Fortsetzungsroman

Kapitel 1

von Michael Fassel

Silberne Aufzugtüren öffneten sich. In seiner Kochbekleidung trat Ernesto heraus und schritt über einen langen finsteren Trakt. Das Licht machte er nicht an, er kannte den Weg auswendig und musste nur geradeaus gehen. Seine Sammlung an Besteck schepperte metallisch an seinem breiten Gürtel, in dem er seine eigenen Gabeln, Messer und Löffel aufbewahrte. Hochwertiges Material, das nur er benutzte und abends selbst abspülte. Er ließ es noch nicht mal zu, dass jemand anderes abtrocknete. Mitten auf dem Flur blieb er stehen, das Besteck verstummte mit seinen Schritten. Er glaubte, etwas gerochen zu haben. Es war nicht das Gulasch von gestern, sondern etwas erfrischend Herbes, das ihn sofort an ein blaues Meer denken ließ. Er ging weiter. Weiterlesen

Der König der Elfen erzählt – Lesung und Gespräch mit Bernhard Hennen

von Michael Fassel

Mit seiner Lesung zog der deutsche Autor Bernhard Hennen nicht nur eingefleischte Fantasy-Fans in seinen Bann, sondern konnte auch Wissenschaftler aus Germanistik, Anglistik und Romanistik begeistern. Im Rahmen der interdisziplinären Tagung „Die Literatur des Mittelalters im Fantasyroman“ vom 7. bis 9. April an der Universität Siegen gingen sie unter anderem der Frage nach, was die populäre Darstellung des Mittelalters in Romanen wie J. R. R. Tolkiens Klassiker Der Herr der Ringe so erfolgreich macht. Im persönlichen Austausch mit Bernhard Hennen konnten Wissenschaftler wie Fans dem Erfolg des Fantasyromans auf die Spur kommen. Lesung Hennen

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Von Ostereiern, E.T. und Oceanic Airlines

von Michael Fassel

Wenn man an Ostern keine Lust hat oder – wie es in diesem Jahr der Fall ist – es draußen zu kalt ist, nach Schokoladeneiern zu suchen, kann man es auch ganz bequem vom Sessel aus machen. In zahlreichen Medien, Computerspielen und Internet lauern die sogenannten Easter Eggs, die zu einer multimedialen Ostereiersuche einladen. Dabei handelt es sich um versteckte Besonderheiten oder Gags, die nicht einmal hartgesottene Fans auf den ersten Blick erkennen würden. Der ein oder andere wird sicher bereits in seinen Lieblingsfilmen so etwas entdeckt haben. Meistens aber sichtet man Easter Eggs nicht beim ersten Sehen eines Films, schon gar nicht im Kino, obgleich die Leinwand um einiges größer ist als der bescheidene Flachbildschirm im Wohnzimmer. Auf DVDs und Blu-rays gibt es in der Regel als Bonus Filmdokumentationen und Audiokommentare, die auf versteckte Besonderheiten aufmerksam machen. Weiterlesen

Mit hohen Zielen zur 66. Berlinale

von Michael Fassel

Mit einer Angel nach den Stars werfen
Freitagnachmittag, am Potsdamer Platz. Warm eingepackte Journalisten, Autogrammjäger, die ihr Album an einer Angel befestigen. Autogrammjäger mit Angeln? Ich schaue genauer hin. Ja, da ist tatsächlich jemand mit einer Angel, der sein Album wie einen Köder daran befestigt, um es dann über die Fotografenmeute Richtung roten Teppich zu werfen. Schwarze Audis mit der Aufschrift „Berlinale Shuttle“ fahren vor, die Scheiben natürlich getönt, aber niemand steigt aus, jedenfalls nicht in der Zeit meiner Geduldsspanne. Ich will mich hier nicht länger aufhalten, da ich zum einen nicht weiß, ob und wer da gleich aussteigen wird. Zum anderen weiß ich, dass ich mich schleunigst um Tickets für abendliche Vorstellungen kümmern sollte. Weiterlesen

Freund aus Silber

von Michael Fassel

Ein geschmeidiges Gesicht, geformt von einem Bildhauer vor einigen hundert Jahren, verfeinert im klaren Licht der warmen Abendsonne. Eine liebenswerte Statue, inmitten einer Flut aus Silber. Sie wohnt in einem großen Schloss, wo sie die Steine sprechen und das Kellergewölbe singen hören kann. Gesänge aus einer fernen Vergangenheit, dumpf, aber freundlich. Silbernes Wasser fließt aus dem Hahn und benetzt seine Haut, seine Kleidung, alles. Weiterlesen

Abgeschlossen

von Michael Fassel

Nach siebzehn Monaten bohrte sich der Schlüssel mit dem kleinen schwarzen Griff und der dreistelligen Nummer durch die Jeanstasche. Ein Eigenleben hatte er dabei keineswegs entwickelt, vielmehr war das Loch das Ergebnis einer langen Reibung, entstanden durch ständige ruckartige Bewegungen des Schlüsselbesitzers. Mit einem Florett in der Hand, das er immerzu in den Himmel stieß, anstatt seinem Duellanten zu beweisen, wer von beiden geschickter mit diesem Phallussymbol umging, platzte die Hosentasche Naht für Naht, bis der kleine Schlüssel lautlos durch die Jeans im Gras landete. Weiterlesen

Zwischen Surrealismus und Gothic – Eine Reise durch Tim Burtons Kopf

von Michael Fassel

Ein kitschig bunter Weihnachtsbaum in einem Wohnzimmer, dessen Wände mit Blut bespritzt sind. Ein kahler Baum in einem Gewässer, auf dem schwarze Seepferdchen aufgehängt sind. Eine schwarze Spinne, auf deren Körper ein grüner Menschenkopf höhnisch grinst. Es sind solche Installationen, Gemälde und Skizzen, die derzeit in der Tim-Burton-Ausstellung im Max-Ernst-Museum in Brühl zu bewundern sind. Der US-Regisseur, der unter anderem Edward mit den Scherenhänden oder Sweeney Todd inszenierte, war und ist auch Künstler, Schriftsteller und Fotograf. Wer sich von seinem Talent überzeugen möchte, kann noch bis zum 3. Januar 2016 das Museum direkt in der Nähe des Brühler Bahnhofs besuchen. Studierende bis 27 Jahre zahlen 5 Euro 50, ansonsten gilt der Preis für Erwachsene von 9 Euro 50.IMG_5477 Weiterlesen

Spuren eines rätselhaften Mädchens

Rezension zu Margos Spuren von John Green

von Michael Fassel

Eine Leiche am Rande eines Spielplatzes in einem amerikanischen Vorort – diese Entdeckung macht der zehnjährige Quentin mit seiner besten Freundin Margo. Beide reagieren mit kindlicher Unvoreingenommenheit auf ihren Fund: „Ich wusste natürlich, dass es keine Zombies gab, aber er sah so aus, als könnte er doch einer sein“, so der Ich-Erzähler und Protagonist Quentin im Prolog des vielversprechenden Jugendromans von John Green. Mit Margos Spuren hat er 2008 seinen dritten Roman vorgelegt, der zwei Jahre später von Sophie Zeitz in Deutsche übersetzt und im Hansa Verlag veröffentlicht wurde. Am 30. Juli lief die Verfilmung in den deutschen Kinos an. Weiterlesen

Nordrhein-Westfalens größter Zoo

von Michael Fassel

An Land sehen sie behäbig aus, unter Wasser aber scheinen sie die Schwerkraft zu vergessen: Im Hippodom, eine nachgebildete afrikanische Flusslandschaft im Kölner Zoo, lassen sich Nilpferde durch eine Scheibe beim Schwimmen beobachten. Und wenn man Glück hat und zur richtigen Zeit dort ist, kann man die Tiere bei der Fütterung beobachten. Äpfel klatschen auf die Wasseroberfläche, bevor das Nilpferd sein rekordverdächtig großes Maul öffnet und sie verschlingt. Weiterlesen