Klassenfahrt

von Marius Albers

Vermutlich würden einige Menschen sagen, dass wir hier und heute in einer klassenlosen Gesellschaft leben. Nun, eine offensichtliche sowie klar und explizit deklarierte Klassifikation lässt sich aber auch heute noch finden. Auf der Strecke Siegen-Essen rollen die Züge der Abellio (bei der Bahn ist es freilich nicht anders), in denen wie in den guten alten Zeiten zwei Klassen angeboten werden. Das normale Volk darf zusammenstehen (was nicht nur bei den kommenden sommerlichen Temperaturen manchmal etwas unangenehm wird), während in der ersten Klasse chronisch leere Sitze sehnsüchtig darauf warten, endlich einmal besetzt zu werden. Weiterlesen

Neulich an der Uni…

  • von Marius Albers

Vielleicht mag es ein wenig voyeuristisch klingen, doch ich kam vor einigen Tagen nicht umhin, ein Gespräch zwischen zwei Studierenden mitanzuhören, die neben mir an einem der Arbeitstische entlang des Weges zur UB saßen. Mit großem Stolz berichtete Person A (ich möchte hier eine explizite Geschlechtsnennung vermeiden), dass sie in ihrem fünften Semester nun endlich ihre Bachelorarbeit schreiben möchte. „Ich hab‘ auch keine Kurse mehr. Was soll ich denn sonst machen?“ Ein neiderfüllter Blick auf der Gegenseite. Wäre man doch selbst auch schon so weit! Ein Dozent übrigens riet dem Vernehmen nach, von diesem frühen Abschluss ab. „Ich hab aber doch schon alle Kurse, was soll ich denn sonst noch machen?“, so die empörte Antwort.

Ist die Uni denn so uninteressant? Bietet sie nicht so viel mehr, wenn man sich nur darauf einlässt? Der Begriff „Universität“ steht für die Gesamtheit, mithin für die Gesamtheit der Wissenschaften, die an diesem Ort gelehrt werden. Und dann soll es im Sinne einer Universität sein, dass man mal eben seine in der Studienordnung festgeschriebenen Kurse abschließt und damit fertig ist, ausstudiert? Das kann sicher nicht im Sinne des Erfinders sein. Humboldt würde sich wohl im Grabe umdrehen, wenn er das hören müsste. Auch dem (ich nehme ein möglicherweise nicht völlig beliebiges Beispiel) angehenden Ökonomen würde es nicht schaden, wenn er mal aus soziologischer Sicht erklärt bekäme, was ein bloß gewinnorientiertes Denken anrichten kann. Die Idee einer universalen Bildung ist jedoch leider völlig ausgestorben. (Ganz zu schweigen vom individuellen Reifeprozess, den ich hier etwas vernachlässige.)

Klar, ich weiß auch, dass Regelstudienzeiten Druck auf die Studierenden ausüben. Es ist zum Stigma geworden, wenn man sich nicht an die vorgegebenen Pläne hält, die jedoch nur für das eigene Fachstudium angelegt sind (und sich selbst dort durch absolute Zeitverknappung auszeichnen). Da bleibt kein Raum für den Blick nach rechts und links, und erst recht keine Zeit zum Denken. Schon Platon hat darauf hingewiesen, dass Geschwindigkeit und Denken nicht recht zueinanderkommen möchten. Die Muße als Tugend, das Nach-Denken, bleibt also im Turbo-Studium auf der Strecke.

„Ich habe schon 115 Punkte gesammelt.“ Punkte, das ist das neue Ziel der universitären Betätigung. Nicht mal mehr die ollen Kompetenzen, die bis vor kurzem noch ein wesentlicher Aspekt waren, sind noch wichtig. Und dass es bei einem universitären Studium längst nicht mehr um (umfassende) Bildung geht, braucht sicherlich kaum noch erwähnt zu werden. Bezeichnend ist folgendes, aus nämlichen Dialog: „Ich habe jetzt zur ersten Sitzung das Protokoll geschrieben, jetzt muss ich gar nicht mehr kommen.“ Was ist denn hier los? Und solche Leute bekommen am Ende als „Belohnung“ einen Universitätsabschluss geschenkt.

Arme Universität! Was wird dir nur angetan?

Der König der Elfen erzählt – Lesung und Gespräch mit Bernhard Hennen

von Michael Fassel

Mit seiner Lesung zog der deutsche Autor Bernhard Hennen nicht nur eingefleischte Fantasy-Fans in seinen Bann, sondern konnte auch Wissenschaftler aus Germanistik, Anglistik und Romanistik begeistern. Im Rahmen der interdisziplinären Tagung „Die Literatur des Mittelalters im Fantasyroman“ vom 7. bis 9. April an der Universität Siegen gingen sie unter anderem der Frage nach, was die populäre Darstellung des Mittelalters in Romanen wie J. R. R. Tolkiens Klassiker Der Herr der Ringe so erfolgreich macht. Im persönlichen Austausch mit Bernhard Hennen konnten Wissenschaftler wie Fans dem Erfolg des Fantasyromans auf die Spur kommen. Lesung Hennen

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Kommen Sie nicht nach Europa

– von Marius Albers

Als ich am Freitag beim Frühstück saß und mein morgendliches Müsli mampfte, schlug ich die SZ auf und hätte beinahe den gerade eingenommenen Löffel über die Titelseite gekotzt: „Tusk: ‚Kommen Sie nicht nach Europa‘“, so prangt es auf der ersten Seite. Liest man weiter, bleibt der Brechreiz bestehen. Zwar richtet sich seine Kritik „nur“ an Wirtschaftsflüchtlinge, wie der Artikel gleich mehrfach betont. Aber dennoch: Der offene Appell, nicht nach Europa zu kommen, zeugt von zweierlei: Einmal wird den nationalistischen Strömungen europaweit mittlerweile immer mehr nach dem Mund geredet. Zum anderen zeigt sich die Wahrung des Status Quo als oberstes Ziel. Wir sind die Reichen, uns geht es gut, und wir möchten unseren Wohlstand, obwohl er auf dem Rücken der Armen ausgetragen wird, mit niemandem teilen. Bleiben Sie da, wo Sie sind, und sorgen Sie dort dafür, dass es uns noch besser geht, vielleicht wäre das ein treffender Satz für den EU-Ratspräsidenten Donald Tusk.

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Mit hohen Zielen zur 66. Berlinale

von Michael Fassel

Mit einer Angel nach den Stars werfen
Freitagnachmittag, am Potsdamer Platz. Warm eingepackte Journalisten, Autogrammjäger, die ihr Album an einer Angel befestigen. Autogrammjäger mit Angeln? Ich schaue genauer hin. Ja, da ist tatsächlich jemand mit einer Angel, der sein Album wie einen Köder daran befestigt, um es dann über die Fotografenmeute Richtung roten Teppich zu werfen. Schwarze Audis mit der Aufschrift „Berlinale Shuttle“ fahren vor, die Scheiben natürlich getönt, aber niemand steigt aus, jedenfalls nicht in der Zeit meiner Geduldsspanne. Ich will mich hier nicht länger aufhalten, da ich zum einen nicht weiß, ob und wer da gleich aussteigen wird. Zum anderen weiß ich, dass ich mich schleunigst um Tickets für abendliche Vorstellungen kümmern sollte. Weiterlesen

Die Formel stimmt – und ist doch nicht richtig…

von Lisa Maria Pilhofer

Vergangene Woche hat das Siegener tollMut-Theater Georg Kaisers Stück GAS aufgeführt. Mit der Wahl des Vortex als Veranstaltungsort wurde auch die passende Atmosphäre für das Szenario des Theaterstücks geschaffen: enger Raum, schwarze Wände und eine kleine Bühne, die das tollMut-Ensemble voll ausnutzte. Besonders eindrucksvoll und passend war auch die benutzte Technik. Es spielte zwischendurch nicht nur düstere Musik, auch das gedämpfte Licht betonte die dunkle Stimmung des Stücks, aber vor allem der Einsatz von Gas (also ganz ungefährlicher Kunstnebel) unterstütze die bedrückende Atmosphäre, die dem Stück innewohnt. Denn es geht um Gas, um Giftgas, das bei einer Explosion (wunderbar mit einem Knall und sofortiger Dunkelheit im Raum inszeniert) freigesetzt wird, die ganze Umgebung verseucht und tausende Opfer fordert. Ein Horrorszenario, wie man es von Tschernobyl und Fukushima kennt, deren Folgen immer noch nachwirken. Die Situation in GAS ist somit nicht nur realistisch, sondern auch aktuell – und sehr kritisch.

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Kleines Studio – großes Jubiläum

Interview mit Tobias Müller und Daniel Müller von „Outline Development“

von Franziska Elsner

In diesem Jahr feiert das Entwicklerstudio „Outline Development“ 20-jähriges Firmenjubiläum. Die Brüder Tobias Müller und Daniel Müller haben schon die ein oder andere aufregende Produktion hinter sich. So zählen zu ihren bekanntesten Spielen „Frag doch mal… die Maus“, „Urmel – Das Partyspiel!“ und „Peter Lustigs Verkehrsschule.“ Zunächst konzentrierte sich das kleine Familienunternehmen auf Kinderspiele für PC, während mittlerweile auch eine bunte Palette von App-Umsetzungen sehr bekannter und renommierter Brettspiele zu ihrem Repertoire gehört. Etwa 4 – 6 Spiele erscheinen ungefähr pro Jahr – und das mit Erfolg. Im Oktober erschien ihre neueste App-Umsetzung des preisgekrönten Brettspiels „Camel Up“. „Outline Development“ wurde bereits mehrfach mit dem Deutschen Entwicklerpreis ausgezeichnet. Für mehr Infos klickt euch rein unter www.outline-development.de!

App-Entwicklung – ein wirklich interessantes und vielseitiges Berufsfeld! Das dachte sich auch Franziska von den LiteraListen und hat sich mit dem Geschäftsführer und Programmierer Tobias Müller und dem Screendesigner Daniel Müller zum Interview getroffen.

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Literalisten decken auf: Was steckt hinter dem rosafarbenen Sticker „Mädchen in Not“?

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Alle weiblichen Studierenden der Uni Siegen kennen die rosafarbenen Aufkleber „Mädchen in Not“ von den stillen Örtchen der Uni nur allzu gut. Doch was hat es damit auf sich? Noch so ein anonymer unbekannter Verein, der sich für irgendetwas Weltverbesserndes einsetzt? Davon gibt es schließlich in den Toiletten genug Sticker. Proasyl, Protierschutz, Antirassismus, ACAB, ProStupa, Anti-Asta, ProQueer … Die Liste lässt sich unendlich weiterführen.

Tatsächlich handelt es sich bei Mädchen in Not um eine Beratungsstelle für Mädchen und junge Erwachsene, die traumatische Erlebnisse verarbeiten wollen. Es gibt eine Beratungsstelle in Siegen und in Kreuztal. In Kreuztal sind sogar zwei ehemalige Studenten der Universität Siegen als Pädagoginnen tätig.

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Zwischen Surrealismus und Gothic – Eine Reise durch Tim Burtons Kopf

von Michael Fassel

Ein kitschig bunter Weihnachtsbaum in einem Wohnzimmer, dessen Wände mit Blut bespritzt sind. Ein kahler Baum in einem Gewässer, auf dem schwarze Seepferdchen aufgehängt sind. Eine schwarze Spinne, auf deren Körper ein grüner Menschenkopf höhnisch grinst. Es sind solche Installationen, Gemälde und Skizzen, die derzeit in der Tim-Burton-Ausstellung im Max-Ernst-Museum in Brühl zu bewundern sind. Der US-Regisseur, der unter anderem Edward mit den Scherenhänden oder Sweeney Todd inszenierte, war und ist auch Künstler, Schriftsteller und Fotograf. Wer sich von seinem Talent überzeugen möchte, kann noch bis zum 3. Januar 2016 das Museum direkt in der Nähe des Brühler Bahnhofs besuchen. Studierende bis 27 Jahre zahlen 5 Euro 50, ansonsten gilt der Preis für Erwachsene von 9 Euro 50.IMG_5477 Weiterlesen

Spuren eines rätselhaften Mädchens

Rezension zu Margos Spuren von John Green

von Michael Fassel

Eine Leiche am Rande eines Spielplatzes in einem amerikanischen Vorort – diese Entdeckung macht der zehnjährige Quentin mit seiner besten Freundin Margo. Beide reagieren mit kindlicher Unvoreingenommenheit auf ihren Fund: „Ich wusste natürlich, dass es keine Zombies gab, aber er sah so aus, als könnte er doch einer sein“, so der Ich-Erzähler und Protagonist Quentin im Prolog des vielversprechenden Jugendromans von John Green. Mit Margos Spuren hat er 2008 seinen dritten Roman vorgelegt, der zwei Jahre später von Sophie Zeitz in Deutsche übersetzt und im Hansa Verlag veröffentlicht wurde. Am 30. Juli lief die Verfilmung in den deutschen Kinos an. Weiterlesen