! Die können Sie überall hin malen!“ Eine Linie wird zur Grenze. Eine Grenze, die, wo immer sie einschließt, auch ausschließt. Eingeschlossene wie Ausgeschlossene wollen die Grenze überwinden. Vielen ist die Grenze einfach egal.
Dieses „egal“ wird zu Pauls Problem. Die Yellow Lines, willkürliche, von Menschen definierte Grenzen, die eben über-all hingemalt werden können, lassen ihn als Ein- wie Ausgeschlossenen immer wütender werden. Weiterlesen
Semesterbeginn
von Alex Mosig
Welch Freude, welch Wonne. Endlich geht das Semester los. Die Uni belebt wie lange nicht mehr. Von oben glich das muntere Treiben einem Ameisenhaufen. Da wuseln die i-Dötzchen, nein Entschuldigung, die Studienanfänger/innen (die politische Korrektheit ist hier besonders zu beachten, damit der Artikel den Normen des universitären Umgangs entspricht und keinen Shitstorm auslöst) herum und blicken verwirrt in alle Richtungen. Weiterlesen
Gelbe Haut
von Johannes Herbst
Auch wenn der langsam anrollende Semesterstart und die Erstis, die man letzte Woche in allen Wirrungen der Universität beobachten konnte und die einem die verstrichenen Semester und damit Lebensjahre vor Augen halten, genug Thematik für die dieswöchige Wortmeldung gewesen wären, beschäftigte mich doch etwas anderes: Sex im Internet. Und dabei handelt es sich nicht mal um die einschlägigen Seiten, die mit ihrem teils kostenpflichtigen Videomaterial auf masturbationswillige Kundschaft gepolt sind und das Grundgerüst des Internet darstellen. Nein. Vielmehr geht es um die Video-Plattform YouTube. Ein Ort, an dem nur der Klick zählt. Und was verkauft sich gut? Sex! Weiterlesen
„Wohin geht ein Mensch, wenn er nicht weiß, wo er hingehen soll?“
von Lisa Pilhofer
Alles fängt damit an, dass sich zehn Männer vor dem Roten Rathaus in Berlin versammeln und in einen Hungerstreik treten. Ihre Hautfarbe ist schwarz und sie sprechen kein Deutsch. Sie kommen aus Libyen, aus Nigeria, aus Äthiopien, aus Ghana, sie sind alle aus ihren Heimatländern vertrieben worden oder geflüchtet; und sie alle wollen in Deutschland bleiben und dort arbeiten. Weiterlesen

